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Hitze und Dürre 2018: Waldbrandgefahr bleibt trotz Regens

Hitze und Dürre : Waldbrandgefahr in NRW bleibt trotz Regens

In diesem Sommer hat es dem NRW-Innenministerium zufolge schon 39 schwere Wald- und Feldbrände gegeben. Das sind so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr, sagt der Feuerwehrverband.

Der seit Wochen ausbleibende Regen hat die Wälder in NRW austrocknen lassen. Daran haben auch die wenigen Schauer am Mittwoch nichts ändern können. „Die Böden sind durch die Dürre knochentrocken – zum Teil einen halben Meter tief. Sie können daher das Regenwasser nicht aufnehmen“, sagt der NRW-Geschäftsführer des Verbandes der Feuerwehren, Christoph Schöneborn. Die Waldbrandgefahr bliebe nach wie vor bestehen (wir berichten fortlaufend in unserem Liveblog). „Es muss schon über einen längeren Zeitraum regelmäßig regnen, damit sich die Lage richtig entspannt.“

In Nordrhein-Westfalen hat es in diesem Sommer schon viele große Wald- und Feldbrände gegeben, bei denen jeweils mehr als 100 Feuerwehrleute im Einsatz gewesen sind. Nach Angaben des NRW-Innenministeriums wurden seit Mitte Mai 39 Wald-, Heide- und Moorbrände größeren Ausmaßes gemeldet. „Hierbei berücksichtigt sind nur die sofort meldepflichtigen Ereignisse mit mehr als 100 Einsatzkräften“, erklärt eine Sprecherin von Innenminister Herbert Reul (CDU) unserer Redaktion. „Wir haben leider keine Vergleichszahlen aus den Vorjahren.“ Der Grund: Die Zählweise, bei der nur große Waldbrände mit mindestens 100 Einsatzkräften geführt werden, ist in NRW neu. „Erst im Mai hat es einen entsprechenden Erlass des Ministeriums gegeben, in dem das so geregelt worden ist.“ Zuvor wurden alle Wald-, Feld- und Moorbrände in einer Jahresstatistik zusammengefasst – selbst die kleinsten Torfbrände fanden darin Erwähnung. Und diese kleinen, kaum nennenswerten Feuer, von denen die Öffentlichkeit eigentlich nie etwas mitbekommt, dürften mehr als 99 Prozent aller dieser Brände in der Statistik ausmachen. So hat es nach Angaben des Innenministeriums in NRW im vergangenen Jahr insgesamt 2589 Wald-, Heide- und Moorbrände gegeben. „Wir können leider nicht sagen, bei wie vielen davon mehr als 100 Feuerwehrleute im Einsatz waren“, sagt die Sprecherin.

In den Pressemitteilungen der Feuerwehren in NRW finden sich im vergangenen Jahr im Zeitraum von Mai bis September gerade einmal zwei größere Waldbrände. Auch in den Jahren davor lassen sich nur vereinzelt Meldungen über große Waldbrände in den Berichten finden. „Ich bin sicher, dass es mindestens seit zehn Jahren nicht mehr so viele große Wald- und Feldbrände in NRW gegeben hat“, sagt Verbandsgeschäftsführer Schöneborn. Vermutlich ist es aber noch viel länger her. „Aber ich kann nicht weiter in die Vergangenheit blicken.“ Auch andere Feuerwehrleute können sich an keine vergleichbare Zahl an schweren Waldbränden in einem Sommer erinnern. „Es ist einfach schade, dass es keine Vergleichszahlen gibt.“

Die Hauptursache für die massiven Waldbrände ist die seit Wochen anhaltende Trockenheit. Ein Funke reicht oftmals schon aus, und ganze Felder stehen binnen weniger Sekunden in Flammen. Ausgelöst werden die Feuer häufig durch Unachtsamkeit – etwa durch eine weggeworfene Zigarettenkippe. Aber auch Brandstiftung steckt in einigen Fällen dahinter. So wohl auch in Straelen, wo es am vergangenen Sonntag einen verheerenden Waldbrand gegeben hat. Stutzig gemacht hat die Polizei die Tatsache, dass es in dem Bereich zuvor schon mehrfach kleinere Brände gegeben hat. „In den vergangenen fünf Wochen hat es in diesem Waldstück entlang der A40 insgesamt acht Mal gebrannt“, sagt eine Polizeisprecherin. „Wenn es auf so einem vergleichsweise kleinen Gebiet so oft brennt, dann ist das kein Zufall, dann ist da Menschenhand im Spiel.“ Von dem Brandstifter fehlt noch jede Spur.

Der Großbrand hatte eine Fläche von etwa vier Hektar vernichtet – ein Viertel des gesamten Waldes. Mehr als 120 Feuerwehrleute aus Deutschland und den Niederlanden waren im Einsatz. Viele Tiere verendeten. Christoph Zebunke vom Regionalforstamt Niederrhein sagte, dass in dem Wald kein einziger Vogel mehr zu hören sei und es Jahre dauern werde, bis sich der Wald von dem Brand erholt habe.

(csh)