Köln: Kirche unterstützt Boykott gegen Kollegah-Konzert im E-Werk

Antisemitismus- und Sexismus-Vorwürfe : Kirche unterstützt Boykott gegen Kollegah-Konzert in Köln

Die katholische Kirche in Köln unterstützt einen Boykott-Aufruf gegen ein Konzert des umstrittenen Rappers Kollegah. Kollegah propagiere in seinen Texten Antisemitismus, Homophobie und Gewalt gegen Frauen.

„Gerade wenn antisemitische Schmähungen und Übergriffe leider wieder an der Tagesordnung sind, dürfen wir keine Rücksicht auf vermeintlich künstlerische Freiheiten nehmen, zumal Rapper wie Kollegah großen Einfluss auf unsere Jugend haben“, sagte der Kölner Stadtdechant Robert Kleine am Freitag dem Portal „domradio.de“.

Unter anderen hatte die Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit das für Dienstag geplante Konzert des Rappers kritisiert. Kollegah propagiere in seinen Texten Antisemitismus, Homophobie, Gewalt gegen Frauen und rufe auch zum Hass gegen sozial Marginalisierte auf, sagte der Vorsitzende Jürgen Wilhelm laut „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Stadtdechant Kleine erklärte weiter, er halte es für falsch, dem Musiker in Köln eine Bühne zu bieten. Er hoffe, dass viele dem Konzert mit seinen sexistischen, homophoben und antisemitischen Songs die Rote Karte zeigen würden. Er sei zudem gerade bei einer Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Pogromnacht in der Kölner Synagoge gewesen und betonte deswegen: „Der 9. November 1938 muss uns bleibende Mahnung sein.“

Die Stadt Rastatt hatte zuvor bereits ein für Samstag, 9. November, geplantes Konzert des Rappers abgesagt. Die Frauenzeitschrift „Emma“ hatte den Musiker zuletzt mit der neugeschaffenen Negativ-Auszeichnung „Sexist Man Alive 2019“ kritisiert. Kollegah rage „klar aus der Menge heraus mit seinem enthemmten Sexismus, Antisemitismus und Islamismus“, so die von Alice Schwarzer (76) geleitete Redaktion am Dienstag. Sein Antisemitismus sei kein Ausrutscher, sondern habe System.

Kollegah war 2018 gemeinsam mit seinem Musikerkollegen Farid Bang bei der Verleihung des Musikpreises „Echo“ in Kritik geraten. Ihnen wurde Antisemitismus vorgeworfen. In einem Liedtext der Rapper heißt es etwa: „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen.“ Auch die Jury und der ausrichtende Bundesverband Musikindustrie wurden kritisiert. Daraufhin beschloss der Verband, den „Echo“ abzuschaffen.

(mba/kna)
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