Großeinsatz in Ehrenfeld Mann stirbt nach Polizeieinsatz in Köln – Identität steht fest

Köln · Ein Mann stirbt nach einer Schussabgabe durch Polizisten in Köln. Zunächst waren die Umstände unklar. Nun haben die Ermittler weitere Details zu dem Großeinsatz am Donnerstagabend bekanntgegeben.

 Absperrband der Polizei. (Symbolbild)

Absperrband der Polizei. (Symbolbild)

Foto: dpa/David Inderlied

Nachdem ein Mann am Donnerstagabend im Kölner Stadtteil Ehrenfeld nach einem Polizeieinsatz im Krankenhaus gestorben ist, gibt es nun weitere Details zu dem Fall. Wie die Kölner Staatsanwaltschaft auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte, soll sich vorbehaltlich weiterer Ermittlungserkenntnisse Folgendes zugetragen haben:

Am frühen Donnerstagabend bedrängte der zwischenzeitlich identifizierte Betroffene – es handelt sich um einen 36-jährigen Mann mit Wohnsitz in Euskirchen – auf dem Helmholtzplatz zwei Frauen und versuchte mit körperlicher Gewalt, deren Auto an sich zu bringen. Nachdem dies misslungen war, floh er anschließend in Richtung Vitalisstraße, wo er in ein Taxi stieg, um die Flucht fortzusetzen. Der Taxifahrer verweigerte jedoch den Transport und stieg aus.

„Als der Betroffene die Fahrerposition eingenommen hatte und versuchte, sich mit dem Taxi zu entfernen, wurde er von zwei zwischenzeitlich eingetroffenen Polizeibeamten gestellt“, sagt Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. „Der Betroffene führte dabei ein Messer bei sich, das er trotz Aufforderung nicht weggelegt haben soll.“ Im weiteren Verlauf kam es zu der Abgabe eines Schusses, der den Mann im Bereich des Oberkörpers traf. Auf dem Boden liegend soll sich der Verletzte selbst noch mit dem Messer schwere Verletzungen zugefügt haben. Unter Reanimationsmaßnahmen brachten Rettungskräfte ihn in eine Klinik, wo er wenig später seinen schweren Verletzungen erlag – ob er aufgrund der Messerverletzungen oder wegen der Schussverletzung gestorben ist, ist noch unklar.

Die Staatsanwaltschaft Köln hat ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren aufgenommen zur Prüfung, ob es mit Blick auf den Tod des Mannes konkrete Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Fremdverschulden von Polizeibeamten, die als Zeugen vernommen werden, gibt. Zu diesem Zweck werden alle in Betracht kommenden Zeugen vernommen sowie Spuren und weitere Beweismittel wie etwa Bodycam-Aufnahmen der Polizei ausgewertet, um den Geschehensablauf möglichst lückenlos aufzuklären. „Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Durchführung aller notwendigen rechtsmedizinischen Untersuchungen zur Klärung der Todesursache“, sagte Bremer. Die Obduktion des Leichnams ist angeordnet worden. Der Bundeszentralregisterauszug des Verstorbenen weist keinerlei Voreintragungen wegen Gewaltdelikten auf. Weitere Informationen zu seiner Person können laut Staatsanwaltschaft „zum Schutz postmortaler Persönlichkeitsrechte“ nicht mitgeteilt werden.

Es kommt immer wieder zu Fällen, in denen Polizisten zur Waffe greifen. Im Juni schoss die Polizei in Herford mehr als 30 Mal auf das Auto eines 19-Jährigen, der dabei schwer verletzt wurde. Er hatte Gas gegeben, als er in eine Kontrolle geraten war.

Im November wurde ein Mann in der Fußgängerzone in Gummersbach lebensgefährlich durch Polizeischüsse verletzt. Er hatte einen Polizisten angegriffen. Zwei unbeteiligte Passanten wurden bei dem Einsatz ebenfalls verletzt.

Am 1. Dezember beginnt in Dortmund der Prozess gegen fünf Polizeibeamte. Sie alle waren an einem Einsatz im August 2022 beteiligt, bei dem ein psychisch verwirrter 16-jähriger Flüchtling mit mehreren Schüssen aus kurzer Distanz getötet worden war. Dem Schützen wird nun Totschlag vorgeworfen. Zwei Polizistinnen und ein Polizist sind wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt angeklagt. Sie sollen ungerechtfertigt Pfefferspray und Taser zum Einsatz gebracht haben. Und dem Dienstgruppenleiter wirft die Staatsanwaltschaft vor, sie dazu angestiftet zu haben.

Grundsätzlich darf die Polizei Schusswaffen gegen Personen nur einsetzen, um eine akute Lebensgefahr abzuwehren. Zudem dürfen sie nur verwendet werden, wenn andere Maßnahmen des unmittelbaren Zwanges erfolglos angewendet wurden oder offensichtlich keinen Erfolg versprechen, als letztes Mittel sozusagen. Aus dem NRW-Innenministerium heißt es dazu: „Ob diese Voraussetzungen vorliegen, muss im Einzelfall geprüft und bewertet werden.“ Darunter könnten etwa Angriffe mit Stichwaffen und eine damit verbundene Situationsdynamik fallen. „In einem solchen Fall kann nach Einzelfallbewertung der Schusswaffeneinsatz in Betracht kommen – und zwar unabhängig davon, ob ein Taser mitgeführt wurde oder nicht.“

Mit den Ermittlungen zum Kölner Fall wurde aus Neutralitätsgründen die Polizei Bonn betraut.

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