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Köln: Drei Männer für mutmaßlichem Axt-Angriff wegen Rap-Video angeklagt

Video von KC Rebell soll Auslöser gewesen sein : Kölner „Rapper-Krieg“ beschäftigt nun das Gericht

In Köln eskaliert im August 2016 eine Auseinandersetzung vor einer Shisha-Bar. Ein Mann wird schwerverletzt in eine Klinik eingewiesen. Die Rede ist schnell von einem „Rapper-Krieg“. Nun stehen drei Männer vor Gericht.

Am frühen Morgen des 15. August 2016 stoppt eine Polizeistreife in Köln einen Mann, der in einem völlig demolierten Auto unterwegs ist. Die Frontscheibe ist zerschlagen, die Reifen sind zerschnitten. Der 34 Jahre alte Fahrer ist schwer verletzt, Ärzte werden später einen gebrochenen Unterkiefer, eine Fraktur der Schläfe, einen gebrochenen Zeigefinger und mehrere Schnittverletzungen diagnostizieren. Zeugen hatten die Polizei zuvor alarmiert und von einem heftigen Streit vor der Shisha-Bar „Noon“ im Belgischen Viertel berichtet. Dort stellen die Ermittler in der Nacht Patronenhülsen sicher. Der Mann, der so schwer verletzt wird, ist damals Geschäftsführer einer anderen Bar, die dem Rapper „KC Rebell“ gehört.

Was wenig später als „Rapper Krieg“ und „Rheinische Rapper-Fehde“ Schlagzeilen macht, beschäftigt nun das Kölner Landgericht. Und die drei Männer, die wegen gefährlicher Körperverletzung auf der Anklagebank sitzen, sollen aus dem Umfeld des Bonner Rappers „Xatar“ stammen. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass die Tat eine Reaktion des Xatar-Umfelds auf ein Musikvideo von KC Rebell war, das der Musiker am Tag zuvor in Düsseldorf aufgenommen hatte. Im Song zum Video „Dizz da“ wird Xatar namentlich erwähnt und hart angegangen. Es geht in dem Song auch um dessen Familie. Und – wie oft in Rap-Songs – um die Ehre.

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Die Angeklagten, 24, 38 und 44 Jahre alt, zwei sind Brüder, sollen bei der Tat auch ein Messer und eine Axt eingesetzt haben. Einer von ihnen soll dem Geschädigten mit der Rückseite der Axt gegen den Kopf geschlagen haben. Insbesondere der  44-Jährige soll sich laut Anklage durch das Musikvideo „in seiner Ehre verletzt“ gefühlt haben. Xatar selbst wurde damals von der Polizei zunächst als mutmaßlicher Mittäter betrachtet und per Haftbefehl gesucht, weil er in der Nähe des Tatorts gesehen worden sein soll. Auch gegen ihn wurde wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt. Der Rapper stellte sich damals im Beisein seines Anwalts auf dem Kölner Polizeipräsidium und hinterlegte eine Kaution. Im Frühjahr 2017 stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Xatar mangels hinreichenden Tatverdachts aber ein. Er wird im Prozess auch nicht als Zeuge vernommen, wie die Staatsanwaltschaft am Montag sagte.

KC Rebell wird aber in den Zeugenstand müssen. Sein aktuelles Album „Rebell Army“ ist zur Zeit in den Top 5 der Album-Charts. KC Rebell und Xatar zählen zu den bekanntesten Rappern Deutschlands. Wie in den USA gehört auch hierzulande die Pflege des Böse-Jungen-Image dazu. In Songtexten ist das gegenseitige Beleidigen, das „dissen“, normal, Provozieren gehört eigentlich zum guten Ton. 

Der erste Prozesstag dauerte keine halbe Stunde. Die drei Angeklagten ließen über ihre Verteidiger mitteilen, dass sie zunächst keine Angaben machen. Da einer von ihnen zum Tatzeitpunkt erst 18 Jahre alt und damit Heranwachsender war, ist eine Jugendkammer eingesetzt. Dass der Prozess erst jetzt, fast sechs Jahre nach der Tat, eröffnet wurde, liegt nach Angaben einer Gerichtssprecherin an dem Umstand, dass es sich um eine „Nichthaftsache“ handelt, die nicht so vorranig behandelt wird wie Haftsachen. Wegen der Pandemie waren außerdem mehrere Termine verschoben worden.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.