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Köln: Start-Up vermittelt günstigere Tickets​

Sonderangebote online : Kölner Start-Up vermittelt günstigere Tickets

Das Kölner Gründerteam hilft Freizeitanbietern, Eintrittskarten zu dynamischen Preisen zu verkaufen. Das soll sich für Unternehmen und Schnäppchenjäger lohnen – und adressiert einen großen Markt. Doch auch für das Start-up gilt: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Ein Ticket für die Skihalle Neuss um ein knappes Viertel günstiger? In den Kölner Zoo für 16 Euro statt 23 Euro? Oder eine Rätseltour durch die Düsseldorfer Innenstadt für ein paar Euro weniger? Diese Angebote finden sich auf der Seite des Start-ups DynAmaze – aber können sich in ein paar Minuten schon wieder verändern. Denn das junge Kölner Unternehmen bietet Eintrittskarten von Freizeitanbietern zu dynamischen Preisen an. Das bedeutet: Immer wieder gibt es Tickets mit Rabatten von bis zu 60 Prozent. Aber nur einige wenige – und nur für festgelegte Eintrittszeiten: „Viele Anbieter haben eine sehr schwankende Auslastung“, erklärt Mitgründer Jasper Klimas, „und sie tun sich oft noch schwer, die Besucher gut in diese Zeitfenster zu lenken.“

Dabei will das 2019 gegründete Start-up helfen. Inspiriert wurde Klimas bei einem studentischen Auslandsaufenthalt in Kanada: Zu bestimmten Zeiten platzten Restaurants aus allen Nähten, zu anderen herrschte gähnende Leere. Zurück in Deutschland übertrug er den Gedanken mit seinen Mitgründern Petúr Müller und Timo Gerth auf den Freizeitsektor: „Viele der Einrichtungen haben hohe Fixkosten, die Kosten für einen zusätzlichen Besucher sind aber sehr gering“, sagt Klimas. Eine Umfrage unter ihren Anbietern zeigte: Im Schnitt sind die Einrichtungen nur zu 35 Prozent ausgelastet.

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Starthelfer für den digitalen Ticketverkauf

Mit einem eigenen Webzugang können die Anbieter nun einstellen, ob sie für bestimmte Zeitfenster Ermäßigungen vergeben wollen und wie hoch der maximale Rabatt sein darf. Das kann bis zu sieben Tage im Voraus geschehen, wenn etwa eine Therme grundsätzlich weiß, dass Mittwochvormittage nur schwach ausgelastet sind. Oder tagesaktuell, wenn ein Zoo bei einem Regenschauer spontan Rabatte einrichtet. Parallel beobachtet ein Algorithmus, wie attraktiv die Angebote sind: Setzt ein Ansturm auf die Tickets ein, nähern sich die Preise schneller wieder dem Normalpreis an. „Wir führen für die Freizeitbranche die dynamische Preissetzung ein, die man schon von Flugreisen oder Hotelbuchungen kennt“, sagt Klimas.

Damit zielt das Start-up auf einen grundsätzlich gigantischen Markt: 164 Milliarden Euro wurden in Deutschland allein 2021 für Kultur, Freizeit und Unterhaltung ausgegeben, vor Corona war es sogar noch ein Stückchen mehr. Doch gerade in der Freizeitbranche geht es oft um viele kleine und lokale Anbieter, die nicht die Kapazitäten haben, um den richtigen Preis für den richtigen Zeitpunkt zu suchen.

DynAmaze will es ermöglichen, zusätzlichen Umsatz zu generieren – und verlangt dafür vom Anbieter 15 Prozent Provision pro verkauftem Ticket. Zugleich will das Start-up den Einrichtungen helfen, die Eintrittskarten möglichst einfach per Smartphone oder Webbrowser zu verkaufen. Damit tritt es in Konkurrenz zu anderen großen Anbietern mit Ticketplattformen wie Eventbrite oder Eventim.

Voller Fokus auf NRW

Das zeigt: Mit seinem Vorhaben hat sich DynAmaze nicht nur einem großen Markt, sondern auch einer großen Herausforderung verschrieben. Auf der einen Seite muss das junge Team die Anbieter auf seine Plattform bringen. Gut 50 Partner gibt es bereits, in den kommenden Wochen sollen zahlreiche weitere dazukommen. Die große Mehrheit stammt aus Nordrhein-Westfalen: In Köln, Düsseldorf und dem Umland ist das Start-up bereits gut vertreten, ins Ruhrgebiet arbeiten sich die Gründer vor. „Unser Fahrplan bis Ende des Jahres sieht einen vollen Fokus auf NRW vor“, sagt Klimas.

Diese regionale Ausrichtung soll bei der zweiten Herausforderung helfen. Denn zum anderen muss das Start-up es schaffen, neugierige Nutzer auf seine Plattform zu bringen. Hier setzt das Gründerteam auf Werbung bei Facebook und Instagram, auf Kooperationen mit Freizeitblogs und vor allem auf die Weiterempfehlung unter Schnäppchenjägern: „Gerade hat hier einer neun Tickets gebucht – da spricht sich das sicher unter den Freunden herum“, sagt Klimas mit einem Blick in das Buchungssystem.

Finanzierungsrunde ist in Aussicht

Die Start-up-Macher hoffen, dass viele Ticketkäufer immer wieder auf die Seite zurückkommen, wenn sie nach Freizeitgelegenheiten in der eigenen Region suchen. Damit will sich DynAmaze von großen Anbietern wie Airbnb oder Getyourguide absetzen. Die vereinen ebenfalls den zersplitterten Markt der lokalen Anbieter von Bootstouren, Freizeitparks oder Stadtführungen – fokussieren sich aber auf Urlauber, die am Zielort nach Angeboten suchen.

Bislang sorgten unter anderem das Gründerstipendium des Landes NRW und des Start-up-Accelerators Gateway der Uni Köln für den ersten Schwung bei DynAmaze, in den kommenden Wochen soll eine erste Finanzierungsrunde abgeschlossen werden. Aktuell arbeiten etwa zehn Leute mit an dem Projekt, viele als Werksstudenten oder Freiberufler. Das Kölner Gründertrio hofft aber auf einen Durchbruch in diesem Sommer. Kurz nach der Gründung des Unternehmens legte die Pandemie die Veranstaltungsbranche flach, erst seit vergangenem Juli ist das Portal in seiner derzeitigen Form freigeschaltet. „Während Corona hatten viele Anbieter andere Probleme“, sagt Klimas. Jetzt aber steigt die Neugier der Einrichtungen auf neue Vertriebswege – und die der potenziellen Nutzer auf Freizeitschnäppchen: Etwa 2000 Tickets wurden allein im April über DynAmaze verkauft, bis Ende des Jahres sollen es 50.000 Eintrittskarten werden.