Kloster Wedinghausen Arnsberg: Mittelalterliches Kloster hatte "moderne" Heizung

Sensationsfunde in Arnsberg: Archäologen finden erste mittelalterliche Heizung in Kloster

Schon die Grafen im Mittelalter legten Wert auf etwas Wohnkomfort: Archäologen haben im Kloster Wedinghausen in Arnsberg eine mittelalterliche Warmluftheizung entdeckt, die einzigartig ist. Noch ein weiterer Fund entzückt derzeit die Fachwelt.

Ein warmer Hintern und eine gute Aussicht fürs Jenseits - so sah im Mittelalter Wohnkomfort aus. Eine Heizung und eine aufwändig gestaltete Grablege boten die besten Voraussetzung für ein angenehmes Erdendasein und ein ruhiges Leben nach dem Tod. Das zumindest glaubte Graf Heinrich I. von Arnsberg, und darum ließ er das Kloster Wedinghausen in Arnsberg bauen.

Das Kloster gerät neuerdings zu einer archäologischen Sensation. Es wird derzeit saniert, weil eine brasilianische Ordensgemeinschaft dort einziehen will. In den Fundamenten des Klosters wurde schon länger der ein oder andere archäologische Schatz vermutet. Deswegen standen die Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) bei den Umbauarbeiten sofort parat. Gleich zwei besondere Funde hat Grabungsleiter Wolfram Essling-Wintzer gesichert: eine mittelalterliche Warmluftheizung und die Grafengruft mit einer besonderen Wandmalerei. Beides für sich genommen klingt weniger spektakulär. Die Geschichte dahinter erklärt jedoch, warum nicht nur Essling-Wintzer aus dem Häuschen ist, sondern auch seine Kollegen aus dem europäischen Ausland.

Die Gründung des Klosters ist der Versuch gewesen, das Seelenheil des Grafen zu retten. Denn Heinrich I., ein enger Vertrauter von Friedrich Barbarossa, wird nachgesagt, er habe seinen Bruder bis zu dessen Tod einkerkern lassen, weil dieser ihm sein Erbe streitig machen wollte. Um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen, stiftete Heinrich um 1170 das Kloster.

Und er zog 15 Jahre später ein, nachdem er die Regentschaft an seinen Sohn Heinrich II. übergeben hatte. Seinen Lebensabend wollte der alte Heinrich nicht frierend verbringen und so ließ er in das Kloster eine für mittelalterliche Maßstäbe „moderne“ Heizung einbauen. Durch ein ausgeklügeltes technisches System war es möglich, einen Raum mit strömender warmer Luft zu beheizen. Eine Weiterentwicklung der römischen Fußbodenheizung, sagt Essling-Wintzer. Archäologen sind bislang davon ausgegangen, dass solche Heizungen erst im 13. und 14. Jahrhundert gebaut wurden. Die Archäologische Ausgrabung in Arnsberg ist der Beleg dafür, dass es sie schon wesentlich früher gab. Die Heizungsanlage ist laut Essling-Wintzer außerdem fast vollständig erhalten. „Eine Heizung war damals etwas sehr exklusives, sie kam, wenn überhaupt nur in Königsburgen oder großen Klöstern vor.“

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Der alte Heinrich starb im Jahr 1200. Aller Wahrscheinlichkeit nach ließ er sich im Kloster bestatten. Belegt ist, dass sein Sohn Heinrich II. und seine Frau Ermengardis dort 1244 beerdigt wurden. Die Archäologen haben nun die Familiengruft gefunden samt einer in Teilen erhaltenen besonderen Wandmalerei. Die jedoch haben spätere Generationen dort angebracht. Am Fußende der Kammer ist eine Wandmalerei erhalten, die eine Kreuzigungsszene zeigt. Europaweit gibt laut Essling-Wintzer nur ganz wenige Beispiele dafür, unter anderem im Bonner Münster und in Klöstern rund um Utrecht. „Solche Malereien sind schon ziemlich selten, weil sie wirklich für die Ewigkeit gemalt wurden. Denn wenn die Gruft verschlossen wurde, konnte die ja keiner mehr sehen.“ Seine Kollegen und er hatten nur mit ein paar gemalten Ranken, nicht aber mit einer ganzen Figurenszene gerechnet.

Heinrich I. hat das Kloster wohl als Grablege für seine Dynastie aufgebaut. „Dadurch war auch für ein ständiges Gebet für das Seelenheil der Familienmitglieder garantiert“, sagt Essling-Wintzer. Die mittelalterlichen Mönche konnten gar nicht anders, als jeden Tag an die Fürbitten für ihre Grafen zu denken. Das Grab befand sich mitten im Kapitelsaal des Klosters.

Essling-Wintzer rechnet zwar nicht damit, dass der Boden unter dem Kloster weitere archäologische Schätze preisgibt. Aber trotzdem geht die Grabung während der Sanierung noch weiter. „Wenn man so etwas tolles findet, will man gar keine Pause mehr machen und einfach immer weiter graben. Ich hab mich gefreut wie ein kleines Kind.“