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NRW-Studie: Kitakinder können mehr

NRW-Studie : Kitakinder können mehr

Kinder, die früh in Kitas kommen, sind nahezu in allen Entwicklungsbereichen weiter als andere Kinder. So lautet der Zwischenbericht einer Bertelsmann-Studie.

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) wird am Freitag in Oberhausen eine Zwischenbilanz ihres Präventionsprojekts "Kein Kind zurücklassen" ziehen. Der 2012 gestartete Modellversuch, an dem 18 Städte und Kreise in NRW teilnehmen, wird von der Bertelsmann-Stiftung begleitet und finanziell unterstützt. In einer ersten Analyse der Stiftung, die unserer Zeitung vorliegt, werden zentrale Erkenntnisse herausgestellt.

"Vorbeugung funktioniert", heißt es. Anhand vorliegender Studien und Daten zeige sich, "dass Kinder, die vor ihrem dritten Lebensjahr in eine Kita gekommen sind, in nahezu allen Entwicklungsbereichen weiter fortgeschritten" seien als die später hinzugekommenen Kinder. Dies gelte etwa für Faktoren wie Aufmerksamkeit, Körperkoordination und Zählvermögen.

Mit wenigen guten Maßnahmen ließen sich die Bildungschancen von benachteiligten Kindern deutlich verbessern. Dazu zähle das Mittun in einem Sportverein. Fatal sei, dass gerade diejenigen Kinder, die einen besonderen Förderbedarf hätten, zumeist deutlich später in die Kita kommen.

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Dies betreffe vor allem Kinder, deren Eltern Sozialhilfe beziehen, Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder nicht erwerbstätiger Eltern. Diese Kinder besuchten auch seltener einen Sportverein oder eine Musikschule. Daraus ist laut Bertelsmann-Analyse die Folgerung abzuleiten: "Teilhabe erhöhen - insbesondere für Kinder, die in materieller Armut aufwachsen".

"Kein Kind zurücklassen" wird wissenschaftlich betreut vom Zentrum für Interdisziplinäre Regionalforschung ("Zefir") an der Ruhr-Universität Bochum. Ziel des zunächst bis 2015 laufenden Projekts ist es, "Präventionsketten" von der Geburt des Kindes (Hausbesuche durch einen Vertreter der Stadt), über Kita und Schule bis hin zum beruflichen Übergang zu schaffen. Hierbei stehen die Modellkommunen in engem Austausch. Derzeit würden die Städte und Kreise noch weitgehend allein gelassen, heißt es in dem Zwischenbericht.

Nach Angaben von Brigitte Mohn, die dem Vorstand der Stiftung angehört, soll bei "Kein Kind zurücklassen" auch die Frage erörtert werden, wie sich präventives Handeln auf die kommunalen Haushalte auswirkt. Nach einem Prognos-Gutachten von 2011 könnte NRW jährlich 2,5 Milliarden Euro an sozialen "Reparaturkosten" einsparen.

Der FDP-Fraktionschef im Landtag, Christian Lindner, sieht in den Ergebnissen frühere Studien bestätigt. "Die Landesregierung muss davon wegkommen, nur Leuchtturmprojekte zu fördern. Es kommt auf die Qualität in der Fläche an", meinte der FDP-Politiker. Dass Kraft hier scheitere, zeige die Inklusion von behinderten Schülern in Normalschulen. "Hier gibt es keine klare Qualitätsvorsorge", sagte Lindner.

(RP)