Hambacher Forst: RWE erwartet Braunkohle-Rückgang um mindestens 25 Prozent

25 Prozent weniger Braunkohle : RWE rechnet mit deutlichem Förderrückgang in Hambach

Das Oberverwaltungsgericht in Münster hat am Freitag den Rodungsstopp im Hambacher Forst beschlossen. Laut einem „Spiegel“-Bericht hat das Folgen für den angrenzenden Braunkohletagebau. Der Energiekonzern RWE erwägt, die Förderung vorerst deutlich zurückzufahren.

Der Energiekonzern RWE erwartet durch den Förderrückgang im Tagebau Hambach keine zusätzlichen Belastungen über den bereits genannten wirtschaftlichen Schaden hinaus. Es gelte weiter die Aussage von Freitag, wonach der Versorger durch die Betriebseinschränkungen ab 2019 jährlich mit einem wirtschaftlichen Schaden in niedriger dreistelliger Millionen-Euro-Höhe rechne, sagte eine Sprecherin am Dienstag.

Die Ergebnisprognose für 2018 gelte weiterhin. Auch seien kurzfristig keine Auswirkungen auf die Arbeitsplätze im Tagebau zu erwarten.

RWE bestätigte einen Bericht des „Spiegel“, wonach die Förderung im Braunkohletagebau Hambach jährlich um zehn bis 15 Millionen Tonnen niedriger ausfallen könne.

Dem Bericht des „Spiegel“ zufolge rechnet der Konzern mit einem Rückgang der Förderung um 25 bis 38 Prozent. Bislang werden im Tagebau Hambach jährlich rund 40 Millionen Tonnen Kohle gefördert.

Laut RWE-Angaben könnte die Stromerzeugung in den vom Tagebau Hambach belieferten Kraftwerken Neurath und Niederaußem in der Folge vorerst um neun bis 13 Terawattstunden zurückgehen. In Neurath werden laut „Spiegel“ derzeit etwa 18 Millionen Tonnen pro Jahr aus dem Standort Hambach zur Stromerzeugung eingesetzt, im Kraftwerk Niederaußem jährlich etwa zehn Millionen Tonnen.

Durch den gedrosselten Betrieb erwarte RWE offenbar, in Hambach noch rund ein Jahr weiter Braunkohle fördern zu können, berichtete der „Spiegel“. RWE schätze, dass „Ende 2019“ die Kohlebagger allmählich zum Stillstand kommen könnten. Die Abbruchkante des Tagebaus liegt derzeit noch einige hundert Meter vom Waldrand entfernt. Der Gerichtsbeschluss verbietet es dem Konzern nicht ausdrücklich, bis kurz vor den Wald zu baggern.

Das Oberverwaltungsgericht in Münster hatte am Freitag per Eilbeschluss verfügt, dass der Forst vorläufig nicht gerodet werden darf. RWE darf demnach nicht mit den Arbeiten beginnen, bis über eine Klage des Umweltverbands BUND entschieden ist. Damit hob das Gericht in Münster ein Urteil des Verwaltungsgerichts Köln auf.

RWE wollte einen Teil des Waldes roden, um den nahegelegenen Tagebau Hambach zu vergrößern. Der Konzern habe nicht ausreichend belegt, dass die Rodung nötig sei, um die Energieversorgung in Deutschland aufrecht zu erhalten, erklärte das Gericht. RWE darf jedoch weiter Braunkohle im Tagebau fördern, solange der Forst davon nicht betroffen ist.

(mba/rtr/AFP)
Mehr von RP ONLINE