Kettenbriefe per WhatsApp: Wann Ihr Kind bereit für ein Handy ist

Böse Kettenbriefe per WhatsApp : Wann Ihr Kind bereit für ein Smartphone ist

Smartphones bergen für Kinder auch Gefahren. Im Kreis Viersen verbreitet sich momentan ein Kettenbrief mit brutalem Inhalt über WhatsApp und ängstigt zahlreiche Kinder. Wie Sie Ihr Kind schützen können, haben uns Experten verraten.

Am vergangenen Wochenende erhielt ein achtjähriger Junge aus Viersen einen Kettenbrief über eine Sprachnachricht bei WhatsApp. Man werde seine Mutter töten werde, wenn er die Nachricht nicht weiterleite. Was Erwachsene schon schaudern lässt, kann Kinder traumatisieren. „Gefühle von Hilflosigkeit und Ohnmacht können ausgelöst werden“, sagt Catarina Katzer, Cyberpsychologin aus Köln. Das könne so weit gehen, dass Kinder Angst haben, aus dem Haus zu gehen. „Hinzu kommt, dass die Wirkung von Sprachnachrichten stärker ist als die reiner Texte. Denn Geräusche und Laute sind Stimmungsmacher, das heißt, sie beeinflussen Gefühle“, sagt die Expertin.

Laut Katzer haben fast 20 Prozent der unter Neunjährigen ein Smartphone. „Dadurch steigt das Risiko, auch online unangenehme Dinge zu erleben“, sagt die Psychologin. Wann das eigene Kind bereit für ein Handy ist, müssen die Eltern in gemeinsamen Gesprächen selbst entscheiden. Das empfiehlt auch Nadine Eikenbusch, Referentin der EU-Initiative „klicksafe“ bei der Landesanstalt für Medien in NRW. „Es gibt kein konkretes Alter, in dem man sagen kann: Jetzt ist es so weit. Häufig wird der Wechsel von der Grundschule auf die weiterführende Schule zum Anlass für ein eigenes Handy genommen“, sagt die 26-Jährige. Ein Kind sei dann bereit für ein Smartphone, wenn es sich mit der Medien- und Internetnutzung auskennt. „Und das lernt es vor allem, wenn die Eltern gemeinsam mit ihm die Funktionen eines Handys durchgehen“, sagt Eikenbusch. Dabei sollte vor allem über Gefahren gesprochen werden. „Ein großes Thema ist der Datenschutz. Da geht es zum Beispiel darum, dass Spiele-Apps keinen Zugriff auf Kontakte oder Fotos bekommen oder die Kinder in Chats keine privaten Daten preisgeben.“ Spezielle Sicherheitsapps, die die Handynutzung oder die Surf-Funktionen regulieren sollen, seien nur bedingt hilfreich. „Häufig sind die Kinder bereits so fit im Umgang, dass sie die problemlos selbst ausschalten können“, sagt die Medienexpertin. Daher sollten Eltern genau überlegen, wann ihr Kind ein Handy mit Internetzugang erhält. „Kinder in der Grundschule benötigen nicht schon unbedingt einen Internetzugang. Da reicht es aus, wenn sie im Notfall über ein Handy ohne Internet erreichbar sind.“ Zudem ist der Messenger-Dienst WhatsApp erst ab 16 Jahren erlaubt.

Wichtig sei, dass Eltern mit ihren Kindern Regeln zur Handynutzung aufstellen. „Dafür kann man auch einen Vertrag abschließen, den Eltern und Kind abzeichnen. Darin sollte auch ganz klar vereinbart sein, was passiert, wenn man sich nicht an die Regeln hält“, sagt Eikenbusch. Ein solcher Vertrag kann hier erstellt werden. Was Eltern auf keinen Fall tun sollten, ist, heimlich das Handy des Kindes kontrollieren. „Das ist heutzutage das gleiche, als würde man das Tagebuch seines Kindes lesen.“ Ein solcher Vertrauensbruch könne dazu führen, dass sich Kinder bei Problemen nicht mehr an die Eltern wenden. Auch haben Eltern einen Vorbildcharakter bei der Handynutzung: „Wenn Vater oder Mutter selbst beim Essen die ganze Zeit das Handy in der Hand haben, übernehmen Kinder das Verhalten ihrer Eltern“, sagt sie. Auf ein komplettes Handyverbot sollten Eltern besser verzichten. „Heutzutage läuft der Großteil der Kommunikation zwischen Jugendlichen übers Handy. Nimmt man ihnen das weg, sind sie weitestgehend von ihrem Freundeskreis abgeschnitten.“

Zur umfangreichen Aufklärung rät auch Cyberpsychologin Katzer. „Kinder sollten ein selbstbewusstes, aber auch kritisches und vorsichtiges digitales Verhalten erlernen. Dazu gehört auch, klare Grenzen zu ziehen: Wer ist ein Freund, wer ist bekannt? Bei unbekannten Telefonnummern sollte man sofort misstrauisch sein.“

Sollte ein Kind trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen, wie im konkreten Fall aus Brüggen, doch einen Kettenbrief an andere Kinder weiterleiten, sollten Eltern nicht überreagieren. „Man sollte ruhig und überlegt handeln, andere Eltern, Freunde und die Schule informieren. Schließlich sind die Kinder Opfer einer Straftat geworden“, sagt Katzer. Auch die Polizei solle man informieren und sich im Zweifelsfall nicht davor scheuen, psychologische zu Hilfe holen.

Hier geht es zur Infostrecke: Die häufigsten Kettenbriefe auf Facebook, WhatsApp und Co.

Mehr von RP ONLINE