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Köln: Sperrstunde in NRW stellt Wirte vor Herausforderungen

Kölner Kneipenbetreiber zur Sperrstunde : „Am Montag haben wir neun Euro umgesetzt“

Die Sperrstunde soll dabei helfen, einen zweiten Lockdown zu verhindern. Doch sie kommt einer Schließung gleich, wie Helmut Köhnlein sagt, der zwei Kölner Kneipen betreibt. Ein Protokoll.

Wir haben den Sommer einigermaßen überstanden, weil wir auch draußen Tische hatten. Wir brauchten kein Geld vom Staat, konnten unsere Rechnungen bezahlen, unser Personal, die Miete, aber wir konnten keine Rücklagen für den Winter generieren. Der Herbst und der Winter sind unsere Hauptgeschäftszeit, Karneval natürlich auch, aber darüber müssen wir gar nicht mehr reden. Der Kneipenkarneval war ohnehin schon nicht mehr denkbar. Aber die neuen Regelungen treffen uns gerade hart.

Die Politik sagt, sie macht die Gastro nicht zu, aber das Einführen einer Sperrstunde kommt einer Schließung gleich. Ich habe ein Abendgeschäft, es bringt mir nichts, wenn ich den Laden am Nachmittag aufsperre. Da kommt keiner. Bei uns passiert einfach sehr viel am späten Abend. Die Leute sind gerade total verunsichert. Was ist erlaubt, was nicht? In dieser Woche war schon nichts mehr los. Wir haben an drei Tagen zusammen weniger umgesetzt als sonst an einem Tag. Am Montag gerade mal neun Euro. Am Mittwoch, eigentlich immer ein stabiler Tag, waren es 30 Euro. Die Leute bleiben weg, obwohl sie noch kommen dürfen. Die Straßen sind abends wie leergefegt.

  • 031117
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Mir fehlt einfach die Fantasie, wie es weitergehen soll mit nur noch fünf erlaubten Leuten pro Tisch und den Maßnahmen, die ohnehin schon bestehen. Da krieg ich gerade mal 30 Leute in den Laden. Ich finde die Sperrstunde unverhältnismäßig, auch wenn ich verstehe, dass das öffentliche Leben insgesamt gerade wie im Frühjahr wieder runtergefahren werden muss. Aber wir haben diese ganzen Strukturen mit Gästeregistrierung ja auch aufgebaut, um nachvollziehen zu können, woher die Neuinfektionen kommen. Damit man dann passgenau reagieren kann.

 Bar Pegel in der Brüsseler Straße in Köln während des Lockdowns im Frühjahr.
Bar Pegel in der Brüsseler Straße in Köln während des Lockdowns im Frühjahr. Foto: RPO/Privat

Die meisten Leute infizieren sich aber nicht in einer Kneipe, sondern beim Reisen, in Altenheimen, auf privaten Feiern oder am Arbeitsplatz. Man reagiert jetzt also ganz stark in einem Bereich, in dem die Zahl derer, die sich anstecken, sehr gering ist. Nur 0,5 Prozent der Neuinfektionen gehen auf Bars oder Restaurants zurück. Wir sorgen in unseren beiden Läden „Pegel“ und „Gottes grüne Wiese“ dafür, dass die Regeln eingehalten werden. Und das machen alle anderen Wirte auch - schon aus Angst vor einem zweiten Lockdown. Maske auf, Hände desinfizieren, nicht tanzen, auf Abstand bleiben.

Wenn die Leute nicht mehr in die Kneipen können, feiern sie zu Hause, aber private Haushalte lassen sich doch niemals so gut kontrollieren wie eine Kneipe. Mir ist einfach nicht klar, was eine Sperrstunde bringen soll. Und es wird nicht lange gehen, dann wird sie auch in Köln von ein Uhr auf 23 Uhr vorgezogen. Ich muss mir das kommende Wochenende anschauen und wenn es so bleibt, dass kaum einer kommt, mache ich am Montag erstmal zu. Die Gastronomie ist so ein riesiger Wirtschaftsfaktor, ich finde, die Politik müsste angesichts der Maßnahmen sagen: Wir ziehen euch finanziell durch den Winter. Sonst gibt es nächstes Jahr Städte, in denen es keine schönen Bars und Kneipen mehr gibt. Rücklagen hat nach dem Frühjahr keiner mehr, das wird für ganz viele der Todessstoß sein.