Köln: "Schnurrke" - erstes Katzencafe in NRW

Köln : "Schnurrke" - erstes Katzencafé in NRW

Vier Katzen sind die neuen Hauptdarsteller in der Kölner Innenstadt. Zur Tasse Kaffee gibt es eine Portion Kuscheln gratis. Inhaberin Sabrina Szabo setzte das asiatische Konzept in enger Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt um.

Tiga schlendert ganz gemütlich zwischen den Kaffee- und Teetassen auf dem braunen Ecktisch umher. Sie schnurrt, sucht Zuneigung, springt auf den ersten Schoß, lässt sich ausgiebig streicheln, bevor sie den Schmusepartner wechselt. Tiga ist Hauskatze und eine von vier Hauptdarstellern im ersten Katzencafé in NRW.

Seit zwei Wochen ist das Café "Schnurrke" in Köln geöffnet. Es soll Treffpunkt für Katzenliebhaber sein, die zur Tasse Kaffee eine Portion Kuscheln gratis bekommen. Eigene Katzen können nicht mitgebracht werden, der Eintritt ist frei.

Inhaberin Sabrina Szabo hat sich mit dem Café „Schnurrke“ einen Lebenstraum erfüllt. Katze Emma fühlt sich in ihrem Zuhause sichtlich wohl und inspiziert die Umgebung. Foto: Endermann, Andreas

Tiga die "Monsterbraut"

Drei Katzen und ein Kater, die aus einem spanischen Tierheim nach Deutschland geholt wurden, wohnen seit Mitte Dezember in dem von außen unscheinbar wirkenden Lokal in der Innenstadt. "Es ist ihr Zuhause geworden", sagt Inhaberin Sabrina Szabo, die spezielle Anforderungen an den Charakter ihrer vierbeinigen Mitarbeiter hatte. "Menschenbezogen, sozial und verschmust", standen in der Stellenbeschreibung.

Während Betty noch schüchtern daherkommt, übertreffen Emma, Gino und vor allem Tiga die Erwartungen der 34-Jährigen. "Tiga ist eine Monsterbraut, total angstfrei", so beschreibt Sabrina Szabo ihre Vorzeigekatze, die es sich währenddessen für ein paar Minuten auf dem Tisch bequem macht, ehe sie aufspringt und sich auf die Suche nach der nächsten Streicheleinheit macht.

Ein Trend aus Asien

Das Konzept "Katzencafé" hat seinen Ursprung in Asien, wo die Lokale eine echte Erfolgsgeschichte schreiben. Vor knapp zwei Jahren kam der Trend nach Europa. 2012 wurde das erste Café in Wien eröffnet. Kurz darauf machte das "Café des Chats" in Paris auf. Unweit des Centre Pompidou ist der Andrang seither ungebremst. In Deutschland zogen im vergangenen Jahr die ersten Cafés in München und Berlin nach. Sabrina Szabo hatte schon länger den Gedanken gefasst, sich mit etwas Ausgefallenem selbstständig zu machen.

Ihre Nachbarn, die in Japan zufällig ein Katzencafé entdeckt hatten, gaben schließlich den Anstoß für die zündende Idee. Ganz zum Leidwesen von Sabrina Szabos Mutter, die dafür keinerlei Verständnis aufbrachte. "Mittlerweile hat sie sich etwas beruhigt und war auch schon mal hier zu Besuch", sagt Sabrina Szabo, die ihren sicheren, aber immer weniger erfüllenden Job als Managementassistentin bei einer Versicherung für ihren Traum aufgab.

Verwunderung beim Veterinäramt

Mit Verwunderung reagierte auch das Kölner Veterinäramt auf die Anfrage der diplomierten Übersetzerin für Englisch und Chinesisch. Das Amt sah sich erstmals mit solch einer Geschäftsidee konfrontiert. "Die Mitarbeiter waren kooperativ, mussten sich aber selbst erst einmal ausgiebig mit den Voraussetzungen beschäftigen", erklärt Sabrina Szabo.

Sie musste Bedingungen erfüllen, die vor allem den Tierschutz und die Lebensmittelhygiene betreffen: eine Eingangsschleuse, damit die Katzen nicht auf die Straße laufen, ein Ruheraum mit Tageslicht, der jederzeit für die Katzen zugänglich ist, falls sie einmal zu viel von dem Trubel haben sollten, und ein abgetrennter Küchenbereich.

Getränke sind garantiert ohne Katzenhaare

Eine dicke Glaswand, in Spanplatten eingelassen, grenzt das Lokal zur offen einsehbaren Küche ab, in der auch Sandwiches und Kuchen zubereitet werden. Kaltgetränke werden mit Deckel und Strohhalm gereicht — ein Hingucker und die Flüssigkeit ist sicher Katzenhaarfrei. Die Gäste kommen aus allen Altersgruppen. "Es sind zwar mehr weibliche Besucher, aber auch einige Männer kommen", sagt die Inhaberin. "Wir haben zudem klassische Laufkundschaft: Viele bleiben vor dem großen Fenster stehen und sagen: ,Guck mal, wie süß', und dann kommen sie rein."

Große Ziele hat sich Sabrina Szabo bei der Verwirklichung ihrer Idee nicht gesetzt. "Ich wäre froh, wenn das Konzept greift und ich mich davon ernähren kann", sagt die gebürtige Kölnerin. Auch wenn die Gäste die Katzen nicht füttern dürfen — das Veterinäramt befürchtet gesundheitliche Probleme durch Übergewicht bei den Tieren — ist das Publikum von der Idee angetan.

Während sich Kater Gino ein Nickerchen auf der Couch in der Spielecke gönnt, die mit allerlei Katzenspielzeug ausgestattet ist, besucht Emma die Studentinnen Heike, Rebecca und Sophia. "Die Katzen hier sind super, so zutraulich", sagt die 21-jährige Rebecca. "Wir planen auch schon unsere nächsten Besuche, damit uns die Katzen kennenlernen und sich an uns erinnern." Das "Schnurrke" hat seine ersten Stammkunden gefunden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Fotos: So sieht es im Katzen-Café aus

(RP)
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