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Höxter-Prozess: Geliebte beschreibt Wilfried W. als liebevoll

Mordprozess von Höxter : "Ich hab mich in seinen Armen wohl gefühlt"

Im Mordprozess um die Taten in Höxter haben zwei Ex-Freundinnen des Angeklagten ausgesagt. Sie beschreiben ihre Beziehung zu Wilfried W. als normal und liebevoll – beide beendeten das Verhältnis allerdings, weil Angelika W. stets Thema war.

Im Mordprozess um die Taten in Höxter haben zwei Ex-Freundinnen des Angeklagten ausgesagt. Sie beschreiben ihre Beziehung zu Wilfried W. als normal und liebevoll — beide beendeten das Verhältnis allerdings, weil Angelika W. stets Thema war.

Regina K. (Name geändert) kann nichts Schlechtes über Wilfried W. sagen. Ob sie sich irgendwann einmal von ihm bedroht gefühlt habe, will der Vorsitzende Richter wissen; der psychiatrische Gutachter fragt, ob der Sex irgendwie auffällig war. Immer wieder schüttelt die Zeugin mit dem Kopf. "Nein", sagt sie. "Dass ich mich bedroht gefühlt habe, kann ich nicht sagen." Und Wilfried W. sei liebevoll gewesen. "Ich hab mich in seinen Armen wohl gefühlt."

An Tag 16 im Prozess gegen Wilfried W. und Angelika W. sagen am Dienstag zwei Frauen aus, die mit dem Angeklagten liiert waren. Der 47-Jährige und seine Ex-Frau (48) müssen sich wegen zweifachen Mordes durch Unterlassen verantworten, die Staatsanwaltschaft wirft den beiden außerdem 30 Fälle von Körperverletzung vor. Sie sollen mindestens sechs Frauen schwer misshandelt haben, zwei weitere Frauen starben. Im Prozess beschuldigen sie sich gegenseitig.

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Freundin berichtet von Stress mit Angelika W.

Regina K. ist verwitwet und 66 Jahre alt, der Altersunterschied sei aber nie ein Problem gewesen in der Beziehung zu Wilfried W. Er hatte sich auf eine Annonce gemeldet, die sie aufgegeben hatte. "Er hat mir manchmal sehr leid getan", sagt die Zeugin, der anzumerken ist, dass sie eigentlich nicht über die ganze Sache reden möchte. Nervös spielt sie mit ihren Fingern, oft beantwortet sie die Fragen der Kammer nur zögerlich. "Ich hatte das alles schon gestrichen in meinem Kopf", sagt sie. Leid getan habe W. ihr, weil er ständig Stress mit Angelika W. gehabt habe, von der sie glaubte, sie sei Wilfrieds Schwester. "Sie war für mich ein rotes Tuch." Auch wenn sie keinen Kontakt zu Angelika gehabt habe, "die war immer irgendwie dazwischen". Regina K. hat nie verstanden, warum ihr Freund seine "Schwester" nicht rausgeschmissen habe, da es ständig Streit gab. "Er meinte, das könne er nicht, weil sie ja keiner wolle." Im Nachhinein denke sie, dass er von Angelika W. abhängig war.

Regina K. lernte W. Anfang 2015 kennen, beendete die Beziehung aber nach ein paar Monaten, weil sie nicht damit klar kam, wie W. lebte. Er habe nicht gearbeitet, sei erst mittags aufgestanden. "Das war nicht mein Ding, dafür war ich zu alt." Auf dem Hof in Höxter-Bosseborn war sie nie. Als Regina K. und Wilfried W. ein Paar waren und sich immer in Regina K.s Wohnung trafen, war Anika W. — das erste Opfer — bereits tot. Angelika W. hatte im Prozess ausgesagt, dass sie die Leiche der 33-Jährigen nach deren Tod im August 2013 auf dem Hof zerstückelt und verbrannt hat.

Misshandlungen auf Zettel aufgelistet

Auch die Friseurin Melanie P. (Name geändert) war mal vier Monate mit dem Angeklagten zusammen, im März 2016 war Schluss. "Ich hab mich nicht mehr gemeldet, er sich auch nicht mehr", sagt die 61-Jährige. Auch sie war genervt davon, dass Angelika ständig Thema war. "Das war mir zu blöd". Sie habe W. 3500 Euro geliehen, das Geld aber nie wieder gesehen. Während dieser kurzen Beziehung lebte Susanne F. schon auf dem Hof. Die 41-Jährige starb im April 2016.

Am Nachmittag tritt eine Frau in den Zeugenstand, die sich eine Woche lang eine Zelle mit Angelika W. in der Untersuchungshaft geteilt hat. Angelika W. habe entspannt gewirkt, "irgendwie erleichtert", sagt die 41-Jährige. "Sie sagte, das sei fast wie im Urlaub für sie." Zu Hause habe es immer Stress gegeben. Über die Taten habe man nicht gesprochen. Angelika W. habe sich viel über ihren Ex-Mann beschwert, ihn aber auch immer wieder in Schutz genommen. Als Angelika W. einmal wegen einer Vernehmung weg war, habe sie einen Blick auf die Zettel geworfen, die auf ihrem Tisch lagen. "Da waren alle möglichen Misshandlungen aufgelistet", sagt die Zeugin. Sie sei schockiert gewesen. "Da wollte ich wissen, mit wem ich es zu tun habe und habe in ihre Akte geguckt."

Darüber geredet habe sie mit ihrer Zellengenossin nicht mehr, da die nach der Vernehmung verlegt worden sei. Im Laufe der Woche habe sie sich aber eigentlich gut mit Angelika W. verstanden. "Einmal habe ich ihr gesagt: Es wird sicher alles gut und du bist bald draußen." Angelika W. habe gesagt: "Ich komme ganz bestimmt nicht mehr raus. Vielleicht gar nicht mehr."

Der Prozess wird am 25. April fortgesetzt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Wilfried W. sagt im Höxter-Prozess aus

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