Hambacher Forst - Chronologie der Ereignisse

Hambacher Forst: Der dauerbesetzte Wald

Seit 2012 besetzen immer wieder Aktivisten den Hambacher Forst, um die Rodung zu verhindern. Bisher sind sie auch nach einer Räumung immer zurückgekehrt. Eine Chronologie.

Von mehr als 4000 Hektar Wald sind noch knapp 200 übrig - der Großteil des Hambacher Forstes in der Nähe von Kerpen ist also bereits im Braunkohletagebau von RWE verschwunden. Dass auch noch der Rest verschwindet, der wegen seltener Bäume und Tierarten als besonders wertvoll gilt, dagegen wehren sich Aktivisten. Zum Teil seit Jahren.

Proteste gegen den Tagebau gab es schon zuvor, doch erst 2012 besetzen Umweltaktivisten erstmals einen kleinen Teil des Waldes, indem sie Plattformen in die Bäume bauen. Sie harren von April bis November aus, bevor die Polizei das Camp räumt. Ein Aktivist verschanzt sich sogar vier Tage in einem sechs Meter tiefen Erdloch, bevor die Polizei ihn herausholt. Alle 27 Verfahren gegen die Waldbesitzer werden eingestellt.

Doch das ist erst der Auftakt. Bereits im September 2013 wird der Wald erneut besetzt. Im März 2014 räumt die Polizei, einen Monat später besetzen Aktivisten den Wald erneut, an mehreren Stellen.

Diesmal dauert es bis Oktober, bevor die Polizei auch diese Lager räumt. Aktivisten werden festgenommen. Sie sollen Mitarbeiter von RWE mit Pfefferspray, Knüppeln und Feuerwerk angegriffen haben. Die Polizei findet Handgranaten aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Aktivisten sagen, es handle sich um Kriegsrelikte in einem damals stark umkämpften Gebiet. Auch diesmal kehren die Umweltschützer zurück, bauen teilweise riesige Hütten hoch oben in den Bäumen.

  • Polizisten durchkämmen den Hambacher Forst (Archivbild)
    Schutz durch Hunderte Polizisten : RWE räumt Barrikaden von Aktivisten im Hambacher Forst

Mehrere Seiten haben ein Interesse an der Deutungshoheit, Polizei, RWE, Aktivisten, deshalb ist es nicht immer einzuschätzen, was sich dort in all den Jahren wirklich zugetragen hat, wer wen provoziert und zuerst angegriffen hat. Nach Medienberichten bewerfen Aktivisten beispielsweise immer wieder Polizisten und RWE-Mitarbeiter mit Steinen, zünden Barrikaden an und legen Krähenfüße aus, um die Arbeiten zu behindern. Das Oberverwaltungsgericht entscheidet im Dezember 2016, dass das so genannte Wiesencamp am Hambacher Forst illegal ist. Im November 2017 entscheidet das Verwaltungsgericht Köln gegen einen Antrag des BUND NRW, dass der Tagebau fortgeführt werden darf und die Rodung rechtens sei.

Der Termin der Rodung rückt näher. RWE hat angekündigt, damit im Oktober 2018 zu beginnen. In den vergangenen Wochen kontrolliert die Polizei immer wieder das Camp, beseitigt Hindernisse. Am 26. August werden nach Aussagen der Polizei sieben Polizisten durch Steine, Böller und Molotowcocktails verletzt. Am 28. August stellt sie Spraydosen, Kartoffelmesser und Gabeln im Camp sicher. Am 3. September zeigt die Polizei Medien ein Arsenal an beschlagnahmten Waffen, doch später muss das NRW-Innenministerium einräumen, dass die meisten Gegenstände bereits 2016 beschlagnahmt wurden.

Am 12. September fordert das nordrhein-westfälische Bauministerium die Stadt Kerpen auf, die Baumhäuser zu räumen. Offizielle Begründung: Der Brandschutz in den Hütten ist nicht gewährleistet. Am 13. September beginnt die Polizei mit der Räumung des Hambacher Forstes.