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Homeschooling in NRW: Schüler beklagen „Moodle“-Störung

Unterricht zu Hause in NRW : Schüler beklagen Störungen auf Lernplattformen

Der Schulunterricht wird wieder weitgehend ins Netz verlegt. Für die digitalen Lernplattformen ist das eine gewaltige Herausforderung. Das NRW-Programm Logineo laufe stabil, hieß es aus dem Schulministerium. Bei anderen Diensten gab es aber Probleme.

Der Schulstart nach den verlängerten Weihnachtsferien hat für die meisten Schüler in Nordrhein-Westfalen vor dem Computer begonnen. Mancherorts verlief der erste Unterrichtstag offenbar holprig, denn zahlreiche Schüler und Eltern beschwerten sich am Montag in den sozialen Medien über instabile oder überlastete Lernplattformen. Andere Nutzer berichteten aber auch über gute Erfahrungen mit dem Start des Digitalunterrichts. Viele Schüler müssen unterdessen noch auf digitale Endgeräte warten, weil es Lieferprobleme gibt.

NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte im Schulausschuss des Landtags, dass zunächst keine entsprechenden Probleme beim Moodle-basierten System Logineo des Landes bekannt geworden seien. Die vorliegenden Daten wiesen auf einen stabilen Betrieb hin, hieß es aus dem Ministerium. Die Anzahl der angemeldeten Schulen sei zu Wochenbeginn nochmals deutlich angestiegen. Grundlegende technische Probleme seien aktuell jedoch nicht bekannt. Bei der hohen Anzahl angemeldeter Schulen könnten Probleme in Einzelfällen aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Auf der NRW-Lernplattform Logineo können Lehrer Texte, Videos und andere Unterrichtsmaterialien online bereitstellen. Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten die Aufgaben und laden ihre Ergebnisse hoch. Logineo NRW LMS nutze Server mit hohen Kapazitäten, heißt es auf der Internetseite des NRW-Schulministeriums. Deshalb sei die digitale Plattform „selbst zu Spitzenzeiten“ zuverlässig und schnell für den Unterricht verfügbar. Mittlerweile sind nach Ministeriumsangaben bei Logineo NRW LMS 2230 Schulen angemeldet.

Die Schulen in NRW nutzen verschiedene Lernplattformen. Moodle-Systeme werden für viele NRW-Schulen vom Kommunalen Rechenzentrum Niederrhein bereitgestellt. Dort war die Nutzung höher als in der letzten Woche vor den Weihnachtsferien, wie ein Sprecher mitteilte. „Infolge der starken Auslastung ist es bei einigen Moodle-Diensten zu erhöhten Wartezeiten gekommen.“ Um die Mittagszeit hätten zudem einige Nutzer Fehler und auch Verbindungsabbrüche gemeldet. Seit dem frühen Nachmittag seien die Systeme wieder besser erreichbar. Es werde mit Hochdruck an Lösungen und Verbesserungen gearbeitet.

Probleme gab es bei der Lernplattform IServ, die von rund 4500 Schulen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg genutzt wird. Die Serverkapazität sei zwar angesichts des erwarteten Andrangs von Klassen, die den Unterricht per Videokonferenz abhalten wollten, verdoppelt worden, sagte der Geschäftsführer des Bildungsservers, Jörg Ludwig, der Deutschen Presse-Agentur. Wegen einer fehlerhaften Einstellung sei es am Montagmorgen aber zunächst nicht möglich gewesen, Videokonferenzen zu starten. Die Panne sei am Mittag behoben worden.

Die NRW-Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Maike Finnern, rechnet auch weiterhin mit Problemen beim Zugang zu den Lernplattformen. „Das ist ein Problem und wird auch in den nächsten drei Wochen nicht vollständig behoben werden können.“

Viele Kommunen berichteten unterdessen von Lieferengpässen bei der Anschaffung von digitalen Endgeräten. „Deshalb können nicht alle Bestellungen zügig abgewickelt werden und es kommt zu längeren Wartezeiten, teilweise über mehrere Wochen bei der Auslieferung der Geräte an die Schulen“, sagte der Geschäftsführer des Städtetags NRW, Helmut Dedy.

Viele Schulen haben aber nicht die Mitarbeiter, um die Geräte einsatzfähig zu machen. „Es ist weder geklärt, wer für die Administration der IT-Netze verantwortlich ist, noch wer die Geräte wartet und womit sie auszustatten sind„, kritisierte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds NRW, Christof Sommer. Hier stehe das Land in der Verantwortung.

GEW-Landeschefin Finnern betonte, die Auslieferung an die Schulen sei nicht das einzige Problem. Es habe vielerorts die Zeit gefehlt, ihren Einsatz zu trainieren. „Ein Gerät zu haben, heißt noch lange nicht, dass es auf beiden Seiten gut funktioniert.“ Während an Gymnasien und berufsbildenden Schulen die Voraussetzungen für den Distanzunterricht gut seien, sehe es an Grund- und Hauptschulen schlechter aus.

(dtm/top/dpa)