Umstrittene Vorgärten Was Sie über Schottergärten wissen sollten

Düsseldorf · In NRW können die Behörden seit Jahresbeginn leichter gegen Kies- und Schottergärten vorgehen. Die verschärfte Landesbauordnung schließt diese bei der Gartengestaltung explizit aus. Auch ein Rückbau bestehender Anlagen ist möglich. Das gilt es für Gartenbesitzer zu beachten.

 Schottergärten heizen die Umgebung auf und stellen gerade bei Starkregen eine potenzielle Gefahr dar, weil das Wasser nicht in den Boden eindringen kann.

Schottergärten heizen die Umgebung auf und stellen gerade bei Starkregen eine potenzielle Gefahr dar, weil das Wasser nicht in den Boden eindringen kann.

Foto: dpa/Annette Riedl

In der neuen NRW-Landesbauordnung ist festgehalten, dass Schotterungen und Kunstrasen keine zulässige Nutzung des eigenen Gartens darstellen. Damit soll verhindert werden, dass Eigenheimbesitzer das Verbot umgehen, indem sie einige Pflanzen in ihren Schottergarten stellen. Problematisch laut Verordnung sind demnach auch mit Vlies abgedeckte und mit organischen Mulchmaterialien bestückte Flächen, die nur spärlich bepflanzt sind. Von der Neuregelung erhofft sich das Land, dass Kies- und Schottergärten komplett verschwinden.

Mit diesen Tipps wird ein Schottergarten zur Natur-Oase
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Foto: Wyglenda

Wann ist ein Garten ein Schottergarten?

Als Kies- oder Schottergarten bezeichnet man eine Fläche, in der Kies und Schotter statt Erde, Rasen und Pflanzen den Boden bedecken. Wenn überhaupt Pflanzen vorhanden sind, werden diese oft in Form geschnitten, um sie der äußerlich strengen Gestaltung anzupassen. Befürworter solcher Gärten versprechen sich davon eine größere Pflegeleichtigkeit, dazu geringere Kosten und eine lange Lebensdauer. Schotter- oder Kiesgärten sind nicht mit Steingärten zu verwechseln. Letztere bieten oft einen steinigen, aber wasserdurchlässigen Untergrund mit an diesen Lebensbereich angepassten Pflanzen, die Insekten Nahrung bieten. Kiesgärten sind dagegen ökologisch tot.

Sind Schottergärten günstiger und langlebiger?

Nein. Laut Naturschutzbund (Nabu) entstehen bei der Anlage eines Schottergartens hohe Kosten. Der Preis für eine Tonne Kies könne demnach mehrere hundert Euro betragen. Zudem setzen die Steine mit der Zeit Moos an, in den Fugen lagern sich Laub und organische Materialien ab, so dass sie regelmäßig gereinigt werden müssen. Alle drei bis zehn Jahre muss laut Nabu das Vlies unter dem Kies erneuert sowie der Kies selbst gewaschen und neu aufgetragen werden.

Warum sind Schottergärten verboten?

Kleintiere und Insekten finden in Schottergärten weder Nahrung noch Lebensraum. Dazu heizen sich die Steine im Sommer durch die Sonneneinstrahlung stark auf, was Pflanzen schnell vertrocknen lässt. Das reflektierende Sonnenlicht erwärmt zudem die Umgebung, beispielsweise anliegende Gebäude, und die Steine geben auch nachts Wärme ab. Regenwasser kann in Schottergärten kaum gespeichert werden, weil der verdichtete Boden darunter oft undurchlässig ist. So fließt das Wasser bei Starkregen in Keller oder in die ohnehin schon volle Kanalisation. Schottergärten werden laut Nabu von manchen Kommunen als teil- beziehungsweise vollversiegelt eingestuft. Je nach Abdichtung nach unten können demnach Gebühren für das abfließende Regenwasser anfallen. Ein weiterer Negativaspekt von Schottergärten ist die fehlende Filterfunktion von Pflanzen, so dass die Feinstaubbelastung zunimmt. Weil Schallwellen von den Steinen zurückgeworfen werden, erhöht sich durch Kiesgärten die Lärmbelastung in der Umgebung.

Was passiert, wenn ich einen Schottergarten trotz Verbot anlege oder nicht umgestalte?

Faktisch sind Schottergärten in NRW schon lange verboten, weil in der Landesbauordnung ein Begrünungsgebot für überbaute Flächen festgeschrieben ist. Diese müssen wasseraufnahmefähig gestaltet und begrünt werden. In der neuen, seit 1. Januar 2024 geltenden Landesbauordnung wird dies insofern präziser formuliert, weil Schottergärten und Kunstrasen explizit ausgeschlossen sind. Das Begrünungsgebot gilt schon seit dem Jahr 2000 in allen NRW-Städten, Kommunen können aber mit der schärferen Neuregelung darüber hinausgehen und strengere Vorschriften erlassen. Darauf weist der Verband Wohneigentum NRW hin. Wenn Eigentümer trotzdem einen Kiesgarten anlegen, können die Städte prinzipiell Ordnungsgelder erheben oder einen Rückbau verlangen, setzen aber meist auf Information und positive Anreize. Die Höhe eines Bußgeldes kann enorm sein: Im niedersächsischen Diepholz wurde dem Besitzer eines Schottergartens ein Bußgeld von 50.000 Euro angedroht, wenn er seine Kiesgärten nicht zurückbauen sollte.

