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Im OP-Saal mit Handprothese: Wie eine Schwester anderen Mut machen will

Dinslakenerin verlor ihre Hand bei Unfall : Die OP-Schwester mit der Handprothese

Britte Meinecke-Allekotte verlor bei einem Unfall vor rund zwei Jahren ihre linke Hand. Heute arbeitet sie wieder als OP-Schwester – mit Prothese. Und will mit ihrer Geschichte auch anderen Mut machen.

Im Operationssaal muss jeder Handgriff sitzen. Britta Meinecke-Allekotte weiß das besser als viele andere – jahrelang war sie als leitende OP-Schwester in einer Praxisklinik tätig. Bis zum 9. November 2017, als sie sich in einem Dampfsterilisator die linke Hand und Teile des Unterarms einklemmte. Sie wurde dabei so schwer verletzt, dass die Hand amputiert werden musste. Für die heute 55-Jährige ein Schock – aber kein Grund, aufzugeben: „Mir war von Anfang an klar, dass ich so normal wie möglich weitermachen will, zu Hause und im Beruf.“

Mehr als zwei Jahre nach ihrem Unfall hat sie das geschafft, arbeitet seit einigen Monaten wieder als OP-Schwester in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Duisburg. Meinecke-Allekotte ist nach ihren Infos europaweit die erste OP-Schwester mit Handprothese – „leicht war dieser Weg aber nicht“, sagt sie. Wochenlang hatten die Ärzte in der Duisburger Klinik, in die sie mit lebensgefährlichen Verletzungen eingeliefert worden war, versucht, die Hand zu retten. Temperaturen von mehr als 120 Grad und ein Druck von neun Bar hatten diese stark gequetscht und verbrannt. Dazu kam, dass Meinecke-Allekotte zum Zeitpunkt des Unfalls alleine in der Praxisklinik war, erst nach 45 Minuten konnte sie mit lauten Schreien einen Patienten auf sich aufmerksam machen, der den Notruf wählte.

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„Ohne medizinische Hilfe überlebt man so ein Unglück normalerweise nur zehn Minuten“, sagt Heinz-Herbert Homann, Chefarzt der Klinik für Handchirurgie am BG-Klinikum. Er behandelte Meinecke-Allekotte, versuchte mit Kollegen unter anderem, aus Gefäßteilen der Beinvene neue Arterien und Venen für die verletzte Hand zu modellieren. Doch Mitte Dezember 2017 stand fest: Es wird nur eine funktionslose Teilhand übrig bleiben. Eine Woche brauchte Meinecke-Allekotte, um sich für eine Amputation zu entscheiden. „Mir war klar geworden, dass es nicht entscheidend ist, warum mich dieses Schicksal getroffen hat“, sagt sie, „sondern was ich daraus mache.“ Das Ziel war klar: zurück in den OP-Saal, zurück in ein normales Leben.

Die 55-Jährige lebt mit Mann und Sohn in Dinslaken. Am Anfang sei der Umgang mit der Situation und ihrer Prothese nicht ganz einfach für die Familie gewesen, sagt sie. „Wir sind dann aber ganz offen damit umgegangen und haben so viel Scheu abgebaut.“ So habe sie beispielsweise die engsten Freunde des damals 13-jährigen Sohnes eingeladen und ihnen genau die Funktion der Handprothese erklärt. „Bei uns hängen eben keine Handys am Stecker, sondern eine Prothese“, sagt sie. Doch auch von vielen Fremden sei sie darauf angesprochen worden, schließlich falle die Prothese allein schon durch ihre tiefschwarze Farbe auf. „Ich werde schon anders wahrgenommen“, sagt sie, „aber ich hab gelernt, offen und direkt damit umzugehen.“

Das habe ihr auch bei der Rückkehr in den Job geholfen, sagt sie. Problemlos verlief diese nämlich nicht, Chefarzt Homann sei aber immer auf ihrer Seite gewesen: „Er hat gesagt, wir probieren es.“ Zudem war die erste Prothese nicht gut geeignet, mit der zweiten musste sie erst sieben Monate lang in einer berufsorientierten Rehabilitationsmaßnahme trainieren. Die Roboterhand, wie Meinecke-Allekotte sie selbst nennt, hat sechs Motoren und 14 verschiedene Griffarten. Rund 36.000 Euro kostet das Modell des Medizintechnikunternehmens Vincent Systems - ohne den Schaft, der sie mit dem Unterarm verbindet. Gezahlt hat das die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. Der Lernprozess war lang, sagt Meinecke-Allekotte: „Ich musste jeden Handgriff neu lernen.“

OP-Handschuhe überziehen zum Beispiel, Instrumente schnell und sicher anreichen – aber auch Geschirr spülen und Schuhe binden. Inzwischen geschehe alles wieder ganz intuitiv, sagt die 55-Jährige, „aber so leicht und so schnell wie früher geht das alles nicht mehr“. In der Klinik für Handchirurgie im BG-Klinikum wird sie deshalb auch nicht bei Notfall-Operationen eingesetzt, sondern vor allem bei Routine-Eingriffen. „Dabei hilft mir auch meine jahrelange Erfahrung“, sagt sie. Negative Kommentare von Patienten hat sie bisher nicht gehört. „Ich werde oft bei ambulanten Operationen eingesetzt, bei denen die Patienten wach sind“, erzählt sie. „Die finden das dann häufig sehr spannend und beobachten meine Robohand ganz genau.“ Auch der Austausch mit Kollegen und Ärzten funktioniere sehr gut.

Sie hat sich aber auch noch andere Betätigungsfelder gesucht. So berät und betreut sie in der Klinik andere von Amputationen betroffene Menschen und begleitet diese vor, bei und nach der Operation. Außerdem bietet sie Fortbildungen zum Prothesen-Training an, zum Beispiel für Ergo- und Physiotherapeuten, und hat für Prothesenträger sogar ein eigenes Trainingsprogramm entworfen. Und ein Buch geschrieben, „ein griffspezifisches Nachschlagewerk“, wie sie sagt. Im Frühjahr soll es erscheinen. Sie ist angekommen im neuen Leben – und sagt: „Ich möchte auch anderen zeigen, was mit Prothese alles möglich ist.“