1. NRW
  2. Panorama

Kinderpornographie in NRW: Künstliche Intelligenz revolutioniert Polizei-Arbeit

Ermittlungen gegen 1800 Beschuldigte : Künstliche Intelligenz im Kampf gegen Kinderpornografie

Künstliche Intelligenz unterstützt die Ermittler in NRW seit Sommer 2019 bei der Sichtung und Bewertung von kinderpornografischen Daten – und sie wird immer besser. Am Dienstag zog NRW-Justizminister Biesenbach Bilanz.

AIRA heißt die Weiterentwicklung des Projektes. Der zusammen mit Wissenschaftlern und dem Hard- und Softwareentwickler Microsoft entwickelte Prototyp ersetze zwar nicht die menschlichen Auswerter und juristischen Bewerter, sagte Biesenbach.

Er könne aber zu einem sehr frühen Zeitpunkt des Ermittlungsverfahrens den Strafverfolgern schnell und wirksam aus der Menge der Daten diejenigen Beweismittel herausfiltern.

Biesenbach erwartet nach eigenen Angaben deshalb, dass künftig mehr Tatverdächtige als bisher in Untersuchungshaft kommen - die aber nicht länger als sechs Monate dauern darf. Die Strafverfolger müssten daher möglichst schnell beschlagnahmtes Beweismaterial auswerten: „Der Bedarf an einer automatisierten Auswertung wächst gewaltig“, betonte der Minister. Denn der Umfang der gesicherten digitalen Beweismittel sei oft so umfangreich, dass eine manuelle Auswertung viel zu lange dauere.

Ohne Künstliche Intelligenz sei der schieren Datenflut im Bereich Kinderpornografie und Kindesmissbrauch nicht mehr Herr zu werden, sagte der Justizminister.

  • NRW-Innenminister Herbert Reul gab sich zuversichtlich,
    Datenschützer kritisieren Einsatz : NRW-Polizei hält an umstrittener Palantir-Software fest
  • Christoph Metzelder im Gericht.
    Verfahren wegen Kinderpornographie : Staatsanwaltschaft legt Berufung im Fall Metzelder ein
  • Der Hückeswagener Peter Biesenbach (CDU) ist
    Justizminister aus Hückeswagen : Biesenbach nimmt Abschied vom Landtag

Eine Mitte 2020 eingesetzte Taskforce für diesen Bereich habe bislang schon zu mehr als 1600 Ermittlungsverfahren gegen mehr als 1800 Beschuldigte geführt.

Damit liegt die Zahl der im Internet vernetzten Tatverdächtigen offenbar deutlich höher als zunächst angenommen. Die vor einem Jahr abgegebene Schätzung von mehr als 30.000 digitalen Täteridentitäten sei „zu zurückhaltend" gewesen, erklärte der nordrhein-westfälische Justizminister Peter Biesenbach (CDU) am Dienstag. Tatsächlich gehe er nun von „im fünfstelligen Bereich" mehr digitalen Nutzern aus.

In Nordrhein-Westfalen kamen Ermittler drei großen Missbrauchsserien auf die Spur. Beim Komplex Bergisch Gladbach geht es um ein Netzwerk aus Tätern, die Kinder missbrauchten und untereinander in Chats kinderpornorafisches Material austauschten. Auch der jahrelang unentdeckt gebliebene Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde und ein Missbrauchskomplex in Münster lösten bundesweit Entsetzen aus.

(bsch/AFP)