Insektenschwund in NRW: Ganzjahresfütterung von Vögeln - Tipps und Infos

Insektenschwund in NRW : Ganzjahresfütterung von Vögeln - Tipps und Infos

Auch im Frühling und Sommer füttern manche Tierfreunde die Vögel in ihrem Garten. Durch das Insektensterben finden sie immer weniger Nahrung in der Natur. Gerade in der Brutzeit ist das ein Problem.

„Insgesamt geht es den Vögeln überhaupt nicht mehr gut“, sagt Heinz Kowalski, stellvertretender NRW-Vorsitzender des Nabu. In den vergangenen zwölf Jahren ist die Anzahl der Brutpaare in Deutschland um 12,5 Millionen gesunken, das entspricht einem Minus von 15 Prozent. Vor allem die schwindenden Lebensräume und der Rückgang der Insekten machen vielen Vogelarten zu schaffen. Während die Waldbewohner noch einigermaßen gute Bedingungen vorfinden, sieht es bei den Verwandten auf dem Land und in der Stadt nicht gut aus, berichtet Kowalski. Intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen bieten kaum noch Artenvielfalt und damit keine Nahrung. In der Stadt wird immer mehr Boden versiegelt, es gibt viele pflegeleichte Gärten ohne Büsche und Hecken, aber mit Golfrasen. Viele Vorgärten sind Steinwüsten aus Kies oder Schotter. „Da finden Vögel natürlich auch keine Nahrung mehr. Wer solche Gärten des Grauens hat, der muss sich nicht wundern, wenn der Bestand immer mehr abnimmt“, sagt Kowalski.

Deshalb befürworten manche Experten, wie der Ornithologe Peter Berthold, langjähriger Leiter der Vogelwarte Radolfzell des Max-Planck-Instituts, die Ganzjahresfütterung. Heinz Kowalski sieht das nur mit Einschränkungen so. Denn eine Fütterung könne den Wegfall der Lebensräume der Vögel nicht ausgleichen. Die Fütterung im Winter sei aber grundsätzlich wichtig und richtig, da die Tiere nicht mehr so leicht Nahrung finden. Die Insektenfresser seien in dieser Zeit als Zugvögel bereits in den Süden gewandert. Die Vögel, die in Deutschland überwintern, könnten dann auch von Samen und Körnern leben – wie sie im Futterhaus ja meistens angeboten werden. „Im Sommer sieht das natürlich anders aus. Während der Brutzeit im Frühling und wenn die Vögel später ihre Brut füttern müssen, dann brauchen sie Insektenfutter“. Doch Insekten gibt es immer weniger. „Dann müssen wir die Altvögel mit Futter unterstützen, damit sie die Kraft haben, für ihre Jungen die Insekten zu finden“, sagt Kowalski. Und an diesem Punkt stimme der Nabu mit Ornithologe Peter Berthold überein.

Aus Sicht des Nabu birgt eine durchgängige Fütterung aber auch Gefahren. Wenn es im Sommer richtig heiß ist, steige die Gefahr von Infektionen. Die Vögel kommen schnell mit Parasiten, wie Trichomonaden, in Kontakt. Das endet für die Tiere oft tödlich, sagt Kowalski. Die Futterstelle und das Trinkgefäß müssen deshalb hygienisch sauber gehalten werden, indem sie mit heißem Wasser ausgewaschen werden. Übriggebliebenes Futter muss entfernt werden. Außerdem sollte im Sommer Fettfutter angeboten werden und nicht bloß Körner, da die Vögel auch ihren Nachwuchs damit füttern. Das schadet den jungen Vögeln übrigens nicht, informiert der Nabu.

Ein möglichen Nachteil sieht Kowalski auch in der „Wohlstandsverwahrlosung“: Die Vögel könnten durch das ganzjährige Futterangebot verlernen, sich selbst Nahrung zu suchen. Wenn die Futterstelle versiegt, weil die Menschen im Urlaub sind oder aus anderen Gründen nicht mehr füttern, bekommen die Tiere Probleme. Die Vögel auf der Roten Liste, die vom Aussterben bedroht sind, erreiche man mit einer Fütterung außerdem nicht. In Städten und Dörfern profitieren etwa zehn bis 15 Vogelarten von der Fütterung. „Es sind eher Allerweltsvögel wie Meisen, Buchfinken, Rotkelchen oder Amseln“, sagt Kowalski. Diese Arten seien nicht in ihrem Bestand gefährdet.

Wer Vögel schützen möchte, sollte ihnen einen geeigneten Lebensraum bieten. Naturnahe Gärten lassen sich auch auf kleinem Raum umsetzen. Ein vogelfreundlicher Garten zeichnet sich durch Vielfalt aus, rät der Nabu. Er biete den unterschiedlichsten Arten Lebensraum, also vor allem Nahrung und Nistmöglichkeiten. Dabei sollten heimische Stauden, Bäume und Sträucher bevorzugt werden. Hecken mit Dornen oder Stacheln bieten kleinen Vögeln wie Schwanzmeise und Heckenbraunelle Unterschlupf und Nahrung. Bei der Eberesche wurden laut der Naturschützer 63 Vogelarten gezählt, denen die roten Vogelbeeren schmeckten. Am Weißdorn wurden 163 Insektenarten beobachtet, der Strauch sei deshalb ein Paradies für Zilpzalp und andere insektenfressende Vögel.

Zu viel Ordnung im Garten mögen Tiere nicht. Der Nabu empfiehlt eine „wilde Ecke“ im Garten, in der auch Brennnesseln und anders Unkraut spießen dürfen. Dort siedeln sich Raupen und Falter an, die den Vögeln wiederum als Nahrung dienen. Komposthaufen mit vielen Würmern und anderen Insekten sind das perfekte Esszimmer für die Tiere. Auch unter liegengelassenem Herbstlaub finden sie Nahrung. Reisighaufen, Natursteinmauern und Dachüberstände von Schuppen können bestimmten Arten als Nistplatz dienen.

Pestizide sind zudem ein Tabu im vogelfreundlichen Garten. Schädlinge wie etwa Blattläuse lassen sich laut Nabu erfolgreich auf biologischem Wege bekämpfen. So fresse eine Kohlmeisenfamilie im Jahr rund dreißig Kilogramm Insekten.

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