Köln: Geldstrafe für den Mann, der die Wache der Bundespolizei zerstört hat

Prozess um geflutete Polizeistation in Köln : „Die Wache war schmutzig“

Ein Betrunkener hat vor zwei Jahren die Wache der Bundespolizei im Kölner Hauptbahnhof überschwemmt - die Beamten arbeiten seitdem in Containern. Nun stand der Mann in Köln vor Gericht.

Eine Wache ist ein „wesentliches technisches Arbeitsmittel der Polizei“, wie es im Juristendeutsch heißt. Dass eine einzelne Person eine Polizeistation komplett zerstört, noch dazu mit einem Blutalkoholwert von zwei Promille, kommt vermutlich eher selten vor. Marcel W., 32 Jahre alt, Schweißer und Lkw-Fahrer, wurde aus diesem Grund angeklagt. Er soll im Mai 2017 die Bundespolizeiwache im Kölner Hauptbahnhof überschwemmt haben, indem er die Sprinkleranlage in einem Durchsuchungsraum aus der Decke gerissen hat. Das Wasser drang in sämtliche Wände ein, die Feuerwehr rückte mit zwei Löschzügen an, später musste der Boden aufgestemmt werden. Und etwa 250 Beamte arbeiten seitdem schichtweise in Containern auf dem Bahnhofsvorplatz. Im kommenden Jahr soll eine komplett neue Wache im Hauptbahnhof entstehen. Der Schaden kann nicht genau beziffert werden, rund 140.000 Euro dürften es nach Angaben einer Bundespolizei-Sprecherin sein.

Marcel W. musste sich nun vor dem Kölner Amtsgericht verantworten – wegen Sachbeschädigung und des Missbrauchs von Notrufen, deshalb war er an jenem Tag auf der Wache. W. hatte in einem Zug der Linie S 6 die Notbremse gezogen, sich dann betrunken auf einem Vierersitz zusammengerollt. Zwei Wachmännern der Deutschen Bahn entwischte er danach, nach einer Verfolgungsjagd bis in ein Hotel hinter dem Kölner Hauptbahnhof landete er auf der Wache. Er habe in der Nacht Wodka konsumiert, „ausnahmsweise“, wie sein Verteidiger Philipp Tietmann sagt. „An alles danach kann er sich nicht mehr erinnern.“

Die Polizei musste nach dem Vorfall auf den Bahnhofsvorplatz umziehen. Foto: dpa

Marcel W. bestreitet nicht, die Wache geflutet zu haben: „Ich bin aber erst zu mir gekommen, als ich plitschnass in diesem Raum stand.“ Schlagartig nüchtern sei er dann gewesen, als seine Freundin und sein Kind ihn auf der Wache abholten. „Da hat er geweint“, sagt eine Polizeibeamtin im Zeugenstand. Sie hatte W. damals in den Nebenraum gebracht, weil sie telefonieren musste. „Auf einmal gab es einen Knall, wir sind in das Zimmer gelaufen, wo schwarzes Wasser aus der Decke schoss“, sagt sie. „Der hatte die komplette Sprinkleranlage demoliert.“ Zu ihr und ihren Kollegen habe W. gesagt: „Die Wache war schmutzig, ich wollte ein bisschen sauber machen.“ Da die Beamten erst einmal nicht wussten, wo sich das Wasser abstellen ließ, schoss es minutenlang in die Wache.

W.s Erinnerung an den Morgen setzt auch während des Prozesses nicht wieder ein. „Vielleicht hat er sich an der Sprinkleranlage festgehalten“, sagt sein Anwalt im Plädoyer. Sein Mandant stehe mitten im Leben, habe eine Arbeitsstelle und wolle in diesem Sommer heiraten, außerdem sei er wegen des Alkoholkonsums vermindert schuldfähig gewesen. Das hatte der psychiatrische Gutachter im Prozess bestätigt. W. sagt: „Ich kann nur sagen, dass es mir leid tut.“

Die Staatsanwältin beantragt eine Geldstrafe in Höhe von 4800 Euro. Der Amtsrichter bleibt unter dieser Forderung und verurteilt den Angeklagten zur Zahlung von 1250 Euro. Einen geringen Teil des Schadens in der Wache hat W. bezahlt, ob ihm nach dem Strafprozess nun ein Zivilverfahren droht, ist noch offen.

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