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Sorge um Kindeswohl: Jugendämter mussten 2017 deutlich öfter aktiv werden als im Vorjahr

Sorge um Kindeswohl : Jugendämter mussten 2017 deutlich öfter aktiv werden als im Vorjahr

39.478 mal mussten die Jugendämter in NRW 2017 beurteilen, ob ein Kind in einer Familie gut behandelt wird oder nicht. Das war 12,8 Prozent häufiger als im Vorjahr. Vor allem eine Stadt sticht heraus.

In den meisten Fällen waren die Kinder zwischen zehn und 17 Jahren alt (36,6 Prozent), wenn 2017 eine akute Kindeswohlgefährdung bestand. 26,3 Prozent der betroffenen Kinder waren jünger als drei Jahre. Das geht aus der Statistik des Landesamtes für Statistik IT NRW hervor.

Demnach wurden in ganz NRW in 39.478 Fällen eine Einschätzung wegen Verdachts auf Kindeswohlgefährdung vorgenommen.

  • In 4.909 Fällen bestand diese auch akut (13,3 Prozent der Fälle).
  • In 5.727 Fällen bestand eine latente Gefährdung, das heißt ob eine dringende Gefahr besteht, konnte nicht eindeutig geklärt werden.
  • In 12.494 wurde ein Hilfebedarf bei den Eltern festgestellt.
  • Und in 16.348 Verdachtsfällen konnte letztlich weder eine Gefahr für das Kind noch Hilfebedarf innerhalb der Familie festgestellt werden.

Innerhalb von NRW gibt es jedoch große Unterschiede, das zeigen die Zahlen der Gefährundgseinschätzungen auf Kreisebene.

Demnach kam es in Essen zu besonders vielen Einschätzungen durch die Jugendämter. Obwohl die Stadt weniger Einwohner hat als Düsseldorf und Dortmund, wurden hier mehr Verdachtsfälle auf Kindeswohlgefährdung gemeldet - und auch mehr tatsächliche Vorfälle entdeckt. Auffällig ist auch: In Essen ist die Zahl der Fälle, bei denen Amt tatsächlich aktiv werden musste, deutlich höher als in anderen Städten.

  • Kleve : Mehr Verdachtsfälle von Kindeswohlgefahr
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Die Zahlen im Überblick:

Essen

  • Einschätzungsverfahren (gesamt): 1827
  • davon akute Kindeswohlgefährdung: 411
  • latente Kindeswohlgefährdung: 281
  • Bedarf an Hilfestellung: 722
  • Keine Eingreifen durch das Jugendamt notwendig: 413

Düsseldorf

  • Einschätzungsverfahren (gesamt): 1255
  • davon akute Kindeswohlgefährdung: 73
  • latente Kindeswohlgefährdung: 167
  • Bedarf an Hilfestellung: 306
  • Keine Eingreifen durch das Jugendamt notwendig: 709

Dortmund

  • Einschätzungsverfahren (gesamt): 1511
  • davon akute Kindeswohlgefährdung: 217
  • latente Kindeswohlgefährdung: 165
  • Bedarf an Hilfestellung: 590
  • Keine Eingreifen durch das Jugendamt notwendig: 539

Köln

  • Einschätzungsverfahren (gesamt): 3855
  • davon akute Kindeswohlgefährdung: 303
  • latente Kindeswohlgefährdung: 446
  • Bedarf an Hilfestellung: 720
  • Keine Eingreifen durch das Jugendamt notwendig: 2386

In den meisten Fällen wurden die Jugendämter durch die Polizei, die Gerichte oder Staatsanwaltschaften auf mögliche Probleme innerhalb einer Familie hingewiesen. Am zweithäufigsten geben Verwandte oder Bekannte einen Hinweis. Eher selten melden Schulen, Kitas oder die Tagespflege einen Vorfall.

Die Daten zur Gefährdungseinschätzung werden seit 2012 erhoben. Seitdem ist die Zahl der Fälle von akuter Kindesgefährdung um 25,3 Prozent gestiegen. Besonders stark stieg jedoch die Zahl der Fälle in denen das Jugendamt letztlich gar nicht aktiv werden musste. Sie stieg um 54,5 Prozent.