Irische Landfahrer — das ist die Bilanz der Irish Travellers im Rheinland

Düsseldorf, Kevelaer und Neuss: Irish Travellers im Rheinland — das ist die Bilanz

Irish Travellers verlassen Kevelaer

Glaubt man dem, was man so hört, hinterlassen irische Wildcamper ("Irish Travellers") eine Spur der Verwüstung, wo immer sie hingehen. Stimmt das? Wir haben in den betroffenen Städten nachgefragt.

In den vergangen Tagen waren irische Landfahrer in Kevelaer, Neuss und Düsseldorf unterwegs. Bei den Ordnungsämtern gingen zahlreiche Beschwerden von Bürgern ein. In den meisten Fällen führten diese Beschwerden aber nicht dazu, dass Ordnungs- oder Bußgelder verhängt wurden. Bisher gab es laut Polizei eine Strafanzeige.

"Auch Travellers müssen sich an die Gesetze halten"

Sind die irischen Landfahrer also ganz harmlos, oder doch ein Haufen Wüstlinge ohne Respekt für Gesetz und Ordnung? Martin Collins hat da eine klare Meinung. Er ist selbst Traveller und einer der Direktoren des "Pavee Points" (Link zur Website) in Dublin, einer Nicht-Regierungsorganisation, die sich für die Rechte von Travellers und Roma einsetzt. "Wer sich nicht an die Gesetze hält, muss dafür zur Verantwortung gezogen werden", sagt er. Das gelte selbstverständlich auch für Irish Travellers, die Müll in die Gegend werfen oder zu schnell Auto fahren. "Die Gesetze sind dazu da, solche Dinge zu verhindern."

Es sei aber wichtig, die Travellers nicht in Schubladen zu stecken. "Die Menschen sagen zum Beispiel oft, dass wir laut sind. Das kann ich unterschreiben: Wir sind insgesamt ein lautes Volk." Oft schlössen Nicht-Travellers aber automatisch, wer laut sei, sei auch aggressiv. "Und das ist nicht der Fall. Es ist eine Fehlinterpretation unseres Verhaltens."

Das Problem seien die daraus erwachsenden Stereotype: "Wenn einige aus einer Gruppe Travellers Regelverstöße begehen, gehen manche Menschen sofort davon aus, dass auch alle anderen so sind." Alle Travellers pauschal als aggressive Raser zu bezeichnen, die ihr Umfeld vermüllen, sei Rassismus. "Das beginnt auf ganz niedriger Ebene und schaukelt sich dann zu etwas ganz Schlimmem hoch, wie wir aus der Geschichte wissen."

  • Irische Landfahrer in Düsseldorf : Wer sind die Irish Travellers?

"Travellers haben mindestens so viel Angst vor Düsseldorfern wie umgekehrt"

Doch viele Bürger haben nichts als Stereotype, um zu begreifen, wer da in ihrer Stadt kampiert. Denn die Travellers - das gibt auch Martin Collins zu - sprechen nur sehr ungern mit Außenstehenden. "Für Travellers repräsentieren diese Menschen ein System, zu dem sie nicht gehören. Ein staatliches System, das viele Jahrhunderte lang Roma und Travellers systematisch unterdrückt hat." Dieses tiefe Misstrauen sei nur schwer abzulegen. "Die Düsseldorfer oder Neusser haben vielleicht Angst, die Travellers anzusprechen und kennenzulernen, weil sie sie für gefährlich halten. Man darf aber nicht vergessen, dass die Travellers mindestens genau so viel Angst vor den Düsseldorfern oder Neussern haben."

Was also kann der Weg zu mehr gegenseitigem Verständnis sein? Martin Collins wünscht sich starke Gesetze gegen Diskriminierung in jeder Gesellschaft - aber auch mehr Informationen über die Travellers, in den Schulen und in den Medien. Er gibt einige Beispiele:

Das Ziel von "Pavee Point" sei es, solche Informationen zu verbreiten. "Wir wollen gegen das gegenseitige Misstrauen vorgehen." Nur das würde gegen die Diskriminierung von Irish Travellers helfen.

(hpaw)
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