1. NRW
  2. Panorama

Terrorprozess in Düsseldorf: Junge Mutter soll Dschihad unterstützt haben

Terrorprozess in Düsseldorf : Junge Mutter soll Dschihad unterstützt haben

Im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf müssen sich ab Mittwoch zwei Frauen und ein Mann als mutmaßliche Helfer der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) verantworten. Die Hauptangeklagte Karolina R. soll ihren Lebensgefährten im Dschihad unterstützt haben. Sie sitzt seit Monaten mit ihrem zweijährigen Sohn in Untersuchungshaft.

Während sich Karolina R. wegen Unterstützung des Dschihad vor Gericht verantworten muss, kämpft ihr Lebensgefährte Farid S. in Syrien in den Reihen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Er hatte zweifelhafte Bekanntheit erlangt, als er im vergangenen Jahr in einem Internetvideo vor Leichen posierte: "Wie ihr sehen könnt, haben wir geschlachtet", ruft er begeistert. Auf dem Video soll zudem der frühere Berliner Rapper und Radikalislamist Denis Cuspert (alias Deso Dogg bzw. Abu Talha al-Almani) zu sehen sein.

Karolina R. hingegen sitzt seit rund zehn Monaten mit ihrem mittlerweile zweijährigen Sohn in Untersuchungshaft im Frauengefängnis in Vechta und muss sich seit Mittwoch vor Gericht verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr und zwei weiteren Angeklagten Unterstützung einer ausländischen Terrorvereinigung vor. Die 25-Jährige soll der Terrormiliz Videokameras und mehrere Tausend Euro beschafft haben.

Das Trio schwieg beim Prozessauftakt und wollte weder zu den Vorwürfen, noch zum eigenen Lebenslauf Stellung nehmen. Die Vorsitzende Richterin Barbara Havliza redete den Angeklagten ins Gewissen: "Sollte an den Vorwürfen etwas dran sein, empfehle ich eine Aussage. Ein Geständnis wirkt sich immer positiv auf das Strafmaß aus."

Verteidiger Carsten Rubarth rügte dagegen die Sicherheitsvorkehrungen und beantragte deswegen sogar die Aussetzung des Verfahrens. Durch Straßenkontrollen der Polizei mit Maschinenpistolen sei die Öffentlichkeit des Prozesses unzulässig beschränkt worden. Polizisten hätten auch den Kofferraum eines Verteidigers durchsuchen wollen.

Karolina R. stammt — wie ihre beiden Mitangeklagten - aus Bonn. Die frühere Hauptstadt der Bundesrepublik gilt als eine der Hochburgen der Salafisten in Nordrhein-Westfalen. Karolina war als kleines Kind mit ihren Eltern aus Polen nach Deutschland gekommen. Vor rund fünf Jahren konvertierte die Katholikin zum Islam.

Nach ihrer Festnahme Ende März 2014 erinnerte sich ihr ehemaliger Schuldirektor an ihren auffälligen Wandel vor vier Jahren. Plötzlich sei sie voll verschleiert im Unterricht erschienen, berichtete er dem "Bonner General-Anzeiger". Bei der Abiturprüfung habe man sie bitten müssen, ihren Schleier zu lupfen, um sie identifizieren zu können. Auf Lehrer und Mitschüler habe ihr Verhalten sehr befremdlich gewirkt.

Karolinas Mutter verneint im Gespräch mit dem "Bonner Generalanzeiger" eine Verbindung ihrer Tochter zur Salafistenszene. Irgendwann habe Karolina begonnen, über Religion zu diskutieren: "Sie recherchierte viel und informierte sich, weil sie auf der Suche nach der wahren Religion war." Radikal sei sie aber nie gewesen.

Mit Farid S. soll die 25-jährige Deutsch-Polin nach islamischen Recht verheiratet sein. Laut "Focus Online" soll das Paar mit seinem kleinen Sohn nach Syrien gereist sein, sie kehrte mit dem Kind aber kurz darauf nach Deutschland zurück. Dort soll die junge Mutter begonnen haben, Geld für den Dschihad zu sammeln. Laut Anklage soll sie 2013 nach Syrien gereist sein, um ihrem Lebensgefährten Kameras zur Produktion von IS-Propagandavideos und insgesamt mehr als 5000 Euro Bargeld zu übergeben. Später ließ sie ihm demnach weitere rund 6000 Euro zukommen. Die beiden deutschen Mitangeklagten Ahmed-Sadiq M.und Jennifer Vincenza M. sollen 2200 Euro für den IS gesammelt haben.

Ihr Verteidiger Carsten Rubarth sagt auf Anfrage, seine Mandantin habe bislang zu den Vorwürfen geschwiegen und werde dies auch künftig tun. Die Hauptfragen des Verfahrens seien aus seiner Sicht, ob überhaupt - und wenn ja, wofür - Geld geflossen sei. Dass es für Terrorzwecke gegeben wurde, werde für die Justiz sehr schwer nachzuweisen sein. Die Auftritte ihres Mannes im Internet seien zwar eine Hypothek für seine Mandantin, aber: "Sippenhaft gibt es in Deutschland nicht."

Das Gericht hat zunächst 25 Verhandlungstage angesetzt und 50 Zeugen geladen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Düsseldorf: Prozess gegen IS-Terrorhelfer aus Bonn gestartet

(RP/ dpa)