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Großbrand an ICE-Strecke in Siegburg: Neun Häuser sind unbewohnbar

Großbrand an ICE-Strecke in Siegburg : Deutsche Bahn will 500.000 Euro für Betroffene spenden

Siegburg: Böschungsbrand greift auf Wohnhäuser über

Neun Häuser sind nach dem Brand an der ICE-Strecke bei Siegburg unbewohnbar. Ein Statiker muss prüfen, ob sie einsturzgefährdet sind. Die Bewohner dürfen erstmal nicht zurück in ihr Heim. Die Polizei ist derweil auf der Suche nach der Brandursache.

Erst als alles vorbei war, setzte der Regen über Siegburg ein. Es ist die bittere Pointe des Großbrandes an der ICE-Trasse in Siegburg. Wegen der extremen Trockenheit der vergangenen Wochen brannte die Böschung der Bahntrasse binnen Augenblicken lichterloh, ein Übergreifen der Flammen auf die Häuser oberhalb der Böschung war nicht zu verhindern. „Die Menschenrettung war das oberste Ziel. Das ist uns gelungen“, sagt Georg Burmann, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Siegburg. „Ansonsten haben wir versucht zu retten, was zu retten ist.“

32 Personen wurden verletzt, neun Häuser hat das Feuer so stark beschädigt, dass sie unbewohnbar geworden sind. Weitere Grundstücke sind betroffen. Mal hat der trockene Rasen Feuer gefangen, mal ein Gartenhäuschen. Auf der anderen Straßenseite sind die Häuser intakt geblieben. Wie hoch der Schaden insgesamt ist, lässt sich noch nicht beziffern.

Anwohner Heinrich Bergen ist mit dem Schrecken davon gekommen: Sein Haus blieb unversehrt. Die benachbarten Bauten, in denen seine Schwägerinnen mit Familien wohnen, sind dagegen völlig zerstört.

Verkohlte Dachbalken hängen an der Fassade herab, die vor dem Haus geparkten Autos sind völlig ausgebrannt. "Ich bin am Dienstagnachmittag mit dem Fahrrad nach Hause gefahren. Da sah ich schon, dass eine kleine Fläche an der Bahnlinie brannte", sagt er. Die Feuerwehr sei schon da gewesen, um zu löschen. Dann seien Züge vorbeigefahren und hätten den Brand aufgewirbelt. Binnen kürzester Zeit seien die Flammen die Böschung hochgeschossen. Sein Schwager habe Hals über Kopf mit Tochter und Enkelkind das Haus verlassen - über die Rückseite, denn vorne habe schon alles gebrannt.

Der Feuerwehreinsatz dauert bis zum späten Dienstagabend. Laut Sprecher der Kreisfeuerwehr Siegburg ist er seit dem frühen Morgen beendet. 550 Einsatzkräfte aus dem gesamten Kreisgebiet, aus Bonn und sogar aus dem Oberbergischen waren am Dienstag im Einsatz. Wenigstens hat der Regen verhindert, dass sich Glutnester über Nacht neu entzünden konnten. Die Freiwillige Feuerwehr aus Much hat über Nacht Brandwache gehalten, am Morgen haben die Kollegen aus Siegburg wieder übernommen. Zu Löschen ist aber nichts mehr.

Eine halbe Million Euro Hilfsgeld von der Deutschen Bahn

Nun läuft die Suche nach der Brandursache auf Hochtouren. Brandermittler der Polizei Siegburg und des Landeskriminalamts (LKA) sind vor Ort. Auch Techniker der Deutschen Bahn unterstützen bei der Suche. Was das Feuer an der Böschung ausgelöst haben könnte, ist am Tag danach zunächst noch Gegenstand von Spekulationen. Die Deutsche Bahn will nach Angaben des NRW-Innenministers Herbert Reul (CDU) 500.000 Euro an einen Hilfsfond für Betroffene des Brandes spenden.

In der Siedlung, in der das Feuer wütete, ist es am Mittwochmorgen still, es sind kaum Menschen auf der Straße. Schaulustige halten sich zurück, nach und nach treffen Übertragungswagen und Reporter ein. Der Stadtteil Brückberg ist eine gepflegte Wohngegend mit vielen Einfamilienhäusern, geklinkerte Fassaden, Kiesbett vor den Häusern.

Doch rund um die Brandstelle oberhalb der Böschung hat das Feuer eine Schneise der Verwüstung geschlagen. Bei mehreren Häusern ist der Dachstuhl komplett ausgebrannt. Es sind nur noch Ruinen. Die Grundstücke sind mittlerweile mit Bauzäunen des städtischen Bauhofs abgeriegelt. Was das Feuer nicht zerstört hat, hat das Löschwasser erledigt. Erst wenn ein Statiker die Stabilität der Häuser überprüft hat, dürfen die Anwohner in ihre Häuser und ihr Hab und Gut sichten. 15 Personen haben ihr Heim verloren, darunter auch Ältere und Pflegebedürftige.

In Siegburg ist die Brandursache noch unklar

Wer sich vor Ort ein Bild macht, ist erschüttert. „Ein solches Ausmaß der Zerstörung habe ich noch nie gesehen“, sagt der Siegburger Bürgermeister Franz Huhn (CDU). Er ist noch in der Nacht zur Brandstelle geeilt. Er hat seinen Mallorca-Urlaub abgebrochen.

„Ich weiß gar nicht, was man den Leuten sagen soll, die hier gewohnt haben“, sagt Herbert Reul, der sich am Mittwochmittag nach Siegburg gekommen ist. Der Innenminister steht vor den abgebrannten Häuserruinen. Er lobt die Feuerwehr und die Einsatzkräfte: „Das ist eine Riesenleistung.“ Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel meldet sich über eine Sprecherin zu Wort. Sie bedankt sich ebenfalls bei den Einsatzkräften und wünscht den Verletzten eine schnelle Genesung.

„Die Betroffenen brauchen jetzt schnell eine Unterkunft, und die Versicherungen müssen schnell aus dem Quark kommen“, sagt der NRW-Innenminister. Er bietet Unterstützung an, sollte es Probleme mit der Versicherung geben.

Auch die Siegburger Stadtverwaltung will helfen. Sie hat am Dienstag 13 Menschen in Übergangswohnungen untergebracht, zwei kamen bei Verwandten unter. Nach Aussage des Stadtsprechers soll den betroffenen Hausbesitzern die Grundsteuer B erlassen werden. „Wir helfen auch bei der Schadensregulierung mit der Versicherung.“ Die Flüchtlingshilfe Siegburg-Lohmar will den betroffenen Bürgern mit Sachspenden helfen. Überhaupt sei die Hilfsbereitschaft bereits am Dienstag sehr groß gewesen. „Bereits Dienstagnachmittag hatten wir Anrufe von Bürgern, die sofort Möbelspenden und ihre Ferienwohnungen angeboten haben.“