Gelsenkirchen: Kinderschutzbund in Jugendamt-Skandal verwickelt

Gelsenkirchen: Kinderschutzbund in Jugendamt-Skandal verwickelt

Der Kinderschutzbund (DKSB) Gelsenkirchen ist in den Jugendamt-Skandal um Kinder, die in einem Heim in Ungarn untergebracht wurden, verwickelt - "und das im großen Stil". Das gab Friedhelm Güthoff, NRW-Geschäftsführer des DKSB, nach internen Recherchen bekannt.

"Es sind aber keine Gelder beim DKSB hängengeblieben." In der Kritik stehen der Gelsenkirchener Jugendamtsleiter und sein Stellvertreter. Sie sollen Profit daraus geschlagen haben, Jugendliche ohne geeignete pädagogische Betreuung über die von ihnen gegründete Organisation "Neustart" nach Ungarn geschickt zu haben.

Bereits zu Beginn der Woche hatte der DKSB den Verdacht geäußert, dass der stellvertretende Jugendamtsleiter, der gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des DKSB Gelsenkirchen ist, Gelder über den Verein abgerechnet haben könnte. Und tatsächlich wurde 2004 ein Leistungsvertrag zwischen dem Ortsverband und "Neustart" geschlossen, der von 2005 bis 2008 gültig war. "Der Ortsverband beglich zumindest in einem uns schriftlich vorliegenden Fall die Kosten und rechnete eins zu eins mit einem Jugendamt ab", erklärt Güthoff. "Wir haben den Verdacht, dass es weitere Rechnungen gibt."

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Unter anderem für den Abschluss einer Versicherung verpflichtete sich "Neustart", für jeden betreuten Jugendlichen fünf Euro pro Tag an den DKSB zu zahlen. Das Jugendamt Gladbeck, aus dessen Verantwortungsbereich fünf Jugendliche in dem fraglichen Heim in Ungarn betreut worden waren, räumt laut WDR-Recherche ein, dass Zahlungen in Höhe von durchschnittlich 175 Euro Tagessatz zuzüglich Taschengeld und Betreuungsgeld vom DKSB Gelsenkirchen abgerechnet wurden.

Dem stellvertretenden Vorsitzenden wurde nahegelegt, sein Amt ruhen zu lassen, bis die Sachlage geklärt ist. Zudem will der DKSB prüfen, ob Vorstandsmitglieder verpflichtet werden können, ihre bezahlten und unbezahlten Tätigkeiten in Organisationen außerhalb des DKSB offenzulegen. Bei Interessenkollisionen müsse der Landesverband informiert werden.

(RP)
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