Hückeswagen: Frau rettet Rehkitz vor Mähdrescher - Facebook-Foto geht viral

Virales Foto aus Hückeswagen : Darum legte eine Frau einen Wäschekorb über ein Rehkitz

Ein junges Reh, eingesperrt unter einem Wäschekorb und einem Ast, hat für Aufsehen gesorgt. Ist das ein Beitrag zum Artenschutz? Ein Wildtierexperte erklärt den Hintergrund des Vorfalls in Hückeswagen.

Ein Foto macht derzeit in den sozialen Medien die Runde: Zu sehen ist ein Rehkitz unter einem umgedrehten Wäschekorb, darauf liegt ein schwerer Ast. Gemacht hat das Foto Melina Jörgens auf einer Wiese in Hückeswagen. „Damit die Kitze im hohen Gras nicht vom Mähdrescher verletzt oder überfahren werden, habe ich mit meinem Lebensgefährten die Wiese abgesucht“, erzählt die Heilpraktikerin aus Wuppertal. Dort fanden sie ein junges Tier. „Es war ganz ruhig und hat nicht versucht wegzulaufen“, berichtet sie.

Mit Handschuhen und einem Büschel Gras – damit das Tierkind nicht den Geruch des Menschen annimmt, weil es ansonsten von der Mutter verstoßen wird – trug Melina Jörgens das gefundene Rehkitz an den Rand des Feldes, wo sie einen Wäschekorb und einen Stock darauf legte. Als die Wiese fertig gemäht war, nahm ein Bekannter den Korb ab, „und die Ricke lief wenig später zum Rehkitz“, erzählt die Wuppertalerin.

Ihr Partner ist Hobby-Jäger und hat ein Revier in Hückeswagen. „Die Bauern haben ihn vorgewarnt, dass sie die Wiese mähen werden“, erzählt sie. „So konnte ich bei unserem Spaziergang ein Leben retten.“ In ihrem Facebook-Beitrag richtet sie einen Appell an Spaziergänger und Wanderer: „Wer dieser Tage am Rande einer Wiese einen umgedrehten Wäschekorb mit einem Kitz drin sieht, bitte nicht nähern oder gar ‚befreien‘.“ In der Vergangenheit sei es vorgekommen, dass die Tiere befreit und anschließend vom Mähdrescher erfasst worden seien. „Das war zwar gut gemeint, aber das Rehkitz wird zum eigenen Schutz dort deponiert, bis die Wiese gemäht ist“, erläutert Melina Jörgens. Ihr Beitrag wurde schon mehr als 23.000 Mal auf Facebook geteilt. In den Kommentaren loben viele die Rettungsaktion und bedanken sich für die Information. „Mähen ist sowas von unwichtig, das kann doch warten“, schreibt etwa eine Userin.

Dass die Jäger in Hückeswagen vor der Mahd informiert wurden, sei längst nicht alltäglich, sagt Andreas Kinser, stellvertretender Leiter Natur- und Artenschutz bei der Deutschen Wildtier-Stiftung. „Dabei lassen sich Rehkitze auf diese Weise so einfach schützen. Jäger laufen dann über die Wiese und hängen Plastiktüten an Stöcken auf.“ Das reiche bereits aus, um Rehe und ihre Jungen fernzuhalten. Landwirte seien außerdem rechtlich dazu verpflichtet, Tiere vor dem Mähtod zu bewahren. Denn neben Rehen sind laut Kinser auch zahlreiche Wiesenbrüter, wie etwa Rebhühner oder Kiebitze, in NRW durch Mähdrescher gefährdet. Diese Tiere seien ohnehin vom Aussterben bedroht.

„Den größten Beitrag zum Tierschutz können allerdings die Landwirte leisten, indem sie einen späten Schnitt machen“, sagt der Wildtierexperte. „Dieser wird meist Anfang Mai gemacht, wenn die Rehkitze noch jung sind. Ein später Schnitt Mitte Juni oder Anfang Juli würde das tote Wild deutlich reduzieren.“ Dann seien die meisten Rehkitze groß genug, um vor den Mähmaschinen zu flüchten.

Im Trend liegen Kinser zufolge zunehmend Drohnen mit Wärmebildkameras. Diese werden über die Wiese gesteuert, um Kitze zu identifizieren. Zudem gibt es diverse technische Möglichkeiten, darunter elektronische Warngeräte für Rehe wie den Wildretter.