In NRW schließen immer mehr evangelische Kirchen In NRW schließen immer mehr evangelische Kirchen

Schrumpfende Mitgliederzahlen: In NRW schließen immer mehr evangelische Kirchen

Etliche Kirchengemeinden haben in den vergangenen Jahren Gotteshäuser aufgegeben, verkauft oder abgerissen, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes zeigt.

Vor allem im Rheinland und im Ruhrgebiet mussten viele Kirchen schließen. Nach Angaben der Evangelischen Kirche im Rheinland, der zweitgrößten evangelischen Landeskirche, wurden zwischen 2008 und Ende 2018 rund 150 Kirchen entwidmet - ungefähr jede zehnte. Das ist der absolute Spitzenwert in ganz Deutschland. In der Evangelischen Kirche von Westfalen wurden von 2001 bis 2018 fast 80 von insgesamt mehr als 900 Kirchen aufgegeben. Die mitgliederstärkste Landeskirche der EKD, die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, musste seit 2002 19 Kirchen verkaufen, vermieten oder abreißen lassen.

In der lippischen Kirche - mit rund 159.000 Mitgliedern eine der kleinen der 20 Landeskirchen in Deutschland - ist die Aufgabe von Kirchengebäuden indes kein Thema. Bislang sei im Jahr 2014 eine evangelische Kirche in Bad Salzuflen an eine Freikirche verkauft und ein Jahr später umgewidmet worden, sagte Öffentlichkeitsreferentin Birgit Brokmeier dem epd. Auch im Süden Deutschlands werden Kirchen seltener entwidmet. In der bayerischen Landeskirche, der drittgrößten der EKD, stehen derzeit nur drei Kirchen zum Verkauf. In Baden steht keine Kirche leer, in Württemberg wurden in den vergangenen 20 Jahren etwa zehn Kirchen aufgegeben. In der Nordkirche wurden seit 2012 neun Kirchen entwidmet.

Selten genutzte Dorfkirchen in ländlichen Regionen sind vor allem in den östlichen Bundesländern ein Problem, wo es wenige Kirchenmitglieder gibt, aber gleichzeitig einen großen Bestand an Gebäuden. So besitzt die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) etwa 4.000 Kirchen, das entspricht nach Angaben der Landeskirche knapp 20 Prozent aller Kirchengebäude in Deutschland. Wie viele davon überwiegend ungenutzt sind, lasse sich nicht beziffern. In der Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) gibt es 2.000 Kirchen, davon 1.600 Dorfkirchen. 400 von ihnen werden alternativ genutzt, weil dort nicht regelmäßig ein Gottesdienst stattfindet.

Nachdem in den 1960er bis 1980er Jahren noch viele neue evangelische Kirchen und Gemeindehäuser gebaut worden seien, heiße es nun „Abschied nehmen und loslassen“, sagte der rheinische Vizepräses Christoph Pistorius dem Evangelischen Pressedienst. Das falle vielen Menschen nicht leicht, weil sie dort bedeutsame Ereignisse wie ihre Hochzeit oder die Taufe ihres Kindes erlebt hätten. „Menschen bewegt es, wenn sie hören, dass 'ihre' Kirche geschlossen wird“, sagte der Theologe. Veränderungen erforderten Mut und Vertrauen.

Gut sei es, wenn aufgegebene Kirchen neu genutzt werden und weiterhin als „Treffpunkt oder Ort der Gemeinschaft“ dienen könnten, sagte Pistorius. In Essen wurde beispielsweise die Neue Pauluskirche nach ihrer Entwidmung zu einem Seniorenzentrum und einer Kindertageseinrichtung umgebaut. „Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass nicht immer der Erhalt eines Gebäudes möglich ist“, räumte der Theologe ein.

Auch die gemeinsame Nutzung einer Kirche durch evangelische und katholische Gemeinden sei „ein wegweisendes Zeichen“, erklärte der Vizepräses. Im Gebiet der rheinischen Landeskirche gibt es den Angaben zufolge bereits fünf solcher „ökumenischen Wohngemeinschaften“, davon eine in Essen in einer evangelischen Kirche, die anderen in Aachen, Mettmann und Krefeld.

(epd/seda)
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