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Kempen/Geldern: Schutzmasken statt Zahnmodelle aus dem 3D-Drucker

Corona-Krise : Schutzmasken aus dem 3D-Drucker

Wegen des hohen Bedarfs stellen Kieferorthopäde Martin Baxmann aus Geldern, das Dentallabor Hetjens aus Walbeck und Zahnarzt Thomas Quasten aus Mönchengladbach statt Zahnmodellen Masken her.

Atemschutzmasken sind wegen der Corona-Krise gefragt. Das Dentallabor Hetjens in Walbeck sowie Kieferorthopäde Martin Baxmann aus Geldern und Zahnarzt Thomas Quasten aus Mönchengladbach haben sich etwas Besonderes überlegt, um zu helfen. „Die Idee ist spontan entstanden“, sagt Baxmann.

In ihren Kieferorthopädie-Praxen Orthodentix® mit den Standorten Geldern, Kamp-Lintfort, Kempen und Willichsowie dem kieferorthopädischen Fachlabor hMyOrthoLab® mit Sitz in Kempen läuft vom Scan bis zum 3D-Druck des Kiefermodells alles digital. Die Zeiten, in denen mit Abformmaterial und Gipsmodellen gearbeitet wurde, sind zumindest bei ihnen vorbei. Stattdessen schalten sie einen Computer und die 3D-Drucker an und drucken anschließend die Modelle. Sofern die gewünschten Formen im System programmiert wurden, können die unterschiedlichsten Gegenstände hergestellt werden. Warum also nicht auch Atemschutzmasken?

Aufgrund der aktuellen Situation haben sie dann angefangen, Mundschutzmasken zu drucken. „Vor etwa anderthalb Wochen haben wir mit den ersten Prototypen begonnen. Jetzt laufen die Drucker rund um die Uhr“, erzählt Quasten. Der große Unterschied zu den herkömmlichen Masken aus Stoff und Papier sei, dass ihre Varianten aus einem festen Material hergestellt werden. Sie bestehen unter anderem aus einer Maisstärke-Basis sowie aus Holzelementen und sind daher komplett biologisch abbaubar. „Sie besitzen eine starre Form und lassen sich nicht falten“, erklärt Quasten weiter.

Der Vorteil liege insbesondere darin, dass man sie desinfizieren kann. Außerdem lässt sich der Filter auswechseln, so dass die Masken häufiger genutzt werden können. Insgesamt besitzen die beiden Ärzte fünf 3D-Drucker.

Johannes Camp (l.) und Manfred Hetjens mit Schutz. Foto: Dentallabor Hetjens

Eine Maske herzustellen, dauerte zu Beginn etwa 15 Stunden. Mittlerweile habe sich die Produktionszeit um die Hälfte reduziert, da sie die Druckeinstellungen anpassen und verbessern konnten. Ihr Ziel ist es, bis zu zehn Stück am Tag zu produzieren. „Wir drucken ununterbrochen und kommen kaum hinterher. Wir brauchen sicherlich noch Verstärkung“, sagt Baxmann mit Blick auf die Zukunft.

Die Nachfrage sei groß. Nachdem sie ihr Produkt in den sozialen Medien veröffentlicht hatten, erhielten sie weltweit innerhalb von 72 Stunden 300 Anfragen. Bisher haben sie deutschlandweit und nach Österreich geliefert. Aber auch aus den USA, Italien, Spanien, England, Luxemburg und aus Südamerika wurden sie kontaktiert. Vorerst könne nur der Bedarf für medizinisches Personal gedeckt werden, doch künftig wollen die beiden Ärzte die Klientel ausweiten.

„Wir wollen aber von der Krise nicht profitieren. Daher berechnen wir nur den Versand und die Materialkosten“, sagt Baxmann. Der Preis solch einer Maske mit Versand liegt etwa bei zehn bis 15 Euro. Ihnen ist es wichtig, insbesondere jetzt solidarisch zu agieren. „So können wir lokal und regional unseren Beitrag leisten“, sagt Baxmann. „Um noch mehr Menschen zu versorgen, benötigen wir aber Unterstützung.“

Auch in Walbeck kam man auf die Idee mit der Schutzausrüstung. Johannes Camp vom Dentallabor Hetjens: „Der Mangel an Schutzausrüstung bei unseren Kunden und das damit verbundene Risiko für Ihre Gesundheit haben uns auf die Idee gebracht unsere 3D-Drucker zu nutzen und Gesichtsschilde herzustellen. So können wir unsere Kapazitäten und technischen Möglichkeiten weiterhin sinnvoll nutzen.“ Seniorchef Manfred Hetjens ergänzt: „Bereits in dieser Woche konnten wir einen Großteil unserer Kunden mit den neuen Gesichtsschilden beliefern.“ Altenheime sowie Pflegedienste mit Bedarf können sich im Dentallabor melden. Es ist erreichbar unter Telefon 02831 973100.