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Hochwasser in Region Aachen: Einsatzkräfte kommen vielerorts nicht mehr durch

Hochwasser bei Aachen : Innenstädte geflutet, Einsatzkräfte kommen vielerorts nicht mehr durch

Die Nacht hat noch mehr Regen und Wasser gebracht. In Eschweiler und Stolberg bei Aachen ist die Lage „höchstdramatisch“. Menschen sind in ihren Häusern eingesperrt, Rettungskräfte können vielerorts nicht mehr helfen.

Für die meisten Bewohner in Eschweiler und Stolberg hat es am Donnerstagmorgen ein böses Erwachen gegeben. Bei Anbruch des Tages wird das Ausmaß der verheerenden Überschwemmungen sichtbar. Die komplette Innenstadt in Eschweiler ist überflutet. Teile der Bewohner können ihre Häuser nicht verlassen, sie haben sich in nächtlichen Aktionen auf höhere Etagen gerettet.

In Ladenlokalen in der Fußgängerzone sind Scheiben zerbrochen, das Wasser bahnt sich unaufhörlich weiter seinen Weg durch die Straßen. Der Pegel der Inde liegt aktuell bei 3,70 Meter. Die Städteregion Aachen hat für Eschweiler – wie auch für Stolberg – den Katastrophenfall ausgerufen und die Koordination übernommen. Das Bürgertelefon und die 112 sind überlastet, in weiten Teilen der Eschweiler Innenstadt gibt es keinen Strom und wird es voraussichtlich auch tagelang nicht geben.

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„Die Lage ist höchstdramatisch“, sagt Pressesprecher René Costantini, auch weil Rettungsfahrzeuge und selbst Rettungsboote nicht mehr durchkommen, da sich Unrat und Holz in den Schrauben der Motoren verfangen und die Fahrzeuge wegen der Wassermassen gar nicht mehr fahren können. Laut Costantini steigt der Pegel der Inde derzeit weiter.

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In Stolberg ist die Lage nach Aussage von Patrick Haas extrem angespannt. „Für eine solch katastrophale Situation hat es bis heute keine Berechnungen gegeben“, stellt der Bürgermeister (SPD) am frühen Morgen fest. „Das ist kein sogenanntes 100-jähriges Hochwasserereignis. Das, was wir hier gerade erleben, liegt weit darüber.“

Auch in Stolberg kommen die Einsatzkräfte nicht durch, obwohl mehrere Unternehmen schweres Gerät und schweres Fahrzeug zur Verfügung gestellt haben. Außerdem haben sich laut Haas schon zahlreiche freiwillige Helfer gemeldet. Aktuell findet ein Erkundungsflug statt, um sich zumindest einen groben Überblick zu verschaffen. „Die Aufräumarbeiten werden uns über Wochen und Monate beschäftigen“, ist der Bürgermeister sicher. An mehreren Straßen, darunter die Kurt-Schumacher-Straße in Mausbach und die Zweifaller Straße in der Innenstadt, seien bereits größere Schäden erkannt worden.

Betroffen seien vor allem Stolberg mit der Innenstadt und den Ortsteilen Vicht und Zweifall, die Eschweiler Innenstadt und der historische Ortskern von Kornelimünster in Aachen. Roetgen und der Stadtteil Rott seien zudem zurzeit nicht mit Gas versorgt. „Grund dafür ist die eingestürzte Brücke, die die Gasleitung beschädigt hat“, teilte Regionetz weiter mit.Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es dann doch: Seit rund zwei Stunden sinken die beiden Pegel in Stolberg. Die Stadtverwaltung wird sich am Morgen mit der Städteregion Aachen über das weitere Vorgehen abstimmen. Sie hat, weil der Katastrophenfall auch für Stolberg ausgerufen worden ist, die Gesamtkoordination der Einsätze übernommen.

Die Lage im Stolberger Krankenhaus ist laut Dirk Offermann ruhig. „Wir haben aufgrund unserer topografischen Lage Glück gehabt“, stellt der Geschäftsführer auf Anfrage unserer Zeitung fest. Und die Stromversorgung sei dank der Notaggregate gesichert. Das Krankenhaus werde gleichwohl auf Notbetrieb umstellen, vor allem um den Kollegen aus Eschweiler helfen zu können. Das dortige Krankenhaus ist besonders stark von den Fluten betroffen, dem Vernehmen nach muss unter anderem die Intensivstation evakuiert werden. Ein offizieller Lagebericht steht allerdings noch aus.

Bereits am Mittwochabend hatte sich die Lage dramatisch zugespitzt, sowohl in Stolberg als auch in Eschweiler mussten Menschen ihre Häuser verlassen. In der Region Aachen sind wegen des Hochwassers mehrere Ortschaften zudem ohne Stromversorgung. „Zum aktuellen Zeitpunkt können wir noch nicht sagen, wann die Versorgung wieder hergestellt werden kann“, teilte die Regionetz GmbH, der Netzbetreiber der Stadt Aachen, am Donnerstagvormittag mit. „Aufgrund der Überschwemmungen können die Kollegen der Regionetz keine Kellerräume betreten und somit auch keine einzelne Haushalte wieder an das Stromnetz anschließen.“