Hochwasser kommt nach NRW Erste Campingplätze müssen geräumt werden – „Totalausfall“

Update | Düsseldorf/Wesel · Das Hochwasser kommt auch nach NRW. Erste Campingplätze kämpfen mit steigenden Pegeln und mussten ihren Betrieb erst mal einstellen. Am nördlichen Niederrhein läuft eine Teilevakuierung.

Grav Insel Wesel: Campingplatz wird wegen Hochwasser teilweise geräumt - Fotos
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Hochwasser droht - Teilräumung auf Deutschlands größtem Campingplatz

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Foto: Christoph Reichwein (crei)/Christoph Reichwein (CREI)

In Süddeutschland kämpfen die Menschen wegen des Hochwassers um ihr Hab und Gut und auch um ihr Leben. Erste Todesopfer wurden bereits geborgen. Nun kommt das Wasser auch nach NRW. Auch wenn kein Starkregen fällt, steigen die Pegelstände an Rhein, Ruhr und Co. Katastrophenzustände wie in Bayern oder Baden-Württemberg wird es aber nicht geben.

Das betrifft aktuell auch einige Campingplätze, die teilweise oder komplett räumen müssen. Betroffen ist zum Beispiel der größte Campingplatz Deutschlands in Wesel: die Grav-Insel. Auf 2,1 Millionen Quadratmetern gibt es 2000 feste Stell- und 400 Tagesplätze. Diese 400 Tagesplätze müssen an diesem Dienstag bis 20 Uhr abgebaut werden. Grund ist, dass der Campingplatz auf einer Insel im Rhein liegt. Deshalb kommt es hier bei Hochwasserlagen immer mal zu Teilüberschwemmungen.

Auf der Homepage heißt es: „Aufgrund der anhaltenden Regenfälle und der steigenden Wasserstände in den umliegenden Flüssen und Gewässern, müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass der Tagesplatz aufgrund von Hochwasser geräumt werden muss.“ Die Sicherheit habe oberste Priorität.

Fotos: Hochwasser in Süddeutschland – Retter im Einsatz​
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Hochwasser in Süddeutschland – Retter im Einsatz

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Foto: dpa/Armin Weigel

„Wir rechnen damit, dass am Mittwochvormittag der Scheitelpunkt mit 7,90 bis 8 Metern bei uns erreicht ist“, sagt Grav-Insel-Chef Frank Seibt. Zum Zeitpunkt des Gesprächs mit unserer Redaktion liegt der Pegel bei 6,63 Meter. Tendenz steigend. Keine 24 Stunden später dürfte also der komplette Bereich der Tagesstellplätze unter Wasser stehen. So schon am Pfingstsonntag. „Das ist kein Hochwasser, das ist nur ein Hochwässerchen. Vor allem im Vergleich zu dem, was sich da gerade in Bayern und Baden-Württemberg abspielt“, sagt Seibt, der seine Gäste immer drei bis vier Tage vor dem Hochwasser über die notwendige Evakuierung informiert.

Gut 200 der insgesamt 400 Camper waren mit ihren Wohnwagen bereits am Montag nach Hause gefahren. Alle anderen Wohnwagen wurden im Laufe des Dienstags von zwei Traktoren in Bereiche gebracht, die Hochwassersicher sind. Frank Seibt geht davon aus, dass alle Camper spätestens am zweiten Juni-Wochenende auf den Tagesstellplatz zurückkehren können, wenn dieser getrocknet ist. Denn laut Wetterbericht dürfte es in den kommenden Tagen am Niederrhein überhaupt nicht mehr regnen.

Trotz der Räumungsaktion war die Stimmung unter den Campern gut. Einer von ihnen ist Frank Rixen aus Krefeld, der mit seiner Frau von Anfang April bis Ende Oktober praktisch jedes Wochenende auf der Grav-Insel verbringt – und das bereits seit vier Jahren. Der Berufskraftfahrer hat am Dienstag extra Sonderurlaub genommen, um das Vorzelt abzubauen, Tisch, Stühle und Kühlschrank nach Krefeld zu fahren. Ein Traktor hat seinen Wohnwagen an einen sicheren Ort gezogen. Jetzt sitzt er bei einer Tasse Kaffee bei Camping-Nachbar Jörg Kuchta, dessen Wohnwagen auf einer kleinen Anhöhe steht und dem prognostizierten Hochwasser entspannt entgegensieht. „Das schöne ist hier, dass wir uns alle gegenseitig helfen“, sagt Frank Rixen. Er hat Jörg Kuchta geholfen, den Wohnwagen dessen Tochter für den Abtransport fertig zu machen. Und Kutcha, der normalerweise in Kamp-Lintfort wohnt, stand dem 57-jährigen Krefeld beim Abbau des Vorzeltes mit Rat und Tat zur Seite.

Auch in Rheinbreitbach bei Bad Honnef steht das Wasser. Der Campingplatz und Biergarten „Auf dem Salmenfang“ muss bereits das zweite Mal geräumt werden. Pächterin Daniela Klein sagt gegenüber unserer Redaktion: „Es ist ein Totalausfall zu 100 Prozent. Wir verdienen aktuell nichts.“

Am 1. Mai ist der Campingplatz in die Saison gestartet. Der Regen über Pfingsten zwang zur ersten Räumung. An Fronleichnam durften die Gäste wieder zurückkommen. „Zum 1. Juni mussten wir wieder alles räumen lassen. Die Wiese ist komplett durchnässt. Diesmal wird es wohl zwei bis drei Wochen dauern.“ Das Schlimme: Nach jedem Hochwasser müssen alle Einrichtungen komplett abgebaut, gereinigt und wieder aufgebaut werden.

Sobald sich das Wasser zurückgezogen hat, gehen die Arbeiten los. Doch davon ist noch längst nichts in Sicht. Am Mittwoch soll erst mal der Höchststand vor Ort erreicht werden.

Wie sich das Hochwasser in Süddeutschland außerdem auf die Lage in NRW auswirkt, lesen Sie hier. 

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