Köln: Prozess um Anstiftung zum Mord

Amour fou in Elsdorf : „Mach ihn weg, von mir aus ganz“

Wollte ein 56-jähriger Mann aus Elsdorf den Liebhaber seiner Frau töten lassen? Oder war das alles gar nicht so gemeint? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Kölner Landgericht – und kam schneller zu einem Urteil als geplant.

Kölner Landgericht, Saal 13, verhandelt wird eine Anstiftung zum Mord. Auf der Anklagebank sitzt aber kein mutmaßlicher Mafioso, sondern der gelernte Betriebsschlosser Peter J. aus Elsdorf, der heute auf Wochenmärkten Haushaltsgeräte verkauft. Er ist 56 Jahre alt, wurde in Essen geboren, hat zwei Kinder im Teenageralter, ist geschieden und bisher nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Mit seiner Ex-Frau war er gleich zweimal verheiratet. Im Frühjahr 2016, als es zu den Vorfällen kam, die letztlich zur Anklage geführt haben, soll die Ehe gerade zum zweiten Mal gescheitert sein.

Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass J. damals den Liebhaber seiner Frau, Wolfgang P. (Name geändert), umbringen lassen wollte. 1000 Euro soll ihm die Sache zunächst wert gewesen sein. Der Staatsanwalt zitiert aus Whatsapp-Nachrichten, die der Angeklagte Jürgen D. geschickt hat – er war es, der den Liebhaber laut Anklage töten sollte. „Mach ihn weg, von mir aus ganz“, schrieb J. ihm. Später dann: „Sei so gut, ich bin das meiner Frau schuldig!“ Fünf Monate hatten die beiden immer wieder Kontakt, 900 Euro waren geflossen, „damit muss gut sein“, schrieb J. an Jürgen D. Doch der informierte den ahnungslosen Liebhaber und so landete der Fall bei der Polizei.

Peter J. lässt seinen Verteidiger Arno Dhein eine Erklärung verlesen. Ihm gegenüber sitzt als Nebenkläger der Liebhaber, genauer gesagt der ehemalige Liebhaber, auch Wolfgang P. ist nicht mehr mit der Frau zusammen. J. bestreitet den Tatvorwurf. „Ich habe ihm nie nach dem Leben getrachtet“, heißt es in seiner Erklärung. Seine Wortwahl in den Nachrichten bereue er „zutiefst“. „Ich spreche auch in der Kneipe so, für viele ist das vielleicht nicht nachvollziehbar. Und jetzt sitz' ich hier vor dem Schwurgericht und verstehe die Welt nicht mehr.“

In besseren Zeiten leitete Peter J. einen Blumengroßhandel, den er vom Vater übernommen hatte. Nach 17 Jahren war der Laden aber pleite. „Es ging damals emotional hoch her“, sagt J. über die Zeit nach der zweiten Trennung von seiner Frau – in der sie eine Beziehung mit Wolfgang P. eingegangen war. „Ich habe ihm damals die Schuld für die Trennung gegeben, aber ich wollte nicht seinen Tod.“ Einem Taxifahrer, den er kannte, habe er damals sein Leid anvertraut und ihm über den neuen Mann an der Seite seiner Frau gesagt: „Der braucht mal eine auf die Fresse.“ Der Taxifahrer habe daraufhin gesagt: „Da kenn' ich jemanden, dem gibst du etwas Geld, der macht so was.“

Und so kam Jürgen D. ins Spiel, Groß- und Außenhandelskaufmann aus Elsdorf, 49 Jahre alt und dem Kampfsport zugeneigt. Im Zeugenstand erzählt er, wie der Taxifahrer ihm gesagt hätte, jemand brauche eine Abreibung, es gebe Geld dafür. „So ein Angebot hab ich noch nie bekommen“, sagt er. Er sagt, dass er nie vorgehabt habe, Wolfgang P. etwas anzutun. Vor allem, weil schnell klar gewesen sei, dass er den Liebhaber von Frau J. von früher kenne. „Ich wollte Peter J. hinhalten und Wolfgang warnen und informieren“, sagt er. Zuerst einmal sei er aber in den Urlaub gefahren. „Als ich zurückkam, hatte ich 600 Euro von Peter J., die er bei mir zu Hause im Umschlag abgegeben hatte.“ Es sollte die Anzahlung für die Abreibung sein, 300 Euro kamen noch dazu. Der Vorsitzende Richter will wissen, was genau er damals unter „Abreibung“ verstanden habe. Sollte er Wolfgang P. vielleicht nur eine Tracht Prügel verpassen? „Nein, der wollte ihm richtig schaden“, sagt Jürgen D. „Ich hab das so verstanden, dass er ihn ganz kaputt machen will.“ Letztlich krümmte der Hobby-Kampfsportler Wolfgang P. kein Haar. Mehr noch: Die beiden sind heute gut befreundet, wie sie sagen.

Der Ex-Liebhaber Wolfgang P., Kraftfahrzeugtechniker, 47 Jahre alt, erinnert sich im Zeugenstand an die vielen Drohungen, die er damals von Peter J. erhalten habe. „Als er gehört hat, dass ich mit seiner Noch-Ehefrau zusammen bin, hat er mir geraten, mich nur noch mit dem Rücken an der Wand zu bewegen“, sagt er. Peter J. habe ihn verfolgt, sei immer wieder bei seiner Arbeitsstelle aufgetaucht. „Mir war es ernst mit der Frau, aber wir haben durch die ganze Sache auch Stress bekommen.“ Heute habe er keinen Kontakt mehr zu ihr.

Der Prozess geht am Nachmittag überraschend schon mit einem Urteil zu Ende: Freispruch für Peter J. Das Gericht kann ihm einen Tötungsvorsatz nicht nachweisen, wie Rechtsanwalt Dhein sagt. Eigentlich sollte eine Entscheidung erst Anfang Februar fallen.