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Heinsberg: Senioren in Heimen sind besonders gefährdet - und müssen auf Besuche verzichten

Corona-Gefahr : Kein Besuch mehr für die Oma im Heim

In NRW sollen Oma und Opa in den Altenheimen vorerst nicht mehr besucht werden. Zum Schutz vor dem Coronavirus. In Heinsberg wissen die Menschen, wie sich das anfühlt.

Besonders schlimm ist es für die Heimbewohner, die nicht verstehen, was das Coronavirus überhaupt ist - warum Enkel, Tochter oder Bruder sie nicht mehr besuchen. Sie sind dement und können sich kaum noch mit Worten ausdrücken. Pflegerin Isabel de Sousa versteht sie trotzdem. Diese alten Menschen, die niemand mehr besucht, werden unruhig, klopfen, werden manchmal auch aggressiv. Und die Pflegerin bekommt auch mit, wie auf der anderen Seite die Angehörigen leiden.

Die Pflegerin wirkt bekümmert, als sie das auf einem Flur im Heinsberger Altenzentrum der Arbeiterwohlfahrt erzählt. Im Haus haben sie anfangs gehofft, dass die zunächst nur im Kreis Heinsberg eingeschränkte Besucherregelung für ein, zwei, höchstens mal drei Wochen gilt, um die Bewohner vor dem neuartigen Coronavirus zu schützen. Das war kurz nach der landesweit entdeckten Erstinfektion im Kreis. Die drei Wochen sind nun fast vorbei. NRW ist das Bundesland mit den meisten nachgewiesenen Infektionen und die Zahlen steigen und steigen. Auch vier Todesfälle gab es bereits.

Und seit Freitag sind nun alle Alten- und Pflegeheime in NRW betroffen: Nach einer neuen Regelung der Landesregierung dürfen diese Einrichtungen grundsätzlich nicht mehr besucht werden. Besuche seien nur in dringenden Ausnahmefällen möglich, hatte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) gesagt. Im entsprechenden Erlass der Landesregierung ist das etwas weicher formuliert: Besuche würden auf maximal eine Stunde pro Tag und eine Person je Bewohner beschränkt. Ohnehin raten Virologen jedoch dazu, gefährdete Angehörige nicht durch Besuche in Gefahr zu bringen.

Vor allem auf Dauer würden strenge Regelungen wie in Heinsberg zur Belastung für Bewohner und Angehörige, meint der Leiter des Heinsberger Altenzentrums, Wilhelm Schmitz. „Ein oder zwei Wochen kann man das gut machen“, meint er. Aber mittlerweile fragten sich vor allem die Verwandten, wie lange das denn noch gehen solle. Die würden immer weniger Verständnis für die Einschränkung aufbringen.

Zu spüren ist das auch in der Aachener Region, wie der Sprecher der Städteregion Detlef Funken sagt. Aachen ist ebenfalls stark von der Epidemie betroffen. „Wir sprechen die Empfehlung aus, von Besuchen abzusehen. Aber in den Altenheimen kommen trotzdem Ehepaare mit Hund und Kind und besuchen die Oma“, erzählt Funken kurz bevor die landesweite Regelung der Düsseldorfer Regierung kommt. Immer wieder erklärt die Städteregion in der Öffentlichkeit, wie wichtig es sei, gerade diesen Personenkreis vor dem Virus zu schützen.

Die 93-jährige Bewohnerin Anna Hardt nimmt es im Heinsberger Altenzentrum gelassen. „Ich kann es ja nicht ändern“, sagt sie mit kräftiger Stimme. Sie hat vor Jahren verkraften müssen, dass der Krebs ihr beide Kinder genommen hat. Aber die Enkelin ist noch da, hat sie bis vor Wochen regelmäßig besucht. Jetzt ruft sie an, jeden Abend - „letztens auch zwei Mal“, erzählt sie. Frau Hardt spricht auch von der Frau auf ihrer Station, die immer wieder fragt: „Wann kommt Christa? Wann kommt Christa?“ Frau Hardt erklärt dann, aber die Worte erreichen die demente Frau in ihrem Kummer nicht.

Im Altenzentrum der Arbeiterwohlfahrt leben rund 130 Menschen. Sie sind sehr betagt oder gesundheitlich angeschlagen wie Käthe Küppers. Sie ist erst 61 Jahre alt, hat aber in den letzten Jahren gesundheitlich viel einstecken müssen. Jeden Freitag kam ihr Bruder Heinrich mit seiner Frau Annemie. Sie waren gemeinsam in der Stadt unterwegs oder sind auf Käthes Zimmer gegangen.

Jetzt gibt es das Virus und Käthe fährt freitags in ihrem Rollstuhl raus auf den Parkplatz, wo Bruder und Schwägerin ihr ein Mitbringsel geben. Dann erzählen sie so lange, bis die Schwägerin sagt, dass Käthe reingehen soll: Es werde zu kalt. An diesem Tag dürfen sie ausnahmsweise noch mal gemeinsam beim Kaffee drinnen sitzen, um ihre Lage zu schildern.

Sie wissen, dass es darum geht, Käthe zu schützen und die anderen Mitbewohner. Falls das Virus eingeschleppt würde, könnte es um Leben und Tod gehen. Potenziell auch für so manchen Besucher, in der Regel auch schon betagt, wie der Heimleiter sagt. Nicht daran zu denken, wenn über ein eingeschlepptes Virus Mitarbeiter infiziert würden.

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(hsr/dpa)