Hut-Trends 2019 - Pork-Pie-Hütchen, Schlapphut oder Schiebermütze

Schöne Hüte und Kappen für den Sommer : Neues für Hutbürger

Pork-Pie-Hütchen, Schlapphut oder Schiebermütze - die heißen Sommer bringen dem Hutfachhandel viele neue Kunden. Und dass manche Menschen einfach kein Hutgesicht haben, stimmt offenbar nicht. Die schönsten Modelle im Überblick.

Manchmal kommen Kunden in das schicke Hutgeschäft in der Kettengasse in Köln, die hat der Arzt geschickt. Hüte und Mützen schützen vor der Sonne und UV-Strahlung. Mit jedem Sonnenbrand steigt das Risiko für Hautkrebs. „Das war schon im heißen Sommer 2018 so, dass viele Kunden zu uns kamen, die auf Anraten ihres Hautarztes eine Kopfbedeckung wollten“, sagt Leonard Kuhnen.

Der 37-Jährige ist Store Manager bei „Diefenthal 1905“, einem Hutgeschäft in der Kölner Innenstadt. Den Laden gibt es seit zwei Jahren, die eigene Hutmanufaktur schon seit 114. Es sind nicht nur Herren mit Glatze, die heutzutage einen Hut als Sonnenschutz kaufen. Immer häufiger kommen auch junge Frauen und Männer in den Laden, die unglücklich mit ihren billig erworbenen Hüten sind und nun mal „einen vernünftigen Hut haben wollen“, wie Kuhnen sagt. Von Größe 55 bis 62 hat er alles da, vom eleganten Panama-Hut über Schieberkappen bis zum Pillbox-Hut für Jackie-Kennedy-Fans und dem Pork-Pie-Hütchen, das an die Form einer britischen Fleischpastete erinnert. „Heute werden Hüte ja nicht mehr getragen, um einen Stand zu repräsentieren, sondern als modisches Accessoire“, sagt Kuhnen.

Der Jahrhundertsommer 2018 hat dem Hutfacheinzelhandel ein Umsatzplus von 1,4 Prozent eingebracht. Dieses Jahr könnte es noch besser laufen: „Das erste Halbjahr zeigt ein klares Plus zu 2018“, sagt Kirsten Reinhardt von der Gemeinschaft Deutscher Hutfachgeschäfte (GDH). Es sind vor allem Kopfbedeckungen für Männer, die die Händler verkaufen, sie sind mit fast 60 Prozent die stärkste Warengruppe – allerdings kaufen auch Frauen häufig klassische Männerhüte oder Kappen. „Umgekehrt kauft ein Mann aber nie einen Damenhut“, sagt Diefenthal-Geschäftsführer Kuhlen. Männer sind laut Kirsten Reinhardt aber bereit, mehr Geld für ihre Kopfbedeckungen auszugeben, durchschnittlich rund 70 Euro. „Frauen gehen dafür lieber häufiger shoppen“, sagt die 56-Jährige.

Besonders beliebt bei Frauen sind – angeregt auch durch die Serie „Babylon Berlin – in diesem Sommer Glockenhüte. Der schmale Rand kann entweder tief ins Gesicht gezogen oder hochgeklappt werden. Der Hut, der an einen Kirchenturm oder eine Blüte erinnert, war vor allem in den 1920er Jahren groß in Mode und passte damals hervorragend zum Bob-Haarschnitt.

Leonard Kuhnen, Store Manager im Kölner Hutgeschäft „Diefenthal 1905“. Foto: RPO/Claudia Hauser

Frauen tragen in diesem Sommer auch gerne Schlapphüte. Je größer die Krempe ist, desto eleganter sehen die Strohhüte aus – der Schatten, den der Hut auf das Gesicht seiner Trägerin wirft, ist definitiv groß genug, um sie vor zu viel Sonne zu schützen. Für den Spaziergang am Strand sicher ein Hingucker, im Koffer nimmt der Hut allerdings ziemlich viel Platz weg.

Der Boater-Hut steht sowohl Männern als auch Frauen. Die kastige Form und das breite, meist schwarze Band sehen sehr elegant aus, die Hüte waren im Frühjahr auch bei den Fashion Weeks auf vielen Laufstegen zu sehen.

Leonard Kuhnen hört immer wieder von Kunden: „Ich habe einfach kein Hutgesicht.“ Fast immer kann er ihnen das Gegenteil beweisen. „Eigentlich hat jeder ein Hutgesicht, man muss nur den passenden Hut finden“, sagt er. Es seien vielleicht drei von 100 Kunden, denen kein Hut stehe. Die würden dann aber oft mit einer Kappe glücklich. Ein Klassiker ist die „Newsboy“-Cap, die auch „Baker Boy“ oder „Poor Boy Cap“ genannt wird, und von Zeitungsjungen Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa und Nordamerika getragen wurde. In den oberen Schichten wurde die lässige Kappe mit dem festen Schirm später vor allem als Sportbekleidung getragen.

Vielen Männern steht aber auch der Homburger Hut, den auch Konrad Adenauer und Willy Brandt gern getragen haben. Er wurde in Bad Homburg entwickelt und hat oben eine lange Delle. Oft ist er verziert mit einem Ripsband oder einer Feder.

Ein Klassiker im Sommer ist der Panama-Hut, ein handgeflochtener Strohhut aus Ecuador. Die wertvollste Variante ist aus feinem Toquila-Stroh, die Unesco hat die Webkunst des Hutflechtens aus diesen Fasern vor sieben Jahren als „immaterielles Kulturerbe“ gewürdigt.

Wer einmal einen Hut gekauft hat, kommt meist wieder und kauft sich einen zweiten oder einen dritten, wie Leonard Kuhnen sagt. Im Journal „Er – Die Zeitschrift für den Herrn“ stand schon 1950: „Ein flott aufgesetzter Hut ist nicht selten ausschlaggebend für die Gesamterscheinung.“ Hutträger wissen das. Und Kuhnen sagt: „Wenn man seinen Hut vernünftig behandelt, hält der ein Leben lang.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Pillbox-Hütchen, Schlapphut und Schiebermütze - das sind die Trends

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