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Köln: Baden im Rhein ist lebensgefährlich - Feuerwehr demonstriert Rettung

Tödliche Badeunfälle in NRW : „Ertrinken ist ein stilles Ereignis“

Wenn das Wetter schön ist, kommt es immer wieder zu tödlichen Badeunfällen. Wie greift man am besten ein, wenn ein Schwimmer in Not geraten ist, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen?

Rolf Jamin ist ein geübter Schwimmer und Profi-Taucher. Doch er hat größte Mühe, gegen die Strömung im Rhein anzuschwimmen. Also lässt er sich mit ihr treiben. Jamin muss nicht panisch werden – in einem Boot der Kölner Feuerwehr wartet schon die Rettung. Zwei Kollegen kriegen ihn zu packen und ziehen ihn aufs Boot. Mit der Übung am Rheinufer im Kölner Stadtteil Rodenkirchen wollen Stadt, Feuerwehr und Polizei am Mittwoch auf die Risiken aufmerksam machen, die das Baden im Fluss birgt.

„Jedes Jahr ertrinken Menschen im Rhein, weil sie die Gefahren unterschätzen“, sagt Volker Ruster, Vize-Chef der Kölner Berufsfeuerwehr. 22 Mal musste die Feuerwehr in diesem Jahr schon zu Rettungseinsätzen ans Wasser ausrücken. „Für zwei Ertrunkene konnten wir nichts mehr tun“, sagt Ruster. „Da die Saison gerade erst beginnt, ist das schon eine hohe Zahl im Vergleich zu den Vorjahren.“ Im vergangenen Jahr sind in ganz Nordrhein-Westfalen 24 Menschen ertrunken, Zahlen für das erste Halbjahr 2022 liegen nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) noch nicht vor.

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Da die kommende Woche in NRW vielerorts mit mehr als 30 Grad sehr heiß werden soll, dürfte es voll werden an Flüssen und Seen. „Das Risiko von tödlichen Badeunfällen steigt immer mit der Temperatur“, sagt Lukas Ziehm von der DLRG Nordrhein. Er warnt nicht nur vor dem Schwimmen im Rhein, sondern auch an ungesicherten Seen: „Der Klassiker ist: Man brutzelt zwei bis drei Stunden in der Sonne und macht dann einen Kopfsprung in den See.“ In zwei Metern Tiefe könne das Wasser aber nur noch zwölf Grad warm sein. „Der Körper reagiert mit einem Schock, das kann bis zur Bewusstlosigkeit führen“, warnt er. In Köln ist vor wenigen Tagen ein Mann im Fühlinger See ertrunken.

Marco Strohm arbeitet als Notarzt bei der Kölner Berufsfeuerwehr. Er sagt, dass es sehr schnell gehen muss, wenn eine Person zu ertrinken droht. „Nach sechs Minuten unter Wasser stehen die Chancen schon schlecht, nach zwölf Minuten haben wir nur noch eine geringe Chance, dass der Mensch den Badeunfall ohne Schaden überlebt“, sagt er. Ist ein Mensch 30 Minuten unter Wasser, gibt es laut Strohm kaum noch eine Aussicht, ihn retten zu können. „Das gelingt dann wirklich nur in einzelnen Fällen“, sagt er. Für Außenstehende sei es immer schwierig zu erkennen, ob ein Schwimmer in Not geraten ist. „Wenn man einen Krampf bekommt und im Wasser nach unten gezogen wird, ist das ein stilles Ereignis – es ist nicht so, dass man da noch auf sich aufmerksam machen und um Hilfe rufen kann“, sagt Strohm.

Aber wie kann man einem Ertrinkenden überhaupt helfen? Feuerwehr und DLRG unterschieden hier klar zwischen Seen und Flüssen. Verhaltensregeln, die für Seen gelten, sind nicht für fließende Gewässer geeignet. Deshalb warnen Experten jeden Sommer erneut vor dem Schwimmen im Rhein. Sieht man einen ertrinkenden Menschen im Rhein, sollte man ihn vom Ufer aus möglichst nicht aus den Augen lassen, schnellstmöglich einen Rettungsring werfen und den Notruf wählen, um den genauen Standort durchzugeben. Rettungsringe sind in regelmäßigen Abständen an den Ufern befestigt. „Unsere Botschaft ist: Auf keinen Fall unkontrolliert hinterher springen und versuchen, der Held zu sein“, sagt Marco Clemens von der Tauchergruppe der Kölner Feuerwehr. Für Kinder kann schon das Spielen in Wassernähe vor allem zwischen den Buhnen lebensgefährlich sein, wenn das Wasser, das sich durch den Sog der Schiffe zurückgezogen hat, plötzlich zurückfließt. „Der Rhein ist eine Schifffahrtsstraße. Ich spiele mit meinen Kindern ja auch nicht auf der Autobahn.“ Im Sommer 2021 hatte der tödliche Unfall von drei Mädchen, 13, 14 und 17 Jahre alt, Schlagzeilen gemacht, die im Rhein bei Duisburg schwimmen wollten: Sie waren ums Leben gekommen, nachdem eine Strömung sie unter Wasser gezogen hatte.

Gerät ein Schwimmer in einem See oder einem Freibad in Not, kann man mehr tun. Der DLRG rät, Abstand zum Opfer zu halten, ihm ein Stück Holz oder auch eine Jeans zu reichen, die im Wasser eine Art Seil sein kann. „Ein Ertrinkender will sich in Panik festklammern, es besteht die Gefahr, selbst unter Wasser gezogen zu werden“, sagt der Sprecher. Mit dem sogenannten Achselschleppgriff kann der Retter das Opfer ans Ufer bringen. Der Rettungsschwimmer legt ihm beide Arme unter die Achseln und schwimmt per Beinschlag. Im besten Fall kann der Gerettete mithelfen. Wenn das Opfer bewusstlos ist, legt der Rettungsschwimmer ihm beide Hände von hinten unters Kinn und hält so seinen Kopf über Wasser. Der Retter muss nun zwar das Schwimmen allein übernehmen, aber wegen des geringeren Gewichts im Wasser ist es möglich, auch einen Schwergewichtigen ans Ufer zu ziehen. Am Ufer angekommen bringt man das Opfer in die stabile Seitenlage, im besten Fall sind die ausgebildeten Rettungskräfte schon da und übernehmen alle weiteren Maßnahmen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kölner Feuerwehr demonstriert Einsatz auf dem Rhein