Klimacamp 2017: 3000 Klimaschützer formen Menschenkette am Tagebau Hambach

Protest gegen Braunkohle: 3000 Klimaschützer formen Menschenkette am Tagebau Hambach

Die Braunkohle-Gegner setzen ihre Proteste im Rheinland fort. Am Tagebau Hambach beschossen Aktivisten ein Fahrzeug der Polizei mit Feuerwerkskörpern. Am Nachmittag beteiligten sich mehrere Tausend an einer Menschenkette. Am Kraftwerk Neurath gab es Rangeleien zwischen Aktivisten und Polizei.

Vier Wochen vor der Bundestagswahl haben große Umweltverbände und rund 3000 Bürger mit einer Menschenkette den Kohleausstieg in Deutschland gefordert. Am rheinischen Tagebau Hambach formierten sich die rot gekleideten Teilnehmer zu einer zwei Kilometer langen roten Linie, um dem Energiekonzern RWE zu signalisieren: "Bis hierher und nicht weiter".

An der Menschenkette nahmen auch die Grünen-Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt, Cem Özdemir, Fraktionschef Anton Hofreiter und die Parteivorsitzende Simone Peter teil. Neben dem BUND hatten Greenpeace und die Umwelt-Allianz Deutschland zu der Aktion aufgerufen.

Anton Hofreiter, Mitglied des Bundestages und Vorsitzender der Grünen-Bundestagsfraktion, war am Morgen als parlamentarischer Beobachter am Klimacamp in Erkelenz. Er sagte: "Die Braunkohle-Tagebaue sind eine riesige CO2-Quelle in Europa und wenn der CO2-Ausstoß so weitergeht, zerstören wir unsere Lebensgrundlage. 2016 hatten wir denselben CO2-Ausstoß in Deutschland wie 2009. Mir zeigt das, dass Reden nicht hilft. Ich fordere die Regierung auf, endlich zu handeln. Sie muss aus der Kohle aussteigen. Deshalb bin ich heute dabei."

Unterdessen besetzten am Kraftwerk Neurath bei Grevenbroich etwa 200 Aktivisten der Gruppe "Kohle ersetzen" am Nachmittag alle Zufahrtsstraßen. Die Polizei zog starke Kräfte zusammen, wie unser Reporter berichtet. Die Klimaschützer waren teils zu Fuß aus dem Camp in Bedburg-Rath gekommen. Die Polizei forderte die jungen Frauen und Männer auf, die Straßen zu räumen. Doch die Aktivisten blieben singend ("Ihr kommt nicht ins Kraftwerk rein") sitzen. Vor der Blockade an der Buchholzer Straße ereignete sich ein Unfall. Ein Radfahrer wurde von einem Auto angefahren und musste von einem Notarzt versorgt werden. Am späten Nachmittag löste sich die Blockade weitgehend auf.

Außerdem besetzten etwa 300 Aktivisten erneut die Nord-Süd-Bahn zwischen Niederaußem und Neurath. Es gab zwei größere Gleisbesetzungen und eine kleine. Eine vierte Gleisblockade verhinderte die Polizei. Die Beamten kesselten eine Gruppe von etwa 400 Personen auf einem Acker ein. Dort kam es zu Rangeleien zwischen Braunkohle-Gegnern und Polizisten. Verletzt wurde einer Sprecherin der Polizei zufolge niemand. Ein Hubschrauber kreiste über der Gruppe. Einige Aktivisten machten sich zu Fuß über die Felder zurück auf den Weg ins Klimacamp. Gegen 17 Uhr fuhr die Polizei mit Bussen an die Gleise heran und forderte die Klimaschützer auf, einzusteigen. Mit den Bussen wurden sie zur so genannten "Gefangenensammelstelle" gefahren, wo ihre Identitäten festgestellt werden sollten. Danach wurden die meisten wieder entlassen.

  • Proteste gegen Braunkohle : Naive Aktivisten

Am frühen Samstagmorgen kurz nach Mitternacht beschossen Unbekannte am Hambacher Forst aus dem Wald heraus einen Mannschaftswagen der Polizei mit Schleudern und Feuerwerkskörpern. Nach Polizeiangaben wurden keine Menschen verletzt, aber das Fahrzeug wurde beschädigt.

In der Vergangenheit war es im Konflikt um den alten Hambacher Wald immer wieder zu Angriffen auf Beschäftigte des Energiekonzerns RWE und auf Polizeibeamte gekommen. Der nach Einschätzung von Umweltschützern uralte und schützenswerte Wald wird für den Braunkohletagebau Hambach seit Jahren Stück für Stück abgeholzt.

Am Samstagmorgen hatte es erneut eine Blockade auf der Strecke der wichtigen Kohletransportbahn zwischen Paffendorf und Bergheim gegeben. Laut Polizeisprecher Paul Kemen hatten sich sechs Personen an die Gleise gekettet. Die Beamten mussten mit Werkzeug anrücken. Nach zweieinhalb Stunden sei die Bahn wieder frei gewesen.

Die Hambachbahn versorgt die RWE-Kraftwerke in Niederaußem, Frimmersdorf und Neurath mit Braunkohle. RWE-Sprecher Cirkel bekräftigte, dass Proteste gegen die Braunkohle legitim seien. Aber die Aktivisten hätten mit der Gleisblockade "erneut eine rote Linie überschritten". RWE werde die Aktion strafrechtlich verfolgen lassen.

Hier lesen Sie unseren Kommentar zu den Protesten: "Naive Aktivisten".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Klima-Aktivisten formen "rote Linie" gegen Braunkohle

(kl/lsa/spee/wer)
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