Können Städte den Rückbau eines Schottergartens verlangen?

Grundsätzlich ist das möglich. Das allgemeine Begrünungsgebot gilt schon seit dem Jahr 2000, dazu kommen die Verschärfungen im Jahr 2019 und aktuell 2024. Wer seinen Garten nach den letztgenannten beiden Daten angelegt hat, kann sich kaum auf Bestandsschutz berufen und damit zum Rückbau aufgefordert werden. Es habe bereits einige Fälle gegeben, in denen der Rückbau bestehender Gärten von Gerichten bestätigt wurde, erklärt der Verband Wohneigentum NRW.

Wo kann ich mich über einen Schottergarten in der Nachbarschaft beschweren?

Da es sich bei Schottergärten um einen Verstoß gegen die Landesbauordnung handelt, sind in der Regel die Bauaufsichtsämter der Städte dafür zuständig, dass die Regeln eingehalten werden. Sie begutachten auch die Situation vor Ort. Die meisten Städte verfügen aber über Beschwerdestellen, an die sich Bürger mit ihren Anliegen wenden können.

Welche pflegeleichten Alternativen zu Schottergärten gibt es?

Viele. Eine Möglichkeit ist es, sogenannte Bodendecker anzupflanzen. Diese teils robusten Pflanzen breiten sich über größere Flächen aus und unterdrücken unerwünschte Kräuter. Geeignet sind beispielsweise Mittagsblume (Delosperma cooperi), das Alpenveilchen (Cyclamen), der Steppensalbei (Salvia nemorosa) oder das Berg-Sandkraut (Arenaria montana), außerdem das Blaukissen (Aubrieta), die Dalmatiner Glockenblume (Campanula portenschlagiana) oder die Steinsame. Auch Blumenwiesen sind pflegeleicht und zudem ökologisch wertvoll, weil sie viel Nahrung für Insekten bieten. Um Schottergärten aufzuhübschen, bieten sich auch eher genügsame Steingartenpflanzen an wie Fetthennen und Hauswurzen, außerdem Dost, Gräser, Thymian oder Sedumarten. Manchmal muss zusätzlich Humus aufgetragen werden, damit die Pflanzen gedeihen. Für schattige Standorte eignen sich beispielsweise Maiglöckchen, Buschwindröschen oder Waldfrauenfarn.

Gibt es Förderungen oder Unterstützung bei der Umgestaltung?

Ja, aber nicht überall. Einige Kommunen in NRW haben Förderrichtlinien aufgelegt, nach denen beispielsweise die Umwandlung von Schottergärten und versiegelten Flächen in naturnah gestaltete Vorgärten teilweise finanziell unterstützt wird. Oft wird ein Teil der Kosten für die Entsorgung des Schotters sowie für die neuen Pflanzen übernommen, das ist in der Regel aber an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Über etwaige Programme muss man sich bei der jeweiligen Stadt erkundigen. Auch die Verbraucherzentrale NRW informiert über entsprechende Angebote: www.mehrgruenamhaus.de/mehrgruen-foerderung

Wohin mit dem Kies, wenn ich meinen Schottergarten abbaue? Was kostet die Entsorgung?

Kies gehört nicht in die Hausmülltonne (höchstens in sehr kleinen Mengen), weil er als mineralischer Bauschutt gilt und ein gefragter Rohstoff ist. Wichtig für die Entsorgung ist es, Kies und Sand so gut es geht voneinander zu trennen. Für Entsorgungsfirmen lässt sich das Material so besser verarbeiten, was sich günstig auf den Preis auswirken kann. Für die Entsorgung fallen Gebühren an, die regional unterschiedlich sind.

Wie baut man einen Schottergarten zurück?

Zunächst einmal muss der Kies oder Schotter entfernt werden. Manche Steine lassen sich wiederverwenden, feine Körnungen sogar mit dem Boden vermischen. Zudem ist es möglich, den Kies zu Steinhaufen aufzuschichten, so dass dort Insekten oder Eidechsen Unterschlupf finden. Auch die Folie oder das Vlies unter dem Schotter gilt es zu beseitigen, damit die Kunststoffe keine Rückstände im Boden hinterlassen. Der Boden darunter muss entweder umgebrochen oder mit Kompost angereichert werden, Tiefwurzler wie Buchweizen lockern zudem den Untergrund und versorgen ihn mit Nährstoffen. Welche Pflanzen im neuen Garten angesiedelt werden, richtet sich nach der Jahreszeit.

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