Josefine Paul (Grüne): "Knecht Ruprecht ist nicht mehr zeitgemäß"

Schöne Tradition oder längst überholt?: „Knecht Ruprecht ist nicht mehr zeitgemäß“

Heute kommt der Nikolaus. Mit dabei ist häufig sein böser Knecht. Weil dieser die Kinder ängstige, passe er nicht mehr in das heutige Erziehungsbild, meint Grünen-Politikerin Josefine Paul. Psychologen geben ihr recht.

Er ist der böse Gegenspieler des barmherzigen Nikolaus. Knecht Ruprecht soll unartige Kinder bestrafen und sie zu Frömmigkeit und Fleiß ermahnen. Er hat eine Rute im Gepäck, mit der er austeilt, wenn die Kinder sich nicht benommen haben, besagt die Legende. Der Knecht  führt den Höllenfürst in seinem Namen. „Precht ist die alte Bezeichnung für Teufel“, sagt Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti. Und der Sack, den er trägt und in den die unartigen Kinder gesteckt werden, symbolisiere den Höllenschlund sowie den kinderfressenden schwarzen Mann. Auch heute wird er den Nikolaus wieder begleiten.

Mit dieser Tradition müsse in der Form endlich Schluss sein, fordert Josefine Paul, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Düsseldorfer Landtag und Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik. „Knecht Ruprecht ist nicht mehr zeitgemäß. Er passt nicht mehr in das heutige Bild der Kindererziehung“, sagte Paul unserer Redaktion. Kinder sollten am Nikolaustag keine Angst haben, das sei eine schöne Tradition, auf die man sich freuen sollte. „Kindern sollte man grundsätzlich nie drohen. Darunter fällt auch die Drohung mit Knecht Ruprecht (Wenn du nicht artig warst …), die man nicht aussprechen sollte“, erläuterte Paul, die sich auch im Kinderschutzbund engagiert.

Kinder dürften auch mal frech sein und sich ausprobieren. Sie bräuchten Nächstenliebe und keinen Druck. Kinder hätten ein Grundrecht auf gewaltfreie Erziehung, und dazu zähle auch psychische Gewalt. Traditionen seien etwas Schönes und Verbindendes, betont sie. „Vielleicht kann Knecht Ruprecht auch besser beim Tragen der Süßigkeiten helfen, anstatt mit der Rute zu drohen“, so Paul. Becker-Huberti sieht es ähnlich. „Ich plädiere dafür, Knecht Ruprecht zu Hause zu lassen. Denn nicht das Böse, sondern das Gute soll am Nikolaustag im Vordergrund stehen“, sagt der Brauchtumsforscher, der ein Buch über den Heiligen Nikolaus geschrieben hat.

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Auch aus Sicht von Kinderpsychologen ist das Brauchtum mit dem bösen Knecht Ruprecht bei Kindern negativ besetzt. „Das ist ein Angst auslösender Faktor. Schon die Drohungen im Vorfeld, unbedingt artig zu sein, ängstigen die Kinder und bauen einen enormen Druck auf“, sagt Dorothee Thau, Psychologin bei der Caritas Erziehungs- und Familienberatung in Düsseldorf. Darum sollte man auch die Drohungen im Vorfeld weglassen, rät sie. „Statt den Kindern Angst einzuflößen, sollte man ihnen am Nikolaustag zeigen, wie schön es ist, anderen einen Freude zu bereiten“, sagt Thau.

Das Erzbistum Köln bietet Lehrgänge für Nikoläuse an. Reinhard Sentis weiß, worauf man als Darsteller achten muss, wenn man vor Kindern auftritt. Er ist Referent der Nikolausschule im  Generalvikariat des Erzbistums. Auf jeden Fall dürfe man die Tradition nicht – wie es allzu häufig gemacht werde – zu Erziehungszwecken missbrauchen. Das sei nicht die Botschaft des Nikolaus’, sagt er. Knecht Ruprecht habe aber seine Daseinsberechtigung. „Es geht darum, dass das Gute (Nikolaus) das Böse (Knecht Ruprecht) überwindet und deshalb im Zaum hält. Ruprecht liegt ja an der Kette vom Nikolaus“, erklärt Sentis.

Grundvoraussetzung für jeden, der als Nikolaus auftreten möchte, sei die Liebe zu Kindern, Jugendlichen und allen, die von ihm besucht werden wollen. Man muss laut Nikolausschule Freude daran haben, die Geschichten des Heiligen Nikolaus mit Leben zu füllen und als Vorbildcharakter zu erzählen. „Nur dann kann man authentisch und offen für die Fragen der Kinder sein“, sagt Sentis.

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