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Koalitionsvertrag Ampel: Eifeler Büttenpapier - gedruckt in Düren

Papier aus Hürtgenwald, gedruckt in Düren : Koalitionsvertrag besteht aus Eifeler Büttenpapier

Der Koalitionsvertrag wurde auf Büttenpapier aus der Eifel gedruckt. Für die Fabrik war es nicht der erste prominente Auftrag. Auch das Papier im Kondolenzbuch von Lady Diana kam aus Hürtgenwald. Wir haben mit dem Geschäftsführer gesprochen.

Als Olaf Scholz (SPD) mit Spitzenvertretern von SPD, FDP und Grünen am Dienstagmorgen den Koalitionsvertrag unterzeichnete, hielt der designierte Bundeskanzler feinstes Büttenpapier aus Nordrhein-Westfalen in den Händen. Das Papier stammt aus der Papierfabrik Zerkall in Hürtgenwald in der Eifel. Gedruckt wurde der Koalitionsvertrag in Düren. 20 Exemplare mit je rund 200 Seiten.

  Rot-Grün-Gelbe Fäden halten das Vertrag zusammen, auch die Lesebänder haben die Farben der Ampel-Parteien.
 Rot-Grün-Gelbe Fäden halten das Vertrag zusammen, auch die Lesebänder haben die Farben der Ampel-Parteien. Foto: RPO/Schloemer + Partner GmbH

„Ich kann versichern, dass wir nichts verändert haben“, sagt Frank  Schnorrenberg und lacht. Er ist Geschäftsführer der Druckerei Schloemer, wo das Regierungsprogramm der Ampel-Koalition am Montag in zwei Kartons abgeholt und nach Berlin gebracht wurde. „Das war ein ungewöhnlicher Auftrag und für uns natürlich eine besondere Ehre“, sagt Schnorrenberg. Da die Parteien den Vertrag nach dem Layout nochmal zum Korrekturlesen haben wollten, war der Zeitplan straff.

„In Anlehnung an den Titel des Koalitionsvertrages ‚Mehr Fortschritt wagen‘ haben wir uns für eine offene Fadenheftung entschieden, die bunten Fäden wurden als Kontrast zum traditionellen Papier vernäht.“ Die Farben sind natürlich Rot, Grün und Gelb. Der Einband mit der Fadenheftung und Hardcover sowie farbigen Lesebändchen wurde in der Buchbinderei Brauns in Frechen gefertigt. Die Dürener Druckerei druckt schon seit 13 Jahren umweltfreundlich, benutzt keine Farben auf Mineralölbasis oder Lösungsmittel.

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Für die Papierfabrik Zerkall war es nicht der erste prominente Auftrag. Schon das Büttenpapier für das Grundgesetz 1949 oder für den Vertrag zur Wiedervereinigung Deutschlands stammt von der Eifeler Firma. Das edle Papier war auch schon in Kinos auf der ganzen Welt zu sehen – in Harry Potters Zauberbüchern. Und 1997 konnten Fans von Lady Diana einen letzten Gruß für die Prinzessin auf dem Papier hinterlassen, denn auch das Kondolenzbuch stammte aus der Papierfabrik Zerkall. Wie das Unternehmen an diese Aufträge kam, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. „Das lief damals über unsere Großhändler“, sagt einer der Geschäftsführer, Hans-Wilhelm Hambloch.

Dass seine Papierfabrik das Papier für den Koalitionsvertrag liefern wird, war lange vor der Wahl vereinbart. Der Dürener Bundestagsabgeordnete Dietmar Nietan, Bundesschatzmeister der SPD, hatte den Kontakt hergestellt. Als die Flut im Juli kam, wurde auch die alte Papiermaschine in der Fabrik zerstört. Das komplette Gebäude stand unter Wasser. „So eine Papiermaschine ist wie ein Oldtimer, es ist nicht leicht, die richtigen Ersatzteile zu finden“, sagt Hambloch. Das Büttenpapier für den Koalitionsvertrag war zu dem Zeitpunkt schon fertig und blieb unbeschädigt, weil es nicht im Erdgeschoss gelagert war. „Sonst wären wir in Schwierigkeiten gekommen.“ Die Produktion steht wegen der Flutschäden immer noch still.

 Die Papierfabrik Zerkall in Hürtgenwald.
Die Papierfabrik Zerkall in Hürtgenwald. Foto: RPO/Hans-Wilhelm Hambloch

Bis zu acht Wochen dauert es, Büttenpapier mit einer Rundsiebmaschine herzustellen. „Das kommt dem Handschöpfen sehr nahe“, sagt Hambloch. „Das Papier muss immer wieder befeuchtet, dann wieder erwärmt und geglättet werden, es sind viele Arbeitsschritte mit großem Aufwand. Aber das macht das Papier letztlich aus, deshalb ist es so beständig und hat eine bestimmte Struktur.“ Was den Koalitionsvertrag betrifft, hofft Hambloch nun, dass die Politiker ihn nun mit Leben füllen, wie er sagt. „Wichtig sind jetzt die Menschen, nicht das Papier.“