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Hochwasser Erftstadt-Blessem: Burg und drei Häuser eingestürzt

Hochwasser in NRW : Drei Häuser und Teil einer Burg eingestürzt

In Erftstadt-Blessem sind drei Häuser komplett und Teile der historischen Burg eingestürzt. Es läuft eine große Rettungsaktion, die Stadt Köln stellt Notunterkünfte zur Verfügung. Angaben zu einem Todesopfer hat die Stadt zurückgezogen.

Die Verwaltung des Rhein-Erft-Kreises hat Angaben zu bislang einem bekannten Todesopfer im besonders betroffenen Erftstadt zurückgenommen. Der vermeldete Todesfall sei wohl fälschlicherweise mit dem Hochwasser in Verbindung gebracht worden, wie ein Sprecher des Kreises am Freitag sagte. Durch massive und schnell fortschreitende Unterspülungen sind mehrere Gebäude ganz oder teilweise eingestürzt.

Nach aktuellem Stand seien drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg eingestürzt. „Wir gehen von mehreren Toten aus, wissen es aber nicht“, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) am Freitag in Düsseldorf. Im bisher durchforsteten östlichen Teil des Ortes gebe es keine Todesopfer, alle dort lebenden Menschen seien in Sicherheit. „Aber das ist noch nicht die ganze Stadt.“ Die Lage in Erftstadt sei „wegen der Dynamik“ zurzeit „ganz besonders kritisch“ und noch sehr unübersichtlich.

55 Menschen seien aus von den Fluten betroffenen Häusern gerettet worden, sagte ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises. 15 Personen seien in dem gefährdeten Bereich noch in ihren Häusern eingeschlossen. Die Bundeswehr rücke mit Transportpanzern an, um bei der Bergung der Eingeschlossenen zu helfen. Er appellierte dringend an bereits evakuierte Bewohner, nicht in ihre Häuser zurückzukehren: "Die Rückkehr ist lebensgefährlich."

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Luftbilder und Fotos zeigen Erdrutsche von gewaltigem Ausmaß. Häuser wurden mitgerissen und verschwanden. Autos lagen in neu entstandenen riesigen Erdlöchern neben Betonteilen der ehemaligen Kanalisation.

Die Lage ist nach Angaben des zuständigen Landrates des Rhein-Erft-Kreises, Frank Rock (CDU), noch unübersichtlich. Er habe noch keine konkrete Zahl über Todesopfer oder Vermisste, sagte Rock am Freitag dem TV-Sender ntv. Kostenpflichtiger Inhalt Es seien noch 50 Menschen mit Booten gerettet worden, aber auch wieder Menschen auf eigene Faust in bereits evakuierte Häuser zurückgekehrt. Die Flut sei sehr schnell gekommen. Senken hätten binnen zehn Minuten unter Wasser gestanden. Es habe kaum Zeit gegeben, die Menschen zu warnen. „Es ist eine katastrophale Lage, wie wir sie hier noch nie hatten“, sagte Rock.

Die Rettung war zunächst vielfach nicht möglich, hieß es. Ein nicht abstellbarer Gasaustritt erschwere zudem den Zugang. Der Betrieb der Krankenhäuser vor Ort sei wegen der "massiven und schnell fortschreitenden Unterspülungen" nicht mehr möglich.

Die Bezirkregierung schickte einen Erkundungstrupp in den Rhein-Erft-Kreis. Aus den Häusern kämen immer wieder Notrufe. Menschen könnten derzeit aber nur mit Booten vom Wasser aus gerettet werden. Mehrere Pflegeheime und ein Krankenhaus wurden geräumt.

Offenbar haben nicht alle Menschen die gefährdete Region verlassen oder wurden herausgebracht, manche sollen auch zurückgekehrt sein, um ihr Hab und Gut zu sichern. Die Feuerwehr Pulheim meldet, dass die Polizei Hamburg mit der Tauchergruppe, Räumfahrzeugen und Booten in Erftstadt-Blessem eingetroffen ist.

Die Stadt Köln stellt Unterkünfte für die von der Flutkatastrophe betroffenen Bürger aus Erftstadt zur Verfügung. Sie folgt damit einem Hilfeersuchen der Bürgermeisterin von Erftstadt, Carolin Weitzel (CDU), wie die Stadtverwaltung Köln am Freitag mitteilte. Die Stadt Köln verfügt den Angaben zufolge bereits über Unterbringungskapazitäten für einen Katastrophenfall. Bei einem Großschadensereignis könnten Unterbringungsplätze kurzfristig aktiviert werden. Insgesamt stehen demnach bis zu 250 Plätze an drei Standorten zur Verfügung.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Dramatische Hochwasser-Lage in Erftstadt

(top/reuters/afp/dpa)