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Köln: AfD-Funktionär aus Bonn soll in Menschengruppe gefahren sein

Berufungsprozess in Köln : Bonner AfD-Politiker soll in Menschengruppe gefahren sein

Im April 2019 soll ein AfD-Politiker aus Bonn nach einer Wahlkampfveranstaltung in Köln mit seinem Auto in eine Menschengruppe gefahren sein. Er wird zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, die er nicht akzeptieren will. Nun kam es zum Berufungsprozess.

Ein Fall von gefährlicher Körperverletzung und Unfallflucht nach einer AfD-Wahlkampfveranstaltung in Köln-Kalk beschäftigt erneut ein Gericht. Jurastudent Felix C., der für die AfD in Bonn aktiv ist, wollte ein Urteil des Kölner Amtsgerichts nicht akzeptieren. Im Juni 2021 war er zu einer siebenmonatigen Bewährungsstrafe, Führerscheinentzug und einer Zahlung von 250 Euro Schmerzensgeld verurteilt worden. Dagegen wehrt sich der 25-Jährige nun in zweiter Instanz vor dem Kölner Landgericht.

Nach der AfD-Veranstaltung zum Auftakt der Europawahl Anfang April 2019 soll Felix C. mit einem Ford auf eine Gruppe Gegendemonstranten zugefahren sein, die kurz zuvor unter anderem „Ganz Köln hasst die AfD!“ skandiert hatten. Mit dem Wagen soll C. an einer Ampel erst einen Rollstuhlfahrer touchiert haben, dann einen weiteren Mann und schließlich gegen den heute 33-jährigen David S. gefahren sein, der dabei auf die Motorhaube aufgeladen wurde und sich beim Absprung verletzte.

„Ich sehe mich heute noch als der Angegriffene in der Situation, als das Opfer“, sagt Felix C. Er sei verängstigt gewesen und habe nur noch weg gewollt aus dem Stadtteil, „wo anscheinend viele Menschen sind, die uns nicht wohl gesonnen sind“, sagt er. „Ich wollte aber niemandem zu keinem Zeitpunkt schaden.“ David S. sei aktiv auf das Auto gesprungen. „Wie Sie das beschreiben klingt es, als sei der Mann ein Fassadenkletterer“, bemerkt der Staatsanwalt, der den Angeklagten fragt, warum er nicht einfach zurück gefahren sei und die Polizei zu Hilfe geholt habe.

  • Der Angeklagte (r.) mit seinem Verteidiger.
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Von Angst in der Reaktion des Angeklagten hat David S. nichts bemerkt. „Er hat mich angegrinst, als ich auf der Motorhaube hing“, sagt er. „Ich habe keine Möglichkeit gesehen, anders auszuweichen, sonst wäre ich unter das Auto gekommen.“ Das bestätigt auch ein weiterer Zeuge, der Mann im Rollstuhl. „Mein Begleiter hatte noch auf die Motorhaube geklopft, nachdem das Auto mich berührt hatte“, sagt er. Aber Felix C. habe mit dem Wagen zurückgesetzt. „Als wollte er Schwung holen.“ Danach habe er David S. auf die Motorhaube geladen.

Für den Berufungsprozess war eigentlich nur ein Tag angesetzt. Die Beweisaufnahme, bei der auch ein Sachverständiger gehört wird, dauert aber länger. Fortsetzung am 25. Januar.