Karneval 2020 NRW: Düsseldorfer wollen keinen Feiertag an Rosenmontag

Karneval in NRW: Düsseldorfer Karnevalisten wollen keinen Feiertag an Rosenmontag

Kaum ist die fünfte Jahreszeit in NRW vorüber, geht es schon um Karneval 2020: Dann sollen alle Menschen in NRW an Rosenmontag frei haben, fordert ein Kölner Karnevalist in einer Online-Petition. Er bekommt viel Zuspruch, Kritik kommt jedoch aus Düsseldorf.

Helmut Schmidt liebt Karneval. Seit 25 Jahren ist er Mitglied der Kölner Prinzengarde, jedes Jahr läuft er beim Rosenmontagszug mit. In diesem Jahr kam er abends nach dem Zug jedoch ins Grübeln. „Ein Bekannter aus Köln konnte nicht zum Rosenmontagszug kommen, weil er arbeiten musste – ausgerechnet in Düsseldorf.“ Noch am selben Abend startete Schmidt eine Petition, mit der er Rosenmontag zum gesetzlichen Feiertag in NRW machen will.

„Jeder Bürger sollte an den Karnevalszügen teilnehmen oder zuschauen dürfen“, fordert der 49-Jährige. „Karneval ist ein unvergleichliches Erlebnis und fester Bestandteil der Tradition. Es hat einen integrativen Charakter, weil Menschen jeden Alters und aus verschiedenen Kulturen miteinander auf Augenhöhe feiern.“ Derzeit gibt es in NRW elf gesetzliche Feiertage. Schmidt argumentiert, dass jüngst in Berlin und Thüringen neue Feiertage eingeführt wurden: Seit diesem Jahr ist in Berlin der Internationale Frauentag am 8. März Feiertag, in Thüringen der Weltkindertag am 20. September.

Rund 8000 Menschen hatten die Petition am Mittwochnachmittag bereits unterschrieben. „Ich bin überwältigt von dem Zuspruch“, sagt Schmidt. „Mich hat überrascht, dass auch viele Menschen im Ruhrgebiet, Aachen und Bonn dafür gestimmt haben, obwohl es keine Karnevalshochburgen sind.“

Für den Vorstoß gibt es im Internet aber auch Kritik: „Mehr als der Hälfte der Kölner ist dieses Gruppenbesäufnis zumindest egal, viele finden es widerlich“, schreibt ein Nutzer. „Mir war klar, dass es nicht überall Anklang findet - vor allem bei Nicht-Karnevalisten“, sagt Schmidt. Dabei hätten auch sie etwas vom freien Tag, erwidert er. „Entweder können sie ihren Urlaub verlängern oder haben die Gelegenheit, ins Rheinland zu fahren und Karneval zu erleben.“

29.000 Stimmen sind das Ziel, das die Webseite „Open Petition“ vorgibt. Bis Anfang Juni bleibt Zeit, es zu erreichen. „Ich halte das für ambitioniert, aber für nicht unrealistisch“, sagt der Initiator. Dann soll der Vorschlag an NRW-Landtagspräsident André Kuper überreicht werden. Dabei muss in Nordrhein-Westfalen gar kein Quorum erfüllt werden. „Eine Petition darf grundsätzlich jeder einreichen“, erklärt Stephan Malessa, Pressesprecher des NRW-Landtags. Diese muss schriftlich an den Petitionsausschuss gerichtet werden. Die 29.000-Unterschriften-Marke bei „Open Petition“ stelle lediglich eine „regionale Relevanzschwelle“ dar, erläutert Pressesprecherin Jessica Seip. Diese werde für jedes Bundesland anhand der Bevölkerungszahl berechnet.

„Unser Ziel ist es, eine gesellschaftliche Debatte anzustoßen und Transparenz zu schaffen“, sagt Seip. „Die Petition ist dabei ein Vorschlag oder eine Anregung.“ Bei direktdemokratischen Prozessen wie Volksbegehren gibt es eine deutlich höhere Hürde, die in NRW bei mehr als einer Million Unterschriften liegt. Dafür ist deren Verbindlichkeit auch höher.

Schmidt rief die Petition als Privatperson ins Leben, bekommt jedoch Unterstützung von seinem Kollegen Dino Massi, dem Präsidenten der Kölner Prinzengarde. „Ich finde es toll, wenn so viele Menschen wie möglich zum Rosenmontagszug kommen, um gemeinsam Karneval zu feiern“, sagt er. „Der Rosenmontag als gesetzlicher Feiertag ist sicher eine schöne Vorstellung“, sagt Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval. „Für uns Kölner ist das Gott sei Dank schon lange gelebte Praxis, die meisten Arbeitnehmer und Schüler haben frei.“ Kuckelkorn hat jedoch eine andere Vorstellung: „Wichtiger als ein gesetzlicher Feiertag wäre uns ein gesetzlicher Brauchtumstag an Schulen: Ein Unterrichtstag im Jahr, um unser Kulturgut auch den kommenden Generationen zu vermitteln und damit langfristig zu erhalten.“

Obwohl auch Düsseldorf eine Karnevalshochburg ist, stößt der Vorschlag dort vor allem auf Kritik: „Rosenmontag als Feiertag wäre zwar charmant“, sagt Dirk Kemmer, Präsident der Düsseldorfer Prinzengarde, „aber diejenigen, die Karneval feiern wollen, nehmen sich ohnehin frei. Daraus einen gesetzlichen Feiertag zu machen, würde bedeuten, Rosenmontag auch Menschen überzustülpen, die Karneval gar nicht feiern möchten.“

Auch Josef Hinkel, Vorsitzender des Fördervereins Düsseldorfer Karneval, ist skeptisch: „Ich bin dagegen, dass Rosenmontag zum Feiertag wird. Der Karneval lebt davon, dass er anarchisch ist. Die Jecken sollen machen, was sie wollen – dafür brauchen sie keine Vorgabe vom Gesetzgeber.“ Das Comitee Düsseldorfer Carneval will keine Empfehlung zu dem Thema abgeben, sagt Pressesprecher Hans-Peter Suchand. Jeder Mitgliedsverein solle seine eigene Entscheidung treffen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die 30 schönsten Bilder vom Rosenmontagszug in Düsseldorf

Mehr von RP ONLINE