Großbrand in Siegburg: LKA-Ermittler untersuchen Brandursache an ICE-Strecke

Großbrand in Siegburg : LKA-Ermittler untersuchen Brandursache an ICE-Strecke

Siegburg: Böschungsbrand greift auf Wohnhäuser über

Nach dem Brand an der ICE-Strecke zwischen Siegburg und Frankfurt zeigt sich das Ausmaß der Zerstörung: Die Flammen hinterließen ausgebrannte Dachstühle und Autowracks. Während die Schnellzüge schon wieder fahren, suchen Experten nach dem Grund für das Feuer.

Einen Tag nach dem verheerenden Brand an der Siegburger ICE-Strecke mit 32 Verletzten fahren die Schnellzüge auf einer der zentralen deutschen Trassen wieder weitgehend nach Plan. „Es gibt nur noch leichte Verspätungen“, sagte ein Bahnsprecher am Mittwochmorgen. Die Schnellzüge führen an der Brandstelle mit gedrosselter Geschwindigkeit vorbei. Wann die Strecke zwischen Köln und Frankfurt auch wieder für den Regionalverkehr freigegeben werde, sei noch unklar.

Bei dem Brand waren am Dienstag mehrere Häuser an der Trasse zerstört worden. Nach wie vor ist nicht bekannt, wie das Feuer ausbrechen und von der Böschung auf die Siedlung übergreifen konnte. „Was den Brand ausgelöst hat, ist bislang unklar“, sagte ein Bahnsprecher aus NRW unserer Redaktion. Am Dienstag war zunächst vermutet worden, dass ein Funkenschlag den Brand verursacht haben könnte. Ein Funkenflug als Ursache für den folgenschweren Böschungsbrand ist laut eines Experten aber sehr unwahrscheinlich. „Dass ein Funkenflug jemals zu einem Böschungsbrand geführt hat, ist mir nicht bekannt“, sagt Christian Schindler, Leiter des Instituts für Schienenfahrzeuge und Transportsysteme an der RWTH Aachen.

LKA-Ermittler sind derzeit vor Ort, um festzustellen, wodurch das Feuer ausgelöst wurde, teilte eine Sprecherin der Polizei Siegburg auf Anfrage unserer Redaktion mit. Über die Höhe des finanziellen Schadens gibt es bislang keine Angaben.

Durch die wochenlange Dürre hatte sich ein zunächst harmlos erscheinender Böschungsbrand rasend schnell ausbreiten können. „Dann flogen die Funken auf die Schienenseite zum Brückberg, erklommen auf breiter Front den Wall, griffen auf die Häuserzeile über“, teilte die Stadt mit. „Aufgrund der Trockenheit ging es rasend schnell, der Wind verschlimmerte die Sache.“

Der Regen in den Morgenstunden habe die Arbeiten der Einsatzkräfte etwas erleichtert. „So kann zumindest kein neues Feuer ausbrechen“, sagte der Bahnsprecher.

Acht Gebäude wurden durch die Flammen derart massiv beschädigt, dass einige von ihnen voraussichtlich kaum noch instand gesetzt werden können und eventuell abgerissen werden müssen. Die Bahnstrecke musste gesperrt werden. Nach Angaben der Leitstelle konnten 15 Bewohner ihre Häuser nicht mehr betreten. 13 von ihnen wurden in Ersatzquartieren der Stadt untergebracht, zwei kamen bei Verwandten unter. „Das Angebot aus der Bevölkerung ist überwältigend“, teilte die Stadtverwaltung mit. „Viele Siegburger sowie Hilfsbereite aus der Umgebung boten Zimmer oder auch Ferienwohnungen an.“

Nach mehreren Stunden hatten die rund 550 Einsatzkräfte den Brand unter Kontrolle. Auch ein Wasserwerfer der Bundespolizei und ein Hubschrauber wurden angefordert. Am frühen Morgen war der Großeinsatz der Feuerwehr beendet. Lediglich ein Fahrzeug war den Angaben zufolge noch zur Brandschutzwache vor Ort.

Das Feuer hatte den Fahrplan der Bahn deutlich durcheinander gebracht. ICEs zwischen Köln und Frankfurt mussten zeitweise am Rhein entlang umgeleitet werden. Neben den Fernzügen waren zahlreiche Regionalzüge und S-Bahnen betroffen.

Auch am Mittwoch wirkte sich das Feuer auf die Zugverbindungen aus: Im Nahverkehr enden und beginnen die Züge der RE 9 zunächst aus Richtung Niederschelden in Au, teilte die Bahn mit. Aus Richtung Aachen Hbf ist bis auf weiteres in Köln/Deutz Schluss. Die Züge der S 12 aus Richtung Au (Sieg) enden und beginnen in Hennef, aus Richtung Horrem in Troisdorf. Ein Ersatzverkehr mit Bussen und Taxis ist zwischen Hennef (Sieg) und Troisdorf eingerichtet.

(dpa/heif)
Mehr von RP ONLINE