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Drei Schweinegrippe-Fälle in NRW: Infizierten geht es "sehr, sehr ordentlich"

Drei Schweinegrippe-Fälle in NRW : Infizierten geht es "sehr, sehr ordentlich"

In Düsseldorf gibt es seit heute drei bestätigte Fälle der so genannten Schweinegrippe. Nachdem bereits gestern bei einer 43-jährigen Mutter eine Infektion mit dem neuen Grippe-Virus AH1N1 bestätigt worden war, steht nun auch fest, dass ihr 40-jähriger Ehemann und die sechsjährige Tochter infiziert sind.

Alle drei Fälle wurden inzwischen vom Robert-Koch-Institut offiziell bestätigt, die Erkrankten befinden sich auf der Infektionsstation der Uni-Klinik Düsseldorf. Die vierjährige Tochter des Paares wurde laut Dieter Häussinger, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Infektiologie und Hepatologie der Heinrich-Heine-Universität, dreimal auf das Virus getestet, eine Infektion habe bisher nicht nachgewiesen werden können.

Auch bei einem weiteren Kind, das in der Kindertagesstätte an der Fuldaer Straße in Eller, welche die Töchter der betroffenen Familie am vergangenen Montag und Dienstag noch besucht hatten, zu der erkrankten Sechsjährigen Kontakt hatte, hat sich der Verdacht bisher nicht bestätigt.

Das Ehepaar aus Eller war am 15. Mai von einer einwöchigen New-York-Reise gekommen, die Kinder hatten die Woche bei einer Tante verbracht. Sie befindet sich jetzt vorsorglich ebenfalls in der Uni-Klinik zur Beobachtung. Über das Wochenende hatten sie fast nur innerhalb der Familie Kontakt.

Am Montag gingen die 43-Jährige und ihr Mann wieder in die Arbeit. Beide arbeiten nach Angaben der Stadt im Bürobereich. Die Frau, die seit Sonntag infektiös gewesen sien soll und an jenem Tag bereits Symptome gezeigt hatte, hatte im beruflichen Umfeld zu fünf Personen Kontakt, ihr Mann zu sieben.

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Alle, auch die Arbeitgeber, seien inzwischen informiert und werden vorsorglich behandelt. Den Infizierten geht es laut Häussinger "sehr, sehr ordentlich", das Grippemittel Tamiflu habe angeschlagen, die Erkrankten seien aus den gröbsten Fieberschüben heraus, hätten nur noch leicht erhöhte Temperaturen.

Kita komplett desinfiziert

Die betroffene Kindertagesstätte wurde gestern Vormittag komplett desinfiziert und soll bis 2. Juni geschlossen bleiben, sagte Jugendamtsleiter Johannes Horn. Man habe erwogen, auch die benachbarte Schule zu schließen, sich dann aber dagegen entschieden. Ab Montag soll dort der Unterricht weitergehen.

"In der Kindertagesstätte waren zehn bis zwölf Mitarbeiter der Putzkolonne und sechs Mitarbeiter der Feuerwehr in Schutzanzügen", so Horn. Der Fußboden und Schränke seien einer Grundreinigung unterzogen, Kleinstgegenstände wie Spielzeug von der Feuerwehr abtransportiert worden. Es handelt sich um einen viergruppigen Kindergarten, der normalerweise von 84 Kindern besucht wird. Wegen des Streiks der Kindergärtnerinnen seien am vergangenen Montag und Dienstag nur 34 Kinder in drei Gruppen in der Kita gewesen.

"Wir können nicht ausschließen, dass es gruppenübergreifende Kontakte gab", sagte Horn. Deshalb seien alle Eltern der Kinder, die die Tagesstätte an den beiden Tagen besucht hatten, umgehend informiert worden. Sie sollen ihre Kinder vorerst zu Hause lassen.

Eltern sollen auf Symptome achten

Gesundheitsdezernent Wilfried Kruse appelliert an diese Eltern, ihre Kinder möglichst nicht an Gemeinschaftsveranstaltungen, etwa in Sportvereinen oder in Musikschulen, teilnehmen zu lassen. "Wir müssen alle miteinander helfen, dass sich die Infektion nicht weiter ausbreiten kann." Deshalb sollten auch Verwandte, Freunde und Bekannte die vom Gesundheitsamt empfohlenen Verhaltensregeln einhalten und auf typische Symptome achten.

Dazu gehören plötzlich beginnendes Krankheitsgefühl mit Fieber ab 38 Grad, Schüttelfrost, Schnupfen oder verstopfte Nase, Halsschmerzen, Husten oder Atemnot, Muskel-, Glieder- oder Kopfschmerzen. Bei auftretenden Symptomen soll zweimal täglich die Körpertemperatur überprüft werden. Betroffene sollten sich nur telefonisch an ihren Arzt wenden und ihn darauf hinweisen, dass aufgrund eines Kontakts zu einem bestätigten Fall der "Schweinegrippe" der Verdacht auf eine Infektion bestehe.

Gesundheitsamts-Leiter Heiko Schneitler rät, die Ärzte sollten Hausbesuche machen und bei bestätigtem Verdacht umgehend das Gesundheitsamt informieren. Eltern, deren Kinder an besagten Tagen die Kindertagesstätte besucht hatten, ließen ihre Kinder gestern offenbar dennoch auf einem benachbarten Spielplatz spielen. "Wir können ordnungsrechtlich nicht eine Quarantäne verhängen", betonte dazu Kruse.

"Es gibt zwar keinen Anlass zu großer Sorge, aber auch keine absolute Sicherheit." Für die 50 Kinder, die an den Streiktagen die Einrichtung nicht besucht hatten und sich somit nicht angesteckt haben können, richtet das Jugendamt ein Ersatzquartier im Bürgerhaus Eller ein. Ab Montag können sie dort betreut werden.

Von den mehr als 200 Mitreisenden des erkrankten Paares kommen 19 aus Düsseldorf, der überwiegende Teil kommt aus dem Ausland, vor allem aus den Niederlanden und Österreich. Alle Passagiere seien inzwischen informiert worden, sagte Schneitler. Als Standort mit einem wichtigen internationalen Flughafen sei Düsseldorf in besondere Weise mit dieser Problematik konfrontiert, betonte Kruse.

"Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen wird es dazu führen, dass sich das Virus weiter ausbreitet." In den vergangenen Wochen seien am Airport mit den Ärzten des Gesundheitsamtes 25.000 Passagiere, die aus den USA, Mexiko oder Kanada kamen, erfasst worden. Dies habe auch im aktuellen Fall die Information der Mitreisenden erleichtert.

"Unser Interesse ist, dass Infizierte, wenn sie nach Deutschland kommen, umgehend isoliert werden", so Schneitler. Nur so ließe sich eine Ausbreitung verhindern. Das Problem sei jedoch, wie das Beispiel der Mutter zeigt, dass Passagiere zwar infiziert, aber noch nicht erkrankt sein und somit zur Ansteckungsgefahr für andere Menschen werden können.

54 Sanitäter bei Fortuna-Spiel vor Ort

Massenveranstaltungen absagen, wie in Mexiko wegen der Schweinegrippe geschehen, werde man nicht. Jedoch sei man angesichts der ausverkauften Arena am Samstag beim Spiel der Fortuna vorbereitet. "Wir sind mit dem Veranstalter und der Messegesellschaft in intensivem Kontakt, alle sind informiert und sensibilisiert", so Kruse auf Anfrage. Laut Schneitler werden 54 Sanitäter vor Ort sein sowie zwei Ärzte und ein Notarztfahrzeug.

Eine umfassende Kontrolle aller Besucher des Spiels auf mögliche Symptome sei allerdings logistisch "nicht möglich". Einen Grund für eine Absage sieht Schneitler derzeit nicht. "Als 1961 wegen Polio die Große Kirmes in Düsseldorf abgesagt wurde, gab es deutschlandweit 60.000 Infizierte." Bei der Schweinegrippe seien es derzeit bundesweit 18 Fälle.

Die Krankenhäuser in Düsseldorf sind Schneitler zufolge mit insgesamt 6000 Betten für den Fall einer weiteren Verbreitung der Schweinegrippe gerüstet, allein die Uni-Klinik hat 1100 Betten. Häussinger betonte, dass in den USA der Großteil der Infizierten nicht stationär behandelt werden müsse, auch bei den Düsseldorfer Fällen erfordere der Zustand nicht zwingend einen stationären Aufenthalt.

Bei den weltweit 10.000 registrierten Fällen beträgt die Wahrscheinlichkeit für einen tödlichen Verlauf der Krankheit im Mittel 1:1000. Dies entspreche dem normalen Grippe-Verhältnis, so Schneitler. Sollte sich das Virus weiter ausbreiten, greift ein Notfallplan. Unter Leitung der Beigeordneten Helga Stulgies, die für die Feuerwehr zuständig ist, würde ein Krisenstab gebildet. "Wir sind bereits aus Zeiten der Volgegrippe auf eine mögliche Pandemie vorbereitet", sagt Stulgies. Oberste Priorität hätte in solch einem Fall der Schutz der Helfer, also Feuerwehr, Ärzte, Sanitäter, Krankenschwestern.

Gesundheitsamt bietet Hotline an

Das Gesundheitsamt hat eine Hotline eingerichtet. Unter der Telefonnummer 0211/8996971 können sich Bürger täglich von 8 bis 18 Uhr über Verhaltensregeln informieren. Um eine weiteres Verbreiten der Influenza zu verhindern, wird geraten, beim Husten und Niesen die Nase und den Mund mit einem Einmal-Taschentuch zu bedecken.

Taschentücher sollen nur einmal benutzt, die Hände häufig mit Seife und Wasser gewaschen werden. Die Notfallambulanz ist unter Telefon 0211/9867555 bzw. über die Arztnotrufzentrale 0180/5044100 zu erreichen.

Hier geht es zur Infostrecke: Alles zur Schweinegrippe in Düsseldorf