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Köln: Gummersbacher Pfarrer soll Kinder sexuell missbraucht haben

Missbrauchsprozess in Köln : Pfarrer wird nach Zeugenaussage im Gericht verhaftet

Im Missbrauchsprozess gegen den Gummersbacher Priester Hans U. hat der Kirchenrechtler Günter Assenmacher erneut als Zeuge ausgesagt und eine Mitverantwortung bestritten. Am Donnerstag wurde Hans U. überraschend noch im Gerichtssaal festgenommen.

Bislang war der katholische Pfarrer Hans U. immer als freier Mann zum Prozess ins Kölner Landgericht gekommen. Doch nachdem am Donnerstag ein weiteres mutmaßliches Missbrauchsopfer unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegen ihn ausgesagt hatte, ließ der Vorsitzende Richter den 70-Jährigen noch im Saal verhaften. Dies bestätigte Gerichtssprecher Jan Orth auf Anfrage unserer Redaktion. Weil die erneuten Vorwürfe gegen den Pfarrer sich auf mutmaßliche Taten beziehen, die noch nicht lange zurückliegen, bestehe nun Wiederholungsgefahr.

Seit November steht Hans U. nun vor Gericht. Er soll zwischen 1993 und 1999 in Gummersbach seine drei minderjährigen Nichten teils schwer sexuell missbraucht haben. In Wuppertal soll er 2011 ein elfjähriges Mädchen missbraucht haben. Im Laufe des Prozesses melden sich immer mehr mutmaßliche Opfer beim Gericht. Noch ist unklar, wie viele weitere Frauen als Kinder und Jugendliche von U. missbraucht worden sein könnten. Unter ihnen ist auch die ehemalige Pflegetochter des Geistlichen. U. soll sie mehrfach vergewaltigt haben. Sie wurde als Jugendliche zweimal schwanger und trieb ab, wie sie im Prozess aussagte.

  • Günter Assenmacher, früherer Kirchenrichter des Erzbistums
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Im Verfahren geht es auch um die Rolle des Erzbistums Köln. Am Vormittag wurde erneut der frühere Offizial Günter Assenmacher vernommen. Als oberster Kirchenrichter des Erzbistums wurde Assenmacher 2010 erstmals mit dem Fall U. konfrontiert, weil der Priester in einem anonymen Schreiben des sexuellen Missbrauchs seiner Nichte beschuldigt wurde. Die schriftlichen Aussagen der Nichte seien zwar „detailreich und plausibel“ gewesen, wie Assenmacher sagt. „Aber die Darlegung krankte daran, dass die Person die Aussage nicht wiederholte.“ Wohl auf Druck ihrer Familie hatte die Jugendliche die Anzeige gegen ihren Onkel zurückgezogen. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wurden zunächst eingestellt.

 Günter Assenmacher, früherer Kirchenrichter des Erzbistums Köln, war im Prozess als Zeuge geladen.
Günter Assenmacher, früherer Kirchenrichter des Erzbistums Köln, war im Prozess als Zeuge geladen. Foto: dpa/Federico Gambarini

Die Frage ist, ob das Erzbistum trotzdem eigene Ermittlungen hätte anstellen müssen. Schon bei der ersten Befragung Assenmachers war in der vergangenen Woche deutlich geworden, dass man damals „mit wenig Engagement viel in Erfahrung hätte bringen können“, wie der Vorsitzende Richter sagte. So übernachteten etwa ständig Mädchen im Pfarrhaus.

Assenmacher sagt mehrmals: „Ich war nicht zuständig.“ Er sei lediglich als Berater mit dem Fall befasst gewesen. Der Fall U. war nach seinen Angaben damals erst der vierte dieser Art. Bei den anderen Fällen sei die Beweislage aber sehr viel klarer gewesen. „Wir haben uns gefragt: Was können wir hier beweisen?“ Auch die Mutter des Mädchens habe nicht mit dem Erzbistum sprechen wollen. Die Beurlaubung des Priesters wurde daraufhin aufgehoben.

Nach seiner Beurlaubung wurde U. als Krankenhausseelsorger in Wuppertal eingesetzt. Er bekam keinerlei Auflagen, etwa die, nicht mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu treten. „In aller Regel ist man im Krankenhaus ja nicht allein mit Kindern“, sagt Assenmacher. Die Frage des Vorsitzenden, ob denn eine Gefährdungsanalyse durchgeführt worden sei, verneint er. Rückblickend sagt Assenmacher, dass man im Fall U. weitere Opfer vor Übergriffen hätte bewahren können, „wenn man sich damals mehr darum bemüht hätte, die Dinge zusammenzutragen“. Er ergänzt: „Es tut mir leid, dass das nicht geschehen ist. Aber keiner von uns kann die Uhr zurückdrehen.“

 Im vergangenen Jahr wurden Assenmacher in einem Gutachten Pflichtverletzungen bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen vorgeworfen. Daraufhin entband ihn Kardinal Rainer Maria Woelki von seinen Pflichten, später schied er aus dem Amt. Assenmacher hatte 26 Jahre das Kirchengericht des Kölner Erzbistums geleitet.

 Der Prozess wird fortgesetzt.