Junggesellenabschied: Das sind die aktuellen Trends

Blumen-Workshops und Cupcakes backen : Die Junggesellinnenabschiede von heute

Mit Bauchladen und kitschigen Motto-Shirts verkleidet durch die Altstadt ziehen war gestern. Bräute von heute bevorzugen für ihren Abschied vom Junggesellinnendasein kreative Erlebnisse. Wir haben uns die Trends erklären lassen.

Keinen Stripper, keinen Bauchladen und keine peinlichen Spielchen. „Sonst geh ich nach Hause.“ Das hatte Yvonne Göddeke im vergangenen Jahr zu ihrer Schwester gesagt, als es darum ging, was sie bei ihrem Junggesellinnenabschied auf gar keinen Fall machen möchte.

Im Juli war es dann soweit. „Morgens standen auf einmal meine Mädels in der Tür und haben mich überrascht“, erinnert sich die 25-Jährige. Zuerst wurde gemeinsam gefrühstückt, eine Fotografin wurde gebucht und hielt die letzten Momente in „Freiheit“ fest. Und dann ging es zum Blumenkranzworkshop. Mit acht Mädels wurden Blümchen gesteckt, was das Zeug hielt. Und das war genau nach Yvonnes Wünschen. „Es war einfach toll, allein unter uns Mädels Zeit zu verbringen und dann noch etwas gemeinsam zu gestalten“, sagt die Duisburgerin.

Sekt darf auch beim Blumen-Workshop nicht fehlen. Foto: Göddeke/Büning/Janina Büning

Wie die 25-Jährige verbringen immer mehr zukünftige Bräute ihren Abschied vom Leben als unverheiratete Frau. Heike Seijsener-Ritter ist Floristin und Traurednerin und leitet solche Workshops. „Die Freundinnen der Bräute geben im Schnitt 150 Euro pro Person für diesen Tag aus, da soll sich das Ganze auch lohnen“, sagt die 39-Jährige.

In ihrer Werkstatt in Düsseldorf-Benrath haben schon zahlreiche Junggesellinnen hübsche Blumenkränze gebastelt. „Oder Flowercrowns, wie man neuerdings sagt.“ Laut der Floristin schwappen immer mehr Trends aus Amerika zu uns rüber. Vor allem in den vergangenen drei Jahren habe es einen regelrechten Boom in der Hochzeitsbranche gegeben. „Die Brautmode ist sehr Bohème geworden, das spiegelt sich dann auch in den Aktivitäten der Junggesellinnenabschiede wider“, sagt Seijsener-Ritter. Der Begriff „Boheme“ beschreibt einen künstlerischen Lebensstil. „Endlich wird man wieder Kreativ“, sagt die Floristin. Zudem habe sich auch der Trend der Nachhaltigkeit durchgesetzt. „Die Bräute und ihre Freundinnen wünschen sich Aktivitäten mit Substanz, etwas, wovon man noch länger was hat und was nicht alltäglich ist“, sagt die Floristin. Zudem sei ein Workshop eine schöne Möglichkeit, dass sich die verschiedenen Freundeskreise der Frauen besser kennenlernen. „Bei Altstadttouren kommen ja keine richtigen Gespräche zustande“, sagt Seijsener-Ritter.

Unter anderem wurden bei dem Workshop auch solche Armbänder gebastelt. Foto: Göddeke/Büning/Janina Büning

Doch Blumenkränze binden ist nicht die einzige Beschäftigung bei Junggesellinnenabschieden von heute, es wird nämlich auch gebacken. Zugegeben, es ist eher das traditionelle Bild, das sich zeigt, wenn eine Horde junger Frauen mit Backschürze am Ofen steht und kleine Küchlein backt – jedoch nur auf den ersten Blick. „Die Frauen von heute bevorzugen Events, bei denen sie einen Mehrwert haben“, sagt Anna Rosa Marques. Die Düsseldorferin betreibt seit zehn Jahren mehrere „Sugarbird Cupcakes“-Cafés. In den für Junggesellinnenabschiede typischen Monaten April, Mai und Juni sind laut Marques alle Backkurse ausgebucht. Ein Workshop dauert rund drei Stunden, danach lassen die meisten Bräute mit ihren Freundinnen den Abend bei einem Dinner ausklingen.

Und ob man es glaubt, oder nicht: „Da kommt richtig gute Stimmung auf“, sagt Marques. Bei dem einen oder anderen Glas Sekt würden die Mädels meist passend zum Hochzeitsmotto verschiedene kleine Küchlein backen und anschließend mit nach Hause nehmen. Ein lustiger Nachmittag, von dem nicht nur nette Erinnerungen übrig bleiben, sondern auch ein Rezept, das nachgebacken werden kann.

Die Braut Yvonne Göddeke (rechts) mit ihrer Freundin. Foto: Göddeke/Büning/Janina Büning

Solche Workshops nehmen in der Regel jedoch nicht den ganzen Tag ein. „Wir sind nach dem Blumen-Workshop noch nett Essen gegangen und haben danach in einem Club gefeiert“, sagt Yvonne Göddeke. Im Club mussten die Mädels ihre Blumenkränze jedoch abnehmen. „Junggesellinnenabschiede sind dort nicht gern gesehen.“ Das sei aber kein Problem für die jungen Frauen gewesen. „Wir wollten schließlich auch chic feiern gehen.“

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