In NRW boomt der Gesundheitstourismus

Heilbäder und Kurorte : In NRW boomt der Gesundheitstourismus

Zum fünften Mal in Folge erzielte NRW einen Übernachtungsrekord. Dies liegt an den Geschäftsreisenden, aber auch an immer professionelleren Urlaubs-Angeboten. Eine wichtige Rolle spielt dabei zunehmend der Gesundheitstourismus.

Es gibt angenehmere Geräusche als ein Dauerfiepen im Ohr, den sogenannten Tinnitus: ein murmelnder Bach, raschelnde Pappeln im Wind, knirschender Kies unter den Füßen. Indem sich Wanderer auf diese natürlichen Klänge fokussieren, sollen sie den störenden Ton in ihrem Kopf verdrängen lernen - zumindest ist das die Idee des Tinnitus-Wanderweges in Preußisch Oldendorf im Teutoburger Wald.

Mit dem sehr speziellen Angebot will die Region das Thema Gesundheit touristisch weiter in den Mittelpunkt rücken. Die Buchungszahlen der Selbstzahler steigen auf jeden Fall, sagt Markus Backes, Gesundheitsmanager beim Teutoburger Wald Tourismus - in einer Region, die traditionell viele Kurgäste beherbergt. So soll das Thema Gesundheit dazu beitragen, den Tourismus in NRW weiter zu beflügeln.

Dabei erzielte das bevölkerungsreichste Bundesland 2014 zum fünften Mal in Folge ein Rekordergebnis in der Beherbungsstatistik. Erstmals wurden mehr als 21 Millionen Gäste und 47 Millionen Übernachtungen (plus 3,9 Prozent) gezählt - davon zehn Millionen aus dem Ausland. Beim Zuwachs liegen Köln und der Rhein-Erft-Kreis mit einem Plus von 11,3 Prozent sowie die Eifel und die Region Aachen mit einem Plus von 12,4 Prozent weit vorne.

"Die Wahrnehmung NRWs als Reiseland hat sich gefestigt", sagt Julie Sengelhoff, Sprecherin von Tourismus NRW. Zu verdanken sei dies zum einen der großen Zahl von Geschäftsleuten. Diese übernachten in den Messe-Metropolen und in deren Nachbarstädten.

Zum anderen habe sich die Wahrnehmung im Land insofern gewandelt, als dass bei vielen Menschen in NRW ein Urlaub im eigenen Bundesland durchaus in Frage kommt, etwa auf einem Bauernhof in der Eifel oder auf einer Ski-Hütte im Sauerland. "Dazu werden die Angebote immer professioneller, sind zugeschnitten auf bestimmte Zielgruppen", sagt Sengelhoff. So hat sich die Region Düsseldorf unter anderem auf Medizintouristen aus den arabischen Golfstaaten spezialisiert. Die Zahl der Gäste aus diesen Ländern ist um enorme 25 Prozent gestiegen. "Oft reist die gesamte Familie mit und unternimmt viel im Umland", sagt Sengelhoff. "Das ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor." Auch Touristen aus China (plus 22,8 Prozent) und Polen (plus 14,6 Prozent) zieht es vermehrt nach NRW.

Generell spielt das Thema Gesundheit für den NRW-Tourismus eine immer größere Rolle. Allein auf die rund zwei Dutzend Heilbäder und Kurorte entfallen etwa 5,3 Millionen Übernachtungen. "Jede dritte bis vierte Nacht findet damit in einem Heilbad oder Kurort statt", sagt Achim Bädorf, Geschäftsführer der Gesundheitsagentur NRW. "Damit das so bleibt, haben wir vor allem das Geschäftsfeld der Prävention verstärkt." Der Tinnitus-Wanderweg im Teutoburger Wald zählt zu diesen präventionsorientierten Angeboten. "Wir haben uns gefragt: Was ist bei uns anders als in anderen Regionen?", sagt Gesundheitsmanager Backes. "Wir haben natürliche Heilmittel wie reine Luft und therapeutisch wirkende Landschaften." Diesen Vorteil gelte es neben den Kurprogrammen in zusätzliche attraktive Angebote umzusetzen.

Ähnliches versucht auch Backe's Kollege Lars Morgenbrod für das Sauerland umzusetzen. Die Region sei vor allem bekannt für Aktivtourismus, also Skifahren im Winter und Fahrradfahren sowie Wandern im Sommer. "Daneben stellen wir nun unsere ,Sauerland-Coaches'", sagt Morgenbrod. Psychologen, Sozialpädagogen und andere Fachkräfte lassen sich buchen und begleiten Urlauber, etwa beim Wandern oder Kanufahren.

Dabei sollen, so Morgenbrod, "Lebensfragen bearbeitet werden". Stress im Beruf zum Beispiel+ oder die aufreibende Pflege von Angehörigen. Auch ein Ehelabor gehört zum Angebot. Keine Therapie sei das, sondern man versuche, die Teilnehmer "aufs richtige Gleis zu setzen". Ab Mai bietet sich dafür auch der neu errichtete landschaftstherapeutische Park in Brilon an. Dort sollen die Besucher bestimmte Areale erkunden, Erfahrungen sammeln und über die Effekte reflektieren - idealerweise mit einem Sauerland-Coach.

Trotz aller Erfolge ist das Thema Gesundheit im NRW-Tourismus außerhalb der Kuren noch ausbaufähig. Immerhin steigen die Buchungszahlen. Die Gesundheitsmanager sind optimistisch. "Die Menschen realisieren, dass sie für ihr Wohlbefinden etwas tun müssen", sagt Morgenbrod. "Warum nicht einen Urlaub in NRW buchen?"

(RP)
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