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Guide Michelin 2020: Diese NRW-Restaurants haben Sterne bekommen oder verloren

Guide Michelin 2020 : „Wir haben nicht mehr damit gerechnet“

Der Gastroführer Guide Michelin hat die Ergebnisse seiner Sterneverleihung bekannt gegeben. Insgesamt gibt es nun 48 Sterne-Lokale in NRW. Vier Häuser haben ihre Sterne verloren, fünf neue kamen hinzu.

Heinz Zurheide hat zwei Nächte nicht geschlafen vor lauter Aufregung. „Meine beiden Köche auch nicht“, sagt der Inhaber des Düsseldorfer Gourmet-Restaurants „Setzkasten“. Seine beiden Köche sind Küchenchef Anton Pahl und Sous-Chef Egor Hopp – und als am Dienstagvormittag der Guide Michelin sein Ranking der Spitzenrestaurants veröffentlichte, war klar: Der „Setzkasten“ ist mit seinem ersten Michelin-Stern nun offiziell in der ersten Haute-Cuisine-Liga angekommen. „Manche haben nicht daran geglaubt, dass man in einem Supermarkt einen Stern erkochen kann“, sagt Zurheide. „Aber mein Team und ich waren immer davon überzeugt.“ Die Freude sei bei allen riesig. Das Restaurant befindet sich im Untergeschoss eines Edeka-Marktes an der Berliner Allee. Getrennt von Glasscheiben wird auf der einen Seite eingekauft und auf der anderen Seite fein gespeist.

Blick auf den Eingangsbereich des Restaurants Setzkasten in Düsseldorf. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Der „Setzkasten“ ist eines von 48 Sterne-Restaurants in Nordrhein-Westfalen, die der Gourmetführer ausgezeichnet hat. Die Topliga führt seit Jahren das „Vendôme“ in Bergisch Gladbach an. Es bleibt unter der Leitung von Joachim Wissler das einzige Drei-Sterne-Haus in NRW. Zwei Sterne halten die beiden Kölner Restaurants „Le Moissonnier“ und „Ox & Klee“. Auch Fernsehkoch Frank Rosin behält seine beiden Sterne im „Rosin“ in Dorsten.

Mehr Bewegung gibt es bei den Ein-Sterne-Lokalen: Münster hatte bisher keines, nun bekamen sowohl das „Coeur D’Artichaut“ und das „Ferment“ einen Stern. In Köln wurde das „Astrein“ ausgezeichnet, damit hat die Stadt neun Ein-Sterne-Häuser, in Düsseldorf sind es zehn. In Essen bekam das „Hannappel“ seinen ersten Stern. „Wir haben wirklich jedes Jahr darauf gewartet und jetzt schon nicht mehr damit gerechnet“, sagt Inhaber und Küchenchef Knut Hannappel. „Jetzt sind wir umso glücklicher.“ In Hamburg waren schon Hotelzimmer für das komplette Team gebucht. Doch die Guide-Michelin-Gala wurde wegen des Coronavirus und der gesundheitlichen Risiken für die Teilnehmer abgesagt. Die Auszeichnungen wurden stattdessen über einen Livestream im Internet bekannt gegeben werden. „Wir haben mit dem ganzen Team davor gesessen“, sagt Hannappel. Der 52-Jährige hat die ehemalige Bergbau-Arbeiter-Kneipe seiner Eltern in Essen in ein schickes Lokal verwandelt. „Wir machen das Ganze seit 27 Jahren“, sagt er. Mit seinem Co-Küchenchef Tobias Weyers und dem Team wird nun gefeiert. Hannappel glaubt nicht, dass ihm die Veredelung seines Restaurants durch einen Stern nun mehr Druck machen wird. „Aber klar, jetzt haben wir etwas zu verlieren, was wir vorher nicht verlieren konnten“, sagt er.

Vier NRW-Restaurants sind es, die ihre Sterne in diesem Jahr verloren haben: „Kaspars“ in Bonn, „Nenio“ in Düsseldorf, „Am Kamin“ in Mülheim an der Ruhr und „Heldmann“ in Remscheid. Entweder wurde das Konzept geändert oder die Lokale wurden geschlossen.

Das „Neobiota“ in Köln trifft den Trend des „Casual Fine Dining“, den der Michelin hochhält: In dem Restaurant gibt es keine weißen Tischdecken, keine steifen Kellner, die Gäste sitzen an der Bar oder auf gepolsterten Holzstühlen. Die Küchenchefs Sonja Baumann und Erik Scheffler, 35 und 34 Jahre alt, konnten den Stern halten, den sie 2019 bekommen haben. „Wir kochen schon immer so, wie wir kochen“, sagt Sonja Baumann. „Sich zu verstellen und etwas anders machen wollen, nur um ausgezeichnet zu werden, führt zu nichts. Das ist nicht authentisch.“ Am Dienstag war normaler Betrieb im „Neobiota“. „Wir werden aber nachher mit dem ganzen Team anstoßen und am Wochenende feiern“, sagt Baumann.

Bundesweit haben 308 Restaurants Michelin-Sterne, es gibt nur zehn mit drei Sternen. Zu ihnen gehört jetzt das „Rutz“ – es ist das erste Berliner Lokal mit drei Michelin-Sternen. 28 Restaurants haben bundesweit ihre Sterne verloren. Besonders dramatisch ist das für die „Schwarzwaldstube“ und die „Köhlerstube“ in Baiersbronn. Beide Restaurants des Hotels Traube Tonbach sind im Januar ausgebrannt. Die Schwarzwaldstube hat nun ihre drei Sterne, die Köhlerstube einen Stern verloren.