Hochzeitsgesellschaft blockierte die A3: Schluss mit dem asozialen Machogehabe

Hochzeitsgesellschaft blockierte die A3 : Schluss mit dem asozialen Machogehabe

Die Hochzeitsgesellschaft, die auf der A3 stoppte und Fotos machte, wirft Fragen auf. Das Verhalten ist schlicht nicht zu dulden. Die Polizei muss dagegen mit aller Härte vorgehen.

Oft ist es nur südländische Fröhlichkeit, wenn ein Autokorso mit türkischen Flaggen hupend durch die Straßen fährt, um ein Brautpaar zu feiern. Da sollte man tolerant sein, sich mitfreuen oder die Ausgelassenheit unter Vielfalt der Kulturen buchen. Es kommt ja auch vor, dass deutsche Hochzeitsgesellschaften mit Autohupen und Korso ihrer Freude über das Ereignis Ausdruck verleihen.

Bei schwerwiegenden und gefährlichen Eingriffen in den Straßenverkehr, bei absichtlicher Störung der Feiertagsruhe oder dem Gebrauch von Schusswaffen hört aber der Spaß aus. Völlig zu Recht reagierte die Autobahnpolizei auf der A3 mit Entsetzen, als eine türkische Hochzeitsgesellschaft mit Luxusautos und quietschenden Reifen mitten auf der Fahrbahn ein Fotoshooting zelebrierte. Jetzt stehen Ermittlungen an, für manche der Beteiligten kann das vor Gericht enden.

Hier mehr über den Vorfall auf der A3 bei Ratingen nachlesen

Der unglaubliche Vorgang hat nichts mehr mit türkischer Folklore zu tun, sondern ist schlicht asoziales Machogehabe, um sich den letzten Kick zu verschaffen. Eine wirklich fröhliche Hochzeitsgesellschaft kann auf solche Mätzchen verzichten. Denn sie beruhen keinesfalls auf irgendeiner türkischen Tradition. Schüsse oder die Sperrung von Autobahnen wären in der Türkei ganz große Ausnahmen, erklärt Sevgi Sevim Cikrikci, Professorin am Institut für Turkistik an der Universität Duisburg-Essen: "Diese Sitte kommt lediglich auf Hochzeiten in manchen Bezirken vor, zum Beispiel in Dörfern im Osten der Türkei." In Großstädten wie Ankara oder Istanbul habe die Hochschullehrerin, die sich mit den Sitten und Gebräuchen in der Türkei sehr gut auskennt, so etwas noch bei keiner Hochzeitsgesellschaft erlebt.

In Deutschland kommt so etwas leider immer öfter vor - wie einige Beispiele aus jüngerer Zeit beweisen.

  • Am 25. Dezember 2016, ausgerechnet an Weihnachten, feierte eine türkische Hochzeitsgesellschaft im Berliner Viertel von Monheim mit Böllern, Raketen und Dauerbeschallung um die Mittagszeit ihr Brautpaar, bevor es mit einem ohrenbetäubenden Hupkonzert in Richtung Innenstadt weiterging
  • Am 18. September 2017 schossen Teilnehmer eines mehr als 33 Autos umfassenden türkischen Hochzeitkorsos mit Schreckschusswaffen in die Luft, bevor die Polizei eingriff. Wenigstens hatten sich da die Gemüter schon etwas abgekühlt. Die meisten Gäste, so die Polizei, verhielten sich „weitestgehend kooperativ und einsichtig“.
  • Am 22. Oktober 2017 lösten „Freudenschüsse“ bei einer türkischen Hochzeitsgesellschaft in der Bonner Innenstadt einen Polizeigroßeinsatz aus. Für einen den Gäste endete die Hochzeitsfeier vorzeitig. Bei der Kontrolle stellte sich heraus, dass er mit Haftbefehl gesucht wurde.
  • Am 11. Februar 2019 schossen Teilnehmer einer türkischen Hochzeitsfeier aus fahrenden Autos – ebenfalls auf der A3, allerdings auf Höhe der unterfränkischen Ortschaft Hösbach im Landkreis Aschaffenburg. Die Polizei musste mit mehreren Streifen eingreifen, um die zunächst uneinsichtige Gesellschaft – inklusive Brautpaar - zu stoppen.
  • Am 25. Februar 2019 erschreckten Gäste einer türkischen Hochzeitsgesellschaft in Oberhausen Anwohner mit Schüssen aus Schreckschusspistolen. Keiner der drei Waffenbesitzer, die von der Polizei gestellt wurden, hatte den notwendigen Waffenschein. Jetzt prüfen die Behörden, ob die Schützen ihren Führerschein verlieren sollen.

Um es klar zu sagen. Auch unter türkischstämmigen Migranten sind solche Exzesse eher die Ausnahme. Die meisten türkischen Hochzeitsgesellschaften feiern ausgelassen, aber im Rahmen der Gesetze und unter gegenseitiger Rücksichtnahme.

Bei den Ausnahmen, die leider immer häufiger werden, sollte die Polizei den Machos solcher Veranstaltungen (denn es geht wie im Fall der A3 meist um Luxusautos, Waffen und riskante Fahrmanöver) den Spaß verderben. Am besten mit minutiösen Kontrollen, stundenlangen Wartezeiten, Beschlagnahmung von Autos, deren Herkunft nicht klar ist und was es sonst noch so an Polizeimaßnahmen gibt. Wenn eine solche Hochzeitsgesellschaft für mehrere Stunden unterbrochen wird, verlieren auch so manche Asoziale die Lust an der Provokation. Vor allem, wenn sie im Nachhinein sehr teuer kommt wegen aller möglichen Strafbefehle.

Ist das nicht möglich, sollte die Polizei die gefährlichen Eingriffe in den Straßenverkehr mit Härte und Augenmaß ahnden. Hohe Bußgelder, Entzug des Führerscheins und Einträge ins Vorstrafenregister sind hier wirkungsvolle Instrumente, um manche der „Feierbiester“ zur Räson zu bringen. Es handelt sich jedenfalls nicht um Dumme-Jungen-Streiche.

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