NRW-Unterrichtskonzept gegen illegale Autorennen „Krass, hat der das überlebt?“

Köln · Mit dem Präventionskonzept „Verantwortung stoppt Vollgas“ will die nordrhein-westfälische Landesregierung an Schulen illegalen Autorennen entgegenwirken. Kölner Schüler zeigten sich von einem völlig zerstörten Unfallwagen zumindest beeindruckt.

Prävention gegen illegale Autorennen an NRW-Schulen
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Prävention gegen illegale Rennen mit Autowrack auf Schulhof

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Foto: dpa/Henning Kaiser

Auf dem Schulhof der Gesamtschule Rodenkirchen im Kölner Süden drängen sich die Schüler am Morgen um einen roten Audi TT, der kaum noch als solcher zu erkennen ist. Der Motorblock ist bis hin zum Lenkrad zusammengequetscht. Sie erfahren von einem Polizeibeamten, dass ein 27-Jähriger das 400 PS starke Auto gefahren und sich ein Rennen mit einem Motorradfahrer geliefert hat. Es kam zum Zusammenstoß mit einem unbeteiligten Opel Ascona. „Krass, hat der das überlebt?“, fragt ein Schüler mit Blick auf den Audi. Der Fahrer hat tatsächlich schwer verletzt überlebt. Aber der Familienvater im Opel ist gestorben, sein kleiner Sohn, der mit im Auto war, überlebte schwer verletzt. „Der Junge kämpft sich immer noch zurück ins Leben“, sagt der Polizist.

Der Unfallwagen soll den Schülerinnen und Schülern veranschaulichen, welche Folgen Rasen und illegale Autorennen haben können. Der demolierte Audi ist Teil des neuen Präventionskonzepts „Verantwortung stoppt Vollgas“ der nordrhein-westfälischen Landesregierung, das in Schulen in NRW eingesetzt werden soll.

Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) und Schulministerin Dorothee Feller (CDU) stellten das Projekt in Köln vor. „Viele von euch machen bald ihren Führerschein“, sagte Reul in der Aula der Schule. „Wer Auto fährt, hat aber nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern auch für viele andere Menschen.“ Zum Unterrichtskonzept gehört ein Rollenspiel, in dem die Schülerinnen und Schüler einen Gerichtsprozess nachstellen und sich etwa in die Rolle des Beschuldigten, des Opfers oder des Richters versetzen sollen. „Sie werden feststellen: Egal, welche Strafe ein Raser bekommt, die Schuld, die er auf sich geladen hat, wird ihn ein Leben lang begleiten“, sagte Schulministerin Feller.

Die Zahl illegaler Kraftfahrzeug-Rennen steigt in NRW kontinuierlich an. Nach Angaben des Innenministeriums stellte die Polizei 2021 mehr als 2000 Verstöße fest. 2020 waren es noch 500 weniger. Die Unfallverursacher bei illegalen Autorennen sind im Schnitt knapp 26 Jahre alt. Die meisten Raserunfälle gibt es bei 18-Jährigen. Reul wies darauf hin, dass in diesem Jahr bereits acht Menschen aufgrund illegaler Autorennen gestorben sind. „Die Straße ist der falsche Ort, um die eigenen Grenzen und die Grenzen eines Autos zu testen“, sagte Reul.

Schulministerin Dorothee Feller (CDU) und Innenminister Herbert Reul (CDU) stehen auf dem Hof der Gesamtschule Rodenkirchen neben einem Autowrack. Das Projekt „Verantwortung stoppt Vollgas“ soll die Folgen illegaler Rennen veranschaulichen.

Schulministerin Dorothee Feller (CDU) und Innenminister Herbert Reul (CDU) stehen auf dem Hof der Gesamtschule Rodenkirchen neben einem Autowrack. Das Projekt „Verantwortung stoppt Vollgas“ soll die Folgen illegaler Rennen veranschaulichen.

Foto: dpa/Henning Kaiser

Das Präventionskonzept kommt zunächst an einigen ausgewählten Schulen und Fahrschulen zum Einsatz – in Köln, Aachen, Duisburg, Recklinghausen und Wuppertal. Ab dem Schuljahr 2023/2024 soll es landesweit etabliert werden.