In NRW starben 50 Menschen: Immer mehr Kinder ertrinken beim Baden

In NRW starben 50 Menschen : Immer mehr Kinder ertrinken beim Baden

In Deutschland kamen laut DLRG im vergangenen Jahr 446 Menschen beim Schwimmen ums Leben. Das ist ein Anstieg um 16,4 Prozent im Vergleich zu 2012. In Nordrhein-Westfalen starben 50 Menschen (42 davon männlich), 19 davon ertranken im Rhein, 17 in Seen und Teichen. Die Experten führen die Entwicklung vor allem auf den heißen Sommer zurück.

Erstmals seit sieben Jahren ist in Deutschland die Zahl der ertrunkenen Kinder und Jugendlichen wieder gestiegen. Laut Deutscher Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) kamen im vergangenen Jahr sogar fast doppelt so viele Heranwachsende beim Baden ums Leben wie noch 2012. Die Zahl stieg von 18 auf 34. Davon waren 13 Kinder noch im Vorschulalter, zwölf Grundschüler und neun Kinder zwischen elf und 14 Jahren. "Den genauen Grund für diesen Anstieg kennen wir noch nicht", sagt DLRG-Sprecher Martin Janssen. Einen Zusammenhang mit der seit Jahren abnehmenden Schwimmfähigkeit bei Kindern, könnten die Rettungsschwimmer bislang nicht feststellen. "Es ist so, dass Kinder, die nicht schwimmen können, auf eine natürliche Distanz zum Wasser achten", sagt Janssen.

Nicht nur in der Altersklasse bis 15 Jahren stieg die Zahl der Badetoten. Insgesamt ertranken 2013 in Deutschland 446 Menschen, das sind 63 mehr als im Jahr davor (ein Plus von 16,4 Prozent). Die Rettungsschwimmer führen den Anstieg auf den sehr warmen Sommer zurück. "Zwischen Juni und August ertranken mehr als die Hälfte der Opfer", betont DLRG-Präsident Hans-Hubert Hatje. "Nach dem langen, kalten Winter und dem kühlen Frühjahr haben offenbar Übermut, Leichtsinn und Selbstüberschätzung zu diesem Anstieg der Todesfälle geführt", sagt Hatje.

In Binnengewässern ertranken 365 Personen: 182 starben in fließenden Gewässern, 160 in Seen und Teichen. 17 Mal waren Hafenbecken, 15 Mal Kanäle und acht Mal ein mit Wasser gefüllter Graben der Unglücksort. Die Todesfälle in Gartenteichen und privaten Swimmingpools verdoppelten sich von vier auf acht. In Frei- und Hallenbädern verunglückten 14 Personen. 26 Opfer forderte das Meer, 18 ertranken in der Ostsee und acht in der Nordsee. Weiterhin sind es vor allem männliche Personen (360), die ertrinken.

In Nordrhein-Westfalen kamen 50 Menschen (42 davon männlich) beim Schwimmen ums Leben, 19 davon ertranken im Rhein, 17 in Seen und Teichen. In NRW haben die Rettungsschwimmer mit Bäderschließungen zu kämpfen. Zwischen 2007 und 2012 wurden landesweit 81 Bäder dicht gemacht. 106 weitere sind von der Schließung bedroht. Besonders auf dem Land seien viele Hallen in den vergangenen Jahren aus Kostengründen geschlossen worden. Das merke man in der Nachwuchsarbeit, heißt es beim DLRG Nordrhein. "Aber auch der Schulsport leidet darunter", sagt Janssen. "Konnten in den 80er Jahren noch 85 Prozent der Kinder schwimmen, sind es heute nur noch 50 Prozent — Tendenz weiter fallend."

Neben Kindern und Jugendlichen kommen auffällig häufig ältere Menschen beim Schwimmen ums Leben. "Die Altersgruppe der 70 bis 90-Jährigen ist im Wasser sehr gefährdet", sagt Janssen. Gründe dafür seien Überschätzung der Leistungsfähigkeit und gesundheitliche Probleme im Alter. Zudem könnten nur 44 Prozent der über 80-Jährigen nach eigenen Angaben überhaupt schwimmen, weil sie das als Kinder nicht gelernt hätten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Badeseen: Wo man baden darf - und wo nicht

(RP)