Hochwasser: Rudern auf dem Rhein ist nicht ungefährlich

Rheinland: Experten warnen vor Rudern im Hochwasser

Die Verlockung ist groß: Das Hochwasser im Rheinland bereitet Ruderern die nicht alltägliche Möglichkeit, ihren Sport auf neuen Strecken auszuüben. Vor allem das Treibgut ist aber für Mensch und Boot gefährlich.

Einige Mitglieder des Uerdinger Ruderclub ließen es sich am Sonntag nicht nehmen, bei einem Pegelstand des Rheins von 9,15 Metern ihre Boote fertigzumachen und in Krefeld aufs Wasser zu gehen. Auch wenn der Fluss derzeit wegen des Hochwassers so breit wie nur in Ausnahmefällen ist, hatten sie nicht immer freie Fahrt. Weil der Berufsschiffsverkehr flussabwärts bei Köln eingestellt war und noch immer ist, suchten viele Frachter einen Anlegeplatz an der Kaimauer. Doch die vielen Schiffe waren nicht die einzigen Hindernisse, die die Ruderer umkurven mussten. Die viel größere Gefahr für die Athleten ging vom Treibgut aus.

"Das Treibgut ist das größte Problem", sagt Dieter Norrenberg. Der Altmeister vom Ruder- und Tennis-Klub Germania Köln, der alleine 641 Siege für seinen Verein einfuhr, warnt davor, derzeit auf dem Rhein zu rudern. "Anders als die Paddler sitzen wir mit dem Rücken zur Fahrtrichtung und sehen nicht, was sich vor uns im Wasser befindet. Wenn zum Beispiel ein Baumstamm gegen das Boot prallt, das heutzutage meistens aus Kohlefaser besteht, kann der Schaden nicht nur teuer, sondern auch gefährlich werden", sagt Norrenberg.

Damit das Rudern nicht zu einem Wagnis wird, tritt bei der Germania ab einem Pegelstand von 8,30 Metern in Köln eine hausinterne Rudersperre in Kraft. "Es ist natürlich etwas Besonderes, bei Hochwasser in Gelände zu kommen, die man normalerweise nicht erreicht. Aber das ist auch gefährlich, weil man nie weiß, was sich unter dem Boot befindet", sagt Norrenberg. Zum Beispiel seien die Kilometersteine am Ufer alle unter der Wasseroberfläche und so gut sei die Orientierung auch nicht, dass man wüsste, wo sie sich genau befänden.

Beim Ruderclub Germania Düsseldorf 1904 darf beim aktuellen Wasserpegel noch gerudert werden. Vorstandsmitglied Jörg Kreuels empfiehlt aber, bei Hochwasser Rettungswesten zu tragen, um für den Notfall gerüstet zu sein. "Es macht einfach großen Spaß, bei Hochwasser über den Rheinwiesen zu fahren. Dafür muss man aber sein Revier auch gut kennen und wissen, wo unter den Booten zum Beispiel die Zäune auf den Weiden stehen", sagt Kreuels.

Für Axel Eimers, Vorsitzender der Ruder- und Tennisgesellschaft (RTG) Wesel, ist es wegen der großen Gefahr vollkommen unverständlich, derzeit auf dem Rhein aktiv zu sein. "Man sieht die Hindernisse nicht. Es kann ganz schnell passieren, dass das Boot beschädigt wird und es dann voll schlägt. Wenn man nur 20 oder 30 Meter bis zum Ufer schwimmen muss, ist es bei denn aktuellen Wassertemperaturen von ungefähr fünf Grad und der viel stärkeren Strömung bei Hochwasser eine immense Belastung für den Körper", sagt Eimers, der einmal selbst in einer solchen Gefahrensituation war: "Das möchte ich nicht noch einmal erleben. Man bekommt einen Kälteschock und der Druck auf die Lunge wird so groß, dass man kaum noch Luft bekommt. Bei uns schlug das Boot damals aber nicht bei Hochwasser voll", berichtet der RTG-Vorsitzende.

Dem Uerdinger Ruderclub sind all diese Gefahren natürlich auch bekannt. Der Vorsitzende Andreas Birmes, der bei dem Ausflug der Vereinskollegen am Sonntag nicht mit an Bord war, findet jedoch, dass sich das Risiko in Grenzen hält: "Bei Fahrten auf dem Rhein muss man generell vorsichtig sein. Allein deshalb, weil die Berufsschifffahrt immer Vorfahrt und Vorrang hat. Wir fahren daher auch immer außerhalb der Schifffahrtslinie. Aber eigentlich ist das Hochwasser fürs Rudern kein Problem." Birmes erklärt, dass die Boote alle Schwimmkörper hätten und somit nicht sinken würden. Außerdem würde der Steuermann an Bord Treibgut rechtzeitig sehen und dementsprechend reagieren. "Und wenn man alleine unterwegs ist, dreht man sich halt nach fünf Schlägen einmal kurz um. Wir versuchen immer, die Risiken zu minimieren."

(gaa)