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Hand-Fuß-Mund-Krankheit in NRW: Ausbreitung in Kitas - Infos

Immer mehr Kinder betroffen : Hand-Fuß-Mund-Krankheit breitet sich in NRW aus

Rote Pusteln und Flecken: In der Region infizieren sich aktuell viele Kinder mit der Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Die Pandemie ist ein zentraler Grund für die hohe Ansteckungsrate.

Auffällig viele Kinder in der Region infizieren sich derzeit mit der hochansteckenden Hand-Fuß-Mund-Krankheit. „Wir haben deutlich mehr Fälle als sonst, sie treten geballter auf. Wir sehen eine Häufung der Ansteckungen. Früher hatten wir vielleicht ein bis zwei Fälle in einer Gruppe; jetzt hat man plötzlich 20 Erkrankte“, sagt Sandra Lunte-Wolfram, Bereichsleiterin der Einrichtung Kinderhut mit Standorten unter anderem in Köln, Düsseldorf, Neuss, Monheim und Ratingen.

Sie berichtet von einer Kita in Düsseldorf, in der infolge der Krankheit in der vergangenen Woche von 30 Kindern nur zehn da gewesen seien; in einer anderen seien nur sechs von 30 anwesend gewesen. „In einigen Kitas sind ganz viele Kinder wegen der Krankheit schon eine Woche lang zu Hause geblieben“, sagt sie.

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit wird durch Viren ausgelöst und geht mit einem Ausschlag im Mund sowie an den Handflächen und Fußsohlen einher. Gesäß, Genitalbereich, Knie oder Ellenbogen können auch betroffen sein. Die Erreger werden durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen; aber auch eine Ansteckung über die Luft ist möglich. „Die Krankheit ist sehr ansteckend. Wenn ein Kind in einer Gruppe das hat, haben häufig auch die anderen in der Gruppe bald die Krankheit. Die Inkubationszeit beträgt normalerweise wenige Tage“, sagt Axel Gerschlauer vom Verband der Kinder- und Jugendärzte in NRW. Infolge der Pandemie sei es bei der Krankheit ähnlich wie bei den Atemwegserkrankungen – Husten, Schnupfen und Heiserkeit. „Die Kinder hatten in der Zeit kaum bis gar keinen Kontakt zu anderen Kindern. Und so konnte das Immunsystem auch nicht üben, mit diesem Virus umzugehen“, erklärt Gerschlauer.

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Auch Elenaz Kateby, Leiterin des „Haus der kleinen Leute“ in Düsseldorf, einer Kindertageseinrichtung mit mehreren Gruppen, stellt fest, dass die Krankheit vermehrt auftritt. „Hand-Mund-Fuß ist bei uns gerade sehr verbreitet. Das stellen wir fest. Das hängt damit zusammen, dass die Kinder wegen der Pandemie nicht so starke Abwehrkräfte haben. Sie fangen sich die Krankheit deswegen schneller ein.“

Auslöser der Hand-Fuß-Mund-Krankheit sind die sogenannten Coxsackie-Viren, gegen die man nach Meinung der Mediziner eigentlich nichts machen kann. Das Besondere an der Krankheit ist es, dass die Symptome an mehreren Stellen auftreten – eben an Hand, um den Mund, den Fußsohlen und im Mund selbst. „Entscheidend ist, wie viele dieser Flecken im Mund sind, denn dort tut es weh“, sagt Gerschlauer. Dann soll man den Kindern keine Fruchtsäfte sowie nichts zu Scharfes und nichts zu Saures geben. „Und bei Bedarf soll man auch Schmerzmittel verabreichen“, so der Kinder- und Jugendarzt.

Hand-Fuß-Mund ist eine klassische Kindererkrankung, die besonders in den Kindergärten weitergegeben wird. „Dabei beobachten wir im Kita-Bereich regionale Herde, wo die Krankheit besonders auftritt“, sagt Klaus Bremen, Landesvorsitzender des Kitaverbandes in NRW. Demnach gibt es Orte, wo die Krankheit vermehrt auftritt, und Gegenden, wo sie aktuell kaum eine Rolle spielt. So gibt es etwa in den Kitas des Kreisverbandes Düsseldorf des Deutschen Roten Kreuzes aktuell in nur einer Kita mildere Verläufe der Krankheit.

Sobald es einen Fall von Hand-Fuß-Mund in einer Kita gibt, müssen sofort spezielle Hygienemaßnahmen getroffen werden – insbesondere verstärkte Handhygiene „Dann sollten Papierhandtücher genutzt werden; und alle Handkontaktflächen sollten häufiger als sonst desinfiziert werden“, sagt Lunte-Wolfram. Die Krankheit kann auch auf Erwachsene übergreifen. „Eine Kollegin von mir konnte beispielsweise nur noch mit dem Strohhalm halbwegs Nahrung aufnehmen, weil in ihrem Mund alles offen und kaputt war. Dann kann man sich vorstellen, wie schmerzhaft das für Kinder ist“, so Lunte-Wolfram.

Gerschlauer rät allen betroffenen Eltern trotz allem zur Gelassenheit. „Infekte sind normal. Kontakt mit Erregern gehört zum Großwerden dazu; dadurch wird das Immunsystem für die wirklich ernsten Fälle trainiert“, so der Mediziner